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Hagel verursacht im Kanton Luzern Schäden von bis zu 200 Millionen Franken – Gebäudeversicherung bittet Betroffene um Geduld

Der Hagelschlag von vergangener Woche hat viel höhere Schäden verursacht als bisher angenommen. Regierungsrat Paul Winiker besuchte die betroffenen Gebiete.

Dominik Weingartner
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Der Hagel hat in Wolhusen ganze Häuser abgedeckt.

Der Hagel hat in Wolhusen ganze Häuser abgedeckt.

Eveline Beerkircher

150 bis 200 Millionen Franken – so hoch schätzt die Luzerner Gebäudeversicherung die durch das Unwetter von vergangener Woche entstandenen Schäden. Sie spricht vom «grössten Elementarereignis» seit 16 Jahren. 2005 verwüstete ein Jahrhunderthochwasser die Schweiz, allein im Kanton Luzern wurden die Schäden damals auf 590 Millionen Franken beziffert.

Der Hagelschlag vom Montag vergangener Woche verursachte in einem Streifen von Wolhusen über Ruswil, den Sempachersee bis Neudorf und Römerswil massive Schäden. «Die hohe Zerstörung, welche das Gewitter anrichtete, war selbst für Experten unvorstellbar», schreibt die Gebäudeversicherung in einer Mitteilung. Insbesondere Dächer wurden in Mitleidenschaft gezogen und Häuser sind zum Teil nicht mehr bewohnbar. «In der Zwischenzeit konnten Notdächer erstellt werden, um weitere Schäden zu verhindern», heisst es weiter.

Eine Woche nach dem Unwetter ist Wolhusen immer noch im Ausnahmezustand. Betroffen von den Hagelschäden sind unter anderem Landwirt Hanspeter Streit sowie die Bewohner im Spitalquartier. Und auch die Turnhalle wurde arg in Mitleidenschaft gezogen:

Abklärungen können noch Monate dauern

Am Tag nach dem Ereignis rechnete die Gebäudeversicherung noch mit 7000 Schadenfällen und 60 Millionen Franken Schaden. Doch bereits Ende vergangener Woche wurde klar, dass diese Schätzung zu tief war. Nun steigt die Zahl der Fälle auf 12'000, die Schadenssumme hat sich ungefähr verdreifacht. Die hohe Summe sei zum Teil durch die vielen Schadenfälle zu erklären, sagt die Versicherung. «Andererseits ist aufgrund des hohen Zerstörungsgrads der Durchschnittsschaden ausserordentlich hoch.»

Bei vielen Gebäuden seien aufwändige Abklärungen von Spezialisten und Experten notwendig. «Es wird mehrere Wochen oder gar Monate dauern, bis die genaue Schadenhöhe des Grossereignisses beziffert werden kann», heisst es weiter. Die Bewältigung des Unwetters sei für die Gebäudeversicherung «eine organisatorische Herausforderung.» Mit zusätzlichem Personal soll sie gestemmt werden. Dennoch müssten die Schadenfälle priorisiert werden. «Die Gebäudeversicherung Luzern bittet deshalb die Kundinnen und Kunden um Geduld, wenn es bis zur Kontaktaufnahme ein paar Tage oder je nach Schadenfall ein paar Wochen dauert», heisst es. Wie Betroffene einen Schaden melden können, ist auf der Website www.gvl.ch ersichtlich.

Winiker zeigt sich betroffen

Laut Mitteilung verfüge die Gebäudeversicherung über genügend finanzielle Reserven, um das Ereignis zu stemmen. «Das Grossereignis ist ein gutes Beispiel für das volatile Versicherungsgeschäft und zeigt, dass sich eine langfristige Prämien- und Reservestrategie lohnt», heisst es. Der Verweis auf die «langfristige Prämienstrategie» kann durchaus als Seitenhieb an den Hauseigentümerverband verstanden werden. Denn dieser hat Anfang Jahr noch eine «nachhaltige Senkung» der Prämien gefordert.

Regierungsrat Paul Winiker (rechts) besucht zusammen mit Feuerwehrinspektor Vinzenz Graf (links) die stark betroffene Region Wolhusen.

Regierungsrat Paul Winiker (rechts) besucht zusammen mit Feuerwehrinspektor Vinzenz Graf (links) die stark betroffene Region Wolhusen.

PD

Eine Woche nach dem Unwetter hat sich auch ein Mitglied des Regierungsrats ein Bild vor Ort gemacht. Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) besuchte mit Feuerwehrinspektor Vinzenz Graf die Region Wolhusen, wie die Staatskanzlei am Dienstag mitteilte. «Dabei besuchten sie auch einzelne, besonders schwer betroffene Hausbesitzer und Landwirte», heisst es. «Ich bin betroffen von diesen starken Verwüstungen und verstehe die vielen Geschädigten, die in grösster Sorgen um ihren Besitz sind», lässt sich Winiker zitieren. Gleichzeitig dankt der Regierungsrat den involvierten Einsatzkräften.

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