Kanton Luzern hat 14 neue Waldweiher realisiert

In den Wäldern rund um Neudorf ist in den letzten Monaten das grösste Sonderwaldreservat im Luzerner Mittelland entstanden.

Susanne Balli
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Rico Hergert, Fachbearbeiter Waldbiodiversität, vor einem neuen Weiher im Moretaler Wald zwischen Beromünster und Hildisrieden.

Rico Hergert, Fachbearbeiter Waldbiodiversität, vor einem neuen Weiher im Moretaler Wald zwischen Beromünster und Hildisrieden.

Bild: Corinne Glanzmann (10. März 2020)

In den Wäldern zwischen Neudorf und Beromünster war in den letzten Wochen einiges los. Mit Baggern wurden in mehreren Waldabschnitten 14 neue Weiher ausgehoben. Rund um die Weiher hat die kantonale Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) auf einer Fläche von 170,7 Hektaren Wald ein neues Sonderwaldreservat mit den Waldeigentümern vereinbart. Dies entspricht einer Fläche von rund 239 Fussballfeldern. «Damit ist es das grösste Sonderwaldreservat im Luzerner Mittelland», sagt Rico Hergert, Fachbearbeiter Waldbiodiversität beim Lawa.

Hauptziel ist, neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen. «Besonders gefördert in diesen Feuchtbiotopen werden Amphibien wie Frösche, Kröten und Molche, aber auch Insekten wie Libellen», so Hergert. Zudem seien die Wälder Bestandteil des Ringelnatter-Wanderkorridors zwischen Sempacher- und Baldeggersee.

Weiher mit natürlichen Materialien gebaut

Um die Amphibienlaichzeit nicht zu tangieren, wurde die Bauzeit in die Wintermonate gelegt. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen. Noch präsentieren sich die flach abfallenden Uferbereiche der neuen Weiher lehmig-braun, ebenso das Wasser. Hergert sagt: 

«Am Ufer wird innerhalb kurzer Zeit alles grün überwachsen sein.»

Der Bau der Weiher erfolgte nur mit natürlichen Materialien ohne künstliche Abdichtungen. Darum wurden nur Standorte ausgewählt, die durch einen hohen Lehmanteil im Boden genügend dicht sind. «Auch wurde kein Wasser zugeführt. In den letzten Tagen haben sich die Weiher von alleine gefüllt», erklärt Hergert.

Um das neue Sonderwaldreservat zu realisieren, hat der Kanton für die entsprechenden Parzellen mit 40 Eigentümerinnen und Eigentümer Verträge über 25 Jahre abgeschlossen. Darunter befinden sich Parzellen von zahlreichen Privaten, der Gemeinde Beromünster, der Korporationen Beromünster und Neudorf, des Stifts St. Michael und der Stiftung Pro Vogelmoos.

Die Weiher sind zwischen 2 und 16 Aren gross und durchschnittlich etwas mehr als 1 Meter tief. 13 der neuen Weiher liegen auf Beromünster, ein Weiher auf Sempacher Boden im Moretaler Wald zwischen Neudorf und Hildisrieden. Auch der grösste der Weiher entstand im Moretaler Wald. Er weist eine Wasserfläche von rund 1600 Quadratmetern und eine maximale Tiefe von 1,5 Metern auf.

Die Form der Weiher wurde durch die natürliche Topografie vorgegeben. Einige weisen eine ovale Form auf, andere breiten sich in mehrere Richtungen aus. Während die meisten Weiher eher verborgen sind, liegt der grösste Weiher direkt an einem Waldweg. Hier werden darum noch Tafeln mit Informationen für die Bevölkerung errichtet.

Sonderwaldreservat bedeutet laut Hergert nicht Naturschutzgebiet. «Die Wälder können von unterschiedlichen Gruppen genutzt werden. Zum Beispiel ist die Jagd weiterhin möglich.» In Naturwaldreservaten finden dagegen keine Eingriffe durch den Menschen statt; alles wird der Natur überlassen. Das ist im Sonderwaldreservat nicht der Fall.» Gezielte Eingriffe, die dem Reservatsziel entsprechen, sind möglich. Um Schäden durch den Borkenkäfer zu minimieren, werden frisch befallene Fichten entrindet oder abgeführt. Im Sonderwaldreservat liegt derzeit einiges an Sturmholz aufgrund der Winterstürme des vergangenen Februars (hier geh's zum Artikel).

Auch darum wird auf eine gute Durchmischung von Nadel- und Laubbäumen geachtet und darauf, dass die Weiher genügend Sonnenlicht erhalten. «So erwärmt sich das Wasser und bietet ideale Voraussetzungen für den Laich von Fröschen und Kröten», sagt Hergert.

Beiträge von Bund und Kanton

Für die Pflege der jeweiligen Waldparzellen sind weiterhin die Waldeigentümer verantwortlich, wobei dies der zuständige Revierförster koordiniert. Die Weiherpflege wird mit Beiträgen von Bund und Kanton zur Förderung der Waldbiodiversität finanziert. Das gesamte Weiherprojekt kostet laut Hergert rund 30 000 bis 40 000 Franken.

Im Kanton Luzern sind aktuell 5,7 Prozent der Waldflächen oder 2300 Hektaren als Waldreservate ausgeschieden. Davon sind 40 Prozent Naturwaldreservate und 60 Prozent Sonderwaldreservate. Zu den grossen Sonderwaldreservaten zählt jenes am Pilatus zur Förderung des Auerhuhns und jenes an der Rigi oder am Ämmeberg. Die grossen Naturwaldreservaten sind am Napf, Glaubenberg und Pilatussee zu finden.

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