KANTON LUZERN: Immer mehr Bauern besuchen die Hundeschule

Hunde­kurse erfreuen sich bei Landwirten zunehmender Beliebtheit. Denn die Anforderungen an einen Hofhund werden immer komplexer.

Christian Hodel
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Balz Koller und Angelina Schaffner aus Sempach mit zwei hofeigenen Hunden beim Training. (Bild Corinne Glanzmann)

Balz Koller und Angelina Schaffner aus Sempach mit zwei hofeigenen Hunden beim Training. (Bild Corinne Glanzmann)

Balz Koller ist Landwirt und Hundekursleiter. Er und Angelina Schaffner bieten spezielle Kurse für Hofhunde in Sempach an. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
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Hund Kiro (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
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Balz Koller ist Landwirt und Hundekursleiter. Er und Angelina Schaffner bieten spezielle Kurse für Hofhunde in Sempach an. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Eine Hundeschule für Bauern? Das sei «nichts als Geldmacherei», muss sich Balz Koller schon mal anhören. Der Landwirt und Hundeausbildner aus Sempach Station bietet zusammen mit seiner Lebenspartnerin Angelina Schaffner seit 2009 Kurse speziell für Hofhunde und deren Besitzer an. Die Kurse sind vom Bund anerkannt. Dennoch musste Koller anfänglich gegen viele Vorurteile ankämpfen. Schliesslich laufen Hofhunde ja «nur auf dem Hof herum» und bräuchten dafür keine Ausbildung, so ein weiteres gehörtes Argument. Doch mittlerweile nutzen immer mehr Bauern Kollers Angebot. Rund 150 Landwirte haben bisher den Kurs absolviert. Sie seien zu Beginn zwar immer noch skeptisch, doch «am Ende verlassen sie die Kurse meist mit Begeisterung».

Hofhunde sollen sich benehmen

Beworben wird das Angebot vom Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband (LBV). «Uns ist es ein Anliegen, dass sich die Hofhunde benehmen», sagt Stefan Heller, Geschäftsführer des LBV. Reklamationen von Wanderern oder Hofgästen seien ihm zwar keine bekannt. «Dennoch ist es immer wieder ein Thema, dass Hofhunde negativ auffallen.»

Die vier Kurslektionen kosten in der Regel 160 Franken, LBV-Mitglieder erhalten rund 20 Prozent Vergünstigung. «Wenn Fremde auf den Hof kommen, zeigen Hofhunde in der Regel eine ganz natürliche Reaktion und verteidigen ihr Territorium», sagt Balz Koller. Bis vor 30 Jahren sei dies von der Gesellschaft akzeptiert worden. Heute fehle es vermehrt «an Toleranz». Dennoch: In der Pflicht würden auch die Bauern stehen. «Oftmals achten sie beim Kauf eines Hundes zu wenig auf die Genetik.» Ein Bauer, der Produkte ab Hof verkaufe und viele Besucher habe, brauche «einen von Natur aus ruhigeren Hund – sicherlich keinen Jagd- oder Hütehund, eher einen Berner Sennenhund». Das Problem sei zudem: Früher sind die Hunde dem Bauern bei der Arbeit auf Schritt und Tritt gefolgt – heute mit den Traktoren und Maschinen sei dies schwieriger geworden, so Koller. In den Kursen erfahren die Bauern Näheres über Psychologie und Verhaltensweisen von Hunden – und wie man etwa aggressivem Verhalten vorbeugen kann.

Bauern treffen auf Städter

Speziell an den Kursen für Hofhunde ist laut Koller auch, dass ein Austausch zwischen Landwirten und Nichtlandwirten stattfinde. Mittlerweile kommen nämlich auch Hundehalter von ausserhalb der Landwirtschaft zu den Kursen. «Wenn Bauern auf Städter treffen, können die verschiedenen Bedürfnisse diskutiert werden.»

«Der Kurs war lehrreich, obwohl anfangs die Skepsis überwog», sagt Alexander Albisser (38), Landwirt aus Sempach, der im Frühling den Kurs besucht hat. So habe er etwa auch die Pflichten erklärt bekommen, die ein Hundebesitzer hat. Da er in einer Tourismusregion lebe, gebe es «immer wieder Konflikte mit Spaziergängern, die einen Hund mit sich führen». Diese würden etwa im hohen Gras laufen oder Kot und Hundespielsachen liegen lassen.

Kontrolliert wird nur wenig

Dass immer mehr Bauern Hundekurse besuchen, hat auch mit einer Gesetzesänderung zu tun. Alle Halter, die ihren Hund nach dem 1. September 2008 gekauft haben, müssen einen Sachkundenachweis (SKN) besitzen (siehe Kasten). Doch längst nicht alle betroffenen Hundebesitzer tun dies auch wirklich. Genaue Zahlen gibt es nicht – ebenso wenig wie systematische Kontrollen. Die Kurspflicht solle vor allem dazu dienen, dass künftige Hundehalter sich einen Kauf gründlich überlegen, sagt Kaspar Jörger vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Auch der Veterinärdienst des Kantons Luzern überprüft den Kursbesuch von Hundehaltern meist nur dann, wenn ein Hund für Probleme sorgt. Ein fehlender Kursbesuch kann aber die Folge haben, dass die Versicherung im Schadenfall die Zahlung verweigert. Wer bei einer Kontrolle keinen Kursbesuch nachweisen kann, wird gebührenpflichtig ermahnt und aufgefordert, den Kurs nachzuholen. Ignoriert ein Hundehalter auch diese Aufforderung, wird er verzeigt.

Hinweis

Infos zu den Hofhunde-Kursen: www.hundecampus.ch oder Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband www.luzernerbauern.ch

Hofhunde-Kurs: Mehr Bilder auf www.luzernerzeitung.ch/bilder