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KANTON LUZERN: In Kriens ziehen bald junge Asylbewerber ein

In drei Monaten wird in Kriens das Asylzentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende und Flüchtlinge eröffnet. Es handelt sich um das erste Zentrum im Kanton, das auf einer grünen Wiese entstanden ist.
Roseline Troxler
Neben dem Gefängnis Grosshof entsteht ein Zentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 9. August 2017))

Neben dem Gefängnis Grosshof entsteht ein Zentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. (Bild: Roger Grütter (Kriens, 9. August 2017))

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Derzeit wird in Kriens neben dem Gefängnis Grosshof rege gebaut. In gut drei Monaten öffnet dort ein spezielles Asylzentrum seine Türen. Es handelt sich um das erste Zentrum im Kanton Luzern, das für die Unterbringung von Asylsuchenden von Grund auf neu gebaut wird. Und: Im Neubau mit 120 Plätzen werden ausschliesslich minderjährige Asylbewerber und Flüchtlinge Platz finden. Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern geflüchtet sind. Zurzeit leben im Kanton 143 unbegleitete minderjährige Asylsuchende und Flüchtlinge, sogenannte «mineurs non accompagnés» (MNA).

Silvia Bolliger, Leiterin der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen beim Kanton Luzern, sagt zum Stand des Neubaus: «Der Rohbau steht. Die Bauarbeiten sind auf Kurs.» Derzeit werden Fassadenarbeiten ausgeführt. Zeitgleich sind die Bauarbeiter mit dem Innenausbau beschäftigt. Danach stehen Umgebungsarbeiten an. Ursprünglich war das Zentrum als Durchgangszentrum geplant. Nach ­Verzögerungen aufgrund von Einsprachen und einer Volksinitiative der örtlichen SVP, die das Durchgangszentrum verhindern wollte, wurde der Neubau dann als Zentrum für MNA konzipiert.

Kleinere Wohntrakte bieten mehr Privatsphäre

Der Neubau kostet den Kanton 6,27 Millionen Franken. Dabei gilt der Mietvertrag für zehn Jahre. Fertiggestellt weist das Asylzentrum drei Holzbauten auf. Es handelt sich um ein Wohn-, ein Gemeinschafts- sowie ein Lagergebäude. Die Jugendlichen werden nach Alter und Geschlecht getrennt leben. «Der wesentliche Unterschied zu anderen Zentren ist die Unterteilung der Unterkunft in Wohntrakte à 10 Personen», sagt Silvia Bolliger. «Durch das Zusammenleben in kleineren Wohneinheiten kann für die Bewohner mehr Privatsphäre geschaffen werden.»

Auch bei der Betreuung unterscheidet sich das Zentrum von jenen für Erwachsene. So kommt auf sieben Minderjährige eine Vollzeitstelle Betreuung. «In den Durchgangszentren für Erwachsene liegt das Betreuungsverhältnis bei 1 zu 13.» Die Tagespauschale, die der Bund dem Kanton Luzern pro Flüchtling bezahlt, beträgt 50 Franken. Laut Regierungsrat Guido Graf (CVP) ist dies – gerade für einen MNA – viel zu wenig. Im Februar kündigte der Gesundheits- und Sozialdirektor an, den Bund vermehrt in die Pflicht zu nehmen. «Das Anliegen wurde auf Bundesebene aufgenommen», sagt Bolliger.

Mit der Eröffnung des Asylzentrums Grosshof Ende November geht anderswo das Licht aus. So schliesst das MNA-Zentrum Pilatusblick im ehemaligen Krienser Motel. Derzeit sind dort 58 der 70 Plätze besetzt. Eine weitere grössere Gruppe von 57 MNA ist im Zentrum Sonnenhof in Emmenbrücke untergebracht. Auch sie werden Ende November in den Grosshof zügeln. Die unter 14-jährigen Asylsuchenden werden heute in Pflegefamilien platziert. Dies könnte sich ändern: «Grundsätzlich ist es möglich, auch 12- bis 14-jährige MNA im Grosshof unterzubringen», sagt Bolliger. Die Platzierung der Kinder in diesem Alter müsse aber «individuell, auf die persönliche Situation abgestimmt, geprüft werden». Fakt ist: Nicht alle 143 MNA werden im neuen Zentrum Platz finden. Sie werden teilweise in anderen Zentren oder in Pflegefamilien untergebracht. Laut Silvia Bolliger dürfte «die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden bis Ende Jahr auf stabilem Niveau bleiben». Ende 2016 lebten mit 182 noch deutlich mehr MNA im Kanton Luzern.

Auch für minderjährige Geflüchtete gilt ein Schulobligatorium. Im Grosshof werde aber keine eigene Asylschule eingerichtet, sagt Bolliger. Die schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen würden in der Asylschule Schädrüti in Luzern unterrichtet. Über 16-Jährige nehmen an einem Ausbildungsprogramm der Caritas oder an den Brückenangeboten des Kantons teil.

Sensible Zonen: Gemeinde und Kanton entscheiden

Bis zur Eröffnung des Zentrums wird die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen noch mit dem Krienser Gemeinderat zusammensitzen. Laut Bolliger wird definiert, «ob und wo es sensible Zonen geben wird». Solche wurden in der Vergangenheit in mehreren Gemeinden eingeführt, wo Asylzentren geschaffen wurden. In diesen Bereichen – etwa um Schulhäuser – durften sich die Asylsuchenden nicht oder nur beschränkt aufhalten. Für das MNA-Zentrum Grosshof gelte dasselbe Sicherheitskonzept wie für an­dere Zentren, so Bolliger. «Zusätzlich zum Betreuungspersonal, welches für die innere Sicherheit zuständig ist, wird ein Patrouillendienst für die äussere Sicherheit besorgt sein.» Ausserdem soll eine Begleitgruppe eingesetzt werden. Diese wird nebst dem Kanton auch aus Vertretern der Gemeinde, der Luzerner Polizei und der Nachbarschaft bestehen.

Mit dem Neubau erfüllt der Kanton Luzern die Empfehlungen der kantonalen Sozialdirektoren. Diese hatten gefordert, dass bei den MNA eine Unterbringung von Jugendlichen im schulpflichtigen Alter zusammen mit Erwachsenen «wenn immer möglich zu verhindern» sei (Ausgabe vom 13. Juni). Ohne MNA sind von allen 5140 Flüchtlingen, vorläufig Aufgenommenen und Asylsuchenden im Kanton Luzern aktuell 1595 minderjährig.

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