Kanton Luzern: Je tiefer die Steuern, desto ökologischer die Autos

Auf der Luzerner Landschaft ist der Anteil an alternativ betriebenen Autos ausgesprochen klein. Überdurchschnittlich hoch ist er dafür in Steuerparadiesen wie Meggen, Horw oder Vitznau.

Lukas Nussbaumer
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So vielfältig die Luzerner Gemeinden sind, so unterschiedlich ist das Mobilitätsverhalten ihrer Einwohnerinnen und Einwohner. Das zeigt die von unserer Zeitung vorgenommene Auswertung der Mobilitätsdaten, die von der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern seit 2015 zusammengetragen und jeweils online in ihrem «Energiespiegel» veröffentlicht werden.

Trotz einzelnen Ausreisser-Gemeinden lassen sich aus dem umfangreichen Zahlenmaterial drei Zusammenhänge herauslesen. Erstens ist die Zahl der alternativ angetriebenen Autos – elektrisch, mit Hybridsystemen oder mit Gas – in steuergünstigen Gemeinden überdurchschnittlich hoch. In Steuerparadiesen wie Meggen, Horw, Eich, Vitznau, Weggis, Eschenbach oder Hildisrieden verkehren also ausgesprochen viele Autos, die vergleichsweise sauber sind (siehe Grafik).

Auf dem Land ist die Autodichte höher als in städtischen Gebieten

Der Umkehrschluss – in Steuerhöllen sind vor allem Dreckschleudern unterwegs – lässt sich hingegen nicht so direkt ziehen. Wohl aber diese zweite Schlussfolgerung: Je ländlicher die Gebiete sind, desto tiefer ist der Anteil an sauberen Autos und desto höher ist die Personenwagendichte, gemessen in Fahrzeugen pro 100 Einwohner. Weil die Steuern im Hinterland und im Entlebuch höher sind als in der Stadt Luzern, ihrer Agglomeration und in Gebieten wie dem Seetal oder rund um Sursee, ist der Anteil an Hybrid-, Elektro- und Gas-Autos in Hochsteuergemeinden ausgesprochen tief. Die hohe Autodichte auf der Landschaft ist vorab auf die weitläufigen Gebiete und die im Vergleich zu bevölkerungsreichen Gebieten nicht so dichten öffentlichen Fahrpläne zurückzuführen.

Auffällig: Im Wahlkreis Willisau, dem mit 23 Gemeinden grössten, liegt die Autodichte in sämtlichen Gemeinden weit über dem kantonalen Durchschnitt von 52 Fahrzeugen pro 100 Einwohner. Für das Entlebuch gilt mit Ausnahme von Wolhusen das gleiche. Unter dem kantonalen Mittel oder gleich hoch liegen die Werte in lediglich zehn Gemeinden. Darunter befinden sich mit der Stadt Luzern, Emmen und Kriens die drei grössten.

Honau und Mauensee halten einsamen Rekord

Die dritte Schlussfolgerung, die sich aus den gesammelten Mobilitätsdaten des Kantons ziehen lässt, ist eine aus der zweiten abgeleitete: Die Autodichte nimmt sowohl kantonsweit als auch in der Mehrheit der Gemeinden immer noch zu. Der kantonale Durchschnittswert ist wegen der sinkenden Dichte in der Stadt und Agglomeration zwar nur von 51 auf 52 Personenwagen pro 100 Einwohner gestiegen. Eindrücklicher ist dafür die Zahl 46: In so vielen Gemeinden, nämlich 55Prozent aller Kommunen, hat die Fahrzeugdichte seit 2015 zugenommen.

Und dies zum Teil stark – so wie im inzwischen mit Altishofen fusionierten Ebersecken, wo die Autodichte in den letzten vier Jahren von 58 auf 67 gestiegen ist. Oder wie in Honau und Mauensee, die mit 78 Autos pro 100 Einwohner an der Spitze dieser Statistik stehen. Auffällig stark nach oben entwickelt hat sich die Autodichte auch in Römerswil und Romoos.

Verkehrsexperte: Potenzial für Zweitauto vorhanden

Laut Verkehrsexperte Timo Ohnmacht von der Hochschule Luzern wird die Autodichte im ländlichen Raum «tendenziell auf hohem Niveau stagnieren oder moderat weiter wachsen». Dies deshalb, weil das Auto auf der Landschaft das wichtigste Fortbewegungsmittel bleibe und der Trend zum Zweitauto noch nicht ganz ausgeschöpft sei. Für den urbanen Raum dagegen geht Ohnmacht von einer Stagnation bis Abnahme aus – dies aus mehreren Gründen: Hohe Kosten für Einstellplätze, wenig Parkplätze, gute Alternativen wie öffentliche Verkehrsmittel oder das Velo.

Timo Ohnmacht.

Timo Ohnmacht.

Den rekordhohen Wert in Honau erklärt sich der 40-jährige Hochschul-Professor damit, dass die kleine Rontaler Gemeinde «faktisch kein öV-Angebot» habe und am Hang liege, was die Autonutzung begünstige. Das starke Bevölkerungswachstum nach der Eröffnung des Autobahnanschlusses Gisikon in den 80er Jahren sei «ein weiterer Hinweis auf eine attraktive Lage für Personen, die mit dem Auto pendeln».

In ländlichen Gebieten fehlen Ladestationen für Elektro-Autos

Ohnmacht, der unter anderem Forschungsprojekte im Bereich Verkehrsanalysen für das Bundesamt für Strassen und den Verkehrsverbund Luzern bearbeitet, sagt auch eine weitere Zunahme der alternativ angetriebenen Autos voraus:

«Die Leute sind beim Autokauf sensibler, dazu sinken die Preise.»

Die Unterschiede zwischen den Gemeinden will Ohnmacht nicht überbewerten. «Vielleicht bleibt bei einem tieferen Steuerfuss mehr Kaufkraft für die Mobilität übrig.» Ökologischere Autos, insbesondere rein elektrisch betriebene, seien in der Anschaffung nach wie vor teurer als Verbrennungsmotoren. «Somit könnten sich eher reichere Personen diese Auswahl leisten.» Den tiefen Anteil an alternativ angetriebenen Fahrzeugen auf der Landschaft führt der Forscher vorab auf das Fehlen einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur für Elektro-Autos zurück.

Klar ist für Ohnmacht auch: «Obwohl Autofahrer bei der Anschaffung eines Neuwagens eine breitere Auswahl haben als vor 20Jahren, wird der Preis für die meisten Kunden nach wie vor das Hauptargument sein.»

Autos mit Elektromotor überholen Verbrenner laut Studie 2030

Im Jahr 2030 könnten laut einer Studie erstmals mehr Autos mit Elektro-Antrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) rechnet dabei batteriebetriebene Wagen und Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieben zusammen.