KANTON LUZERN: Jetzt führt Yvette Estermann die SVP

Yvette Estermann wird Präsidentin der SVP Kanton Luzern. Auf sie wartet politische Knochenarbeit.

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Yvette Estermann vor ihrer Wahl. (Bild Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Yvette Estermann vor ihrer Wahl. (Bild Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Die SVP spielte am Donnerstag mit den Klischees, die ihr anhaften. Das Täfer im Versammlungslokal, dem Gisiker Gasthof Tell, datiert auf den Sonderbundskrieg und atmet lang erkalteten Tabakrauch. Hier haben Soldaten campiert und Männer Politik gemacht. Ein patriarchalisches Umfeld.

Zur neuen Präsidentin wählten die SVP-Kantonalparteigänger aber nicht den Ruswiler Ortsparteipräsidenten Urs Meyer, der ebenfalls vorgeschlagen war; sondern die Favoritin Yvette Estermann aus Kriens.

Estermanns politische Blitzkarriere
Sie war vom Parteileitungsausschuss einstimmig empfohlen worden und erzielte gestern Abend 107 der 150 gültigen Stimmen. Meyer kam auf 43 Stimmen.

Für die 41-jährige gebürtige Slowakin Estermann, die sich vor neun Jahren hat einbürgern lassen, ist es ein weiterer Erfolg auf ihrem Blitzmarsch durch die Politik: 2005 wurde sie in den Luzerner Kantonsrat gewählt, 2007 in den Nationalrat, nun also beerbt sie den abtretenden Krienser Otto Laubacher als Kantonalparteipräsidentin.

«Das ist eine grosse Ehre»
Kein leichtes Erbe; die Umgangsformen sind direkt, auch parteiintern. Yvette Estermann gab sich gestern dennoch zuversichtlich: «Es ist eine grosse Ehre für mich, gewählt worden zu sein: erstens als Ausländerin, zweitens als Frau, und drittens mit einem so guten Resultat - trotz des fähigen Gegenkandidaten.»

Dass mit der grossen Ehre auch eine grosse Verantwortung einhergehe, sei ihr bewusst: «Ich will diese Verantwortung wahrnehmen.»

«Keine grossen Änderungen»
Zu den thematischen Schwerpunkten, die sie als Kantonalparteipräsidentin zu setzen gedenkt, sagte Estermann unmittelbar nach ihrer Wahl: «Unser Parteiprogramm wird weiter so umgesetzt wie bisher. Da wird es keine grossen Änderungen geben.»

Mit welchen Argumenten gestern Abend die Amtspartei Sursee ihren Kandidaten Urs Meyer gegen Yvette Estermann in Stellung brachte, war nicht zu erfahren: Die Wahlversammlung tagte hinter verschlossener Tür. Die Frage, ob sie mit Skeptikern wie jenen aus der Surseer Amtspartei werde kooperieren können, beantwortete Estermann um 23 Uhr knapp mit: «Ja.»

Andreas Töns