Kanton Luzern kämpft bei überdüngten Seen an mehreren Fronten

Im Sempacher-, Baldegger- und Hallwilersee steckt zu viel Phosphor. Um das zu beheben, fordern nun Bauern und Gemeinden mehr Geld.

Niels Jost
Drucken
Teilen

Vom blossen Auge ist die Verschmutzung nicht sichtbar. Doch die Messgeräte lassen keine Zweifel offen: Der Phosphorgehalt in den Luzerner Mittellandseen ist zu hoch. Trotz jahrelanger Belüftung, Massnahmen in der Landwirtschaft und anfänglicher Verbesserungen stagnieren die Werte mittlerweile. «Mit den heutigen Anstrengungen wird man die Luzerner Seen nicht sanieren können», schreibt nun die Regierung auf eine Anfrage von CVP-Kantonsrat Roger Zurbriggen aus Neuenkirch.

Die Antwort ist brisant, fällt sie doch in eine entscheidende Phase der Sanierungsmassnahmen der Seen. Einerseits werden derzeit die Leistungsverträge ab 2021 mit den Gemeindeverbänden erneuert. Andererseits wird zur selben Zeit das Phosphorprojekt III eingeführt, das erneut strengere Massnahmen für die Landwirte um die Seen vorsieht, etwa Einschränkungen beim Hofdünger.

Bauern wollen Hand bieten

Eigentlich hätte das Projekt schon dieses Jahr in Kraft treten sollen. Wegen später Genehmigung wurde es allerdings auf Druck der Landwirtschaft um ein Jahr verschoben. Wie unsere Zeitung weiss, möchte man die Überbrückungsphase nun nutzen, um nochmals über den Inhalt des Projekts zu diskutieren – obwohl diesen eine breit zusammengesetzte Begleitgruppe über Monate hinweg ausdiskutiert hatte. Dies bestätigt Heinz Schmid, Präsident des Bäuerinnen- und Bauernvereins unteres Seetal. Man wolle insbesondere die wegfallende Abgeltung für die vorgesehene Reduktion des Phosphorbedarfs ansprechen, sagt der Landwirt aus Gelfingen. Schmid sei sich bewusst, dass die Klimaerwärmung, die nachweislich dem See zu schaffen macht, kaum zu stoppen ist und durch die Verminderung des Phosphoreintrags aus der Landwirtschaft insbesondere dem Baldeggersee geholfen werden könne. Er betont aber: «Es ist nicht so, dass die Landwirtschaft allein für den Zustand der Seen verantwortlich ist.»

Der Baldeggersee hat zu wenig Sauerstoff und wird darum seit Jahren mit Sauerstoff versorgt. Im Bild: eine der Bojen, wo die Diffusoren für den Sauerstoff im See verteilt sind.

Der Baldeggersee hat zu wenig Sauerstoff und wird darum seit Jahren mit Sauerstoff versorgt. Im Bild: eine der Bojen, wo die Diffusoren für den Sauerstoff im See verteilt sind.

Bild: Manuela Jans-Koch (26. Juli 2018)

Daher seien alle angehalten, ihr Möglichstes zu tun – «auch der Kanton, dessen Strassenentwässerung ungefiltert in den See gelangen». Schmid: «Wir sind bereit, Partner für das Projekt zu sein, aber wir wollen eine Lösung, hinter der wir stehen können.»

Der Kanton werde die Anträge mit der Begleitgruppe prüfen, heisst es auf Anfrage. Ob man den Landwirten entgegen kommen wird, ist fraglich. Denn grundsätzlich habe in der Begleitgruppe Einigkeit über das Phosphorprojekt bestanden, an dem sich der Kanton mit 0,5 Millionen Franken und der Bund mit 2 Millionen beteiligt.

Gemeinden sind unglücklich mit ihrer Rolle

Entscheidend ist die jetzige Phase wie erwähnt auch wegen der Erneuerung der Leistungsvereinbarungen mit den Gemeindeverbänden. Diese sind für die seeinternen Massnahmen zuständig, also für die Belüftung. Beim Baldeggersee kommt noch der Eintrag von künstlichem Sauerstoff dazu. Kosten: rund 150'000 Franken pro Jahr, verteilt auf elf Seetaler Gemeinden. Weil mit dieser Massnahme keine weiteren Verbesserungen mehr bewirkt werden können, fordert der Gemeindeverband Baldegger- und Hallwilersee «zwingend griffigere Massnahmen ausserhalb des Sees», wie Präsident Roland Moser sagt. Da der Verband selber aber keine solcher Richtlinien wie etwa das Phosphorprojekt III erlassen kann, soll der Kanton wieder die Kosten für den Sauerstoffeintrag übernehmen. Die Gelder wurden im Zuge von Sparmassnahmen 2012 gestrichen.

Kein solcher Sauerstoff-Eintrag ist im Sempachersee nötig. Der Präsident des dortigen Gemeindeverbands, Balz Koller, findet es richtig, dass die Seegemeinden einen Beitrag an die Massnahmen leisten. «Über den Umfang kann man diskutieren.»

Gase könnten wegen Hitze an Oberfläche gelangen

Während sich Bauern und Behörden um die Phosphoreinträge streiten, richtet die Regierung ihren Blick auf ein globaleres Problem: den Klimawandel. Wegen höherer Temperaturen und milderen Wintern könnten die in den Tiefen der Seen festsitzenden Gase wieder bis an die Oberfläche ausbrechen.

Auch der Bund warne vor diesem Problem. Unter anderem darum würde es Kantonsrat Roger Zurbriggen begrüssen, dass die operative und finanzielle Verantwortung für die Sanierungsmassnahmen nicht mehr bei den Gemeindeverbänden, sondern beim Kanton liege. «Wegen ihrer knappen finanziellen Ressourcen können die Gemeinden nur reagieren. Darum und wegen der überregionalen Komplexität gehört die Zuständigkeit auf eine höhere politische Ebene.»

Strengere Massnahmen für Baldeggersee gefordert

Eine am Dienstag veröffentlichte Studie zeigt: Der See muss noch Jahrzehnte künstlich belüftet werden. Nun streben der zuständige Gemeindeverband und der Kanton strengere Phosphor-Regelungen an – die Bauern wollen Hand bieten.
Niels Jost