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KANTON LUZERN: Leere Wohnungen: Wie Hauseigentümer Mieter mit Geschenken locken

Die steigende Leerwohnungsziffer bereitet Hauseigentümern zunehmend Sorge. Nun versuchen Immobilienfirmen, Mieter mit Vergünstigungen und Spezialangeboten anzulocken.
Chiara Stäheli
Wer bereit ist, in eine leer stehende Wohnung einzuziehen, kann teilweise über den Mietzins verhandeln. (Archivbild Luzerner Zeitung)

Wer bereit ist, in eine leer stehende Wohnung einzuziehen, kann teilweise über den Mietzins verhandeln. (Archivbild Luzerner Zeitung)

«Bestimmen Sie Ihren Mietpreis für sechs Monate selbst. Nutzen Sie die einmalige Chance.» So wirbt die Immobilienfirma Privera für eine 4,5-Zimmer-Wohnung in Altwis. Voraussetzung sei einzig eine Vertragsmindestdauer von 18 Monaten.

Mit dieser Art von Mietinseraten steht das Unternehmen nicht alleine da. Zahlreiche Vermieter locken derzeit Interessenten mit Sonderangeboten wie geschenkten Monatsmieten, zusätzlichen Services oder Geschenkgutscheinen. Dabei zeigen etliche Beispiele, dass der Kreativität der Vermieter kaum Grenzen gesetzt sind.

Wer beispielsweise eine 4,5-Zimmer-Wohnung in Hochdorf bezieht, erhält die erste Monatsmiete geschenkt. Verwalter dieser Wohnungen ist die Immobilienfirma Wincasa. André Töngi, Bereichsleiter Bewirtschaftung bei Wincasa, kommentiert diese und ähnliche Angebote wie folgt: «Es gibt einzelne Vergünstigungen, deren Ziel es ist, das Interesse und das Augenmerk von möglichen Mieterinnen und Mietern auf ein interessantes Angebot von Wincasa zu lenken.» Das gelinge gut, versichert Töngi: «Als Antrittsgeschenk sind solche Vergünstigungen bei künftigen Mietern sehr beliebt und die Reaktionen durchwegs positiv.»

Immer mehr Wohnungen stehen leer

Dass sich die Immobilienfirmen neue Strategien überlegen, wie sie Mieter gewinnen können, hat gemäss dem Mieterverband seine Gründe: «Vor allem an peripheren Lagen entstand teilweise mehr Wohnraum, als der Markt derzeit absorbieren kann. An solchen Orten gelangen die Vermieter unter Druck, weil die Leerwohnungsziffer steigt», weiss Cyrill Studer, Geschäftsleiter des Mieterverbands Luzern.

Und tatsächlich: Die Statistik weist im Kanton Luzern für 2017 eine Leerwohnungsziffer von 1,13 Prozent aus. Das ist der höchste Wert seit 2001. Auch schweizweit steigt die Anzahl unbewohnter Objekte – knapp 65 000 Wohnungen waren im vergangenen Jahr leer. Dies entspricht einer nationalen Leerwohnungsziffer von 1,47 Prozent. Vergleicht man die Zahlen der Gemeinden, sticht insbesondere Emmen hervor: Dort standen 2017 mehr als zwei Prozent aller Wohnungen leer. Und derzeit entstehen in der Agglomerationsgemeinde unter anderem mit den Überbauungen Stadtgarten, Feldbreite und Sonnengarten zahlreiche neue Mietwohnungen.

Die aktuellen Entwicklungen verfolgt auch der Präsident des Zentralschweizer Verbands der Immobilienwirtschaft, Christian Marbet, mit grossem Interesse: «Wir beobachten tatsächlich eine Zunahme an Spezialangeboten und Vergünstigungen auf dem Mietwohnungsmarkt. Die hohe Leerwohnungsziffer erfordert kreative Lösungen, um Mieter von einem Vertragsabschluss zu überzeugen.» In den letzten Jahren habe sich der Markt von einem Vermieter- zu einem Mietermarkt entwickelt. Der Mieter sei mittlerweile am längeren Hebel und könne es sich vermehrt leisten, mit dem Vermieter zu verhandeln.

«Persönlich stehe ich den Vergünstigungen und Geschenkangeboten eher skeptisch gegenüber. Die Gefahr, dass der Mieter die Situation ausnützt und die Wohnung nach erhaltenem Vorteil schnell wieder kündet, ist intakt» sagt Marbet. Wenn jemand aber bereits Interesse an einer Wohnung zeige, dann sei ein entsprechendes Entgegenkommen seitens des Vermieters ein gutes Mittel, einen Vertragsabschluss zu beschleunigen.

Von Wäscheservice bis Weihnachtsrabatt

Mit anderen Mitteln als Wincasa wirbt der Immobilienverwalter Livit. Wer sich eine der neuen Mietwohnungen in der Grossmatte in Luzern sichert, erhält die Möglichkeit, mit der Service-App eJames nebst aktuellen Informationen zum Energieverbrauch der Wohnung, auch weitere Angebote zu nutzen. So kann man dort künftig per Smartphone oder Tablet Wohnungsreinigungen oder den Wäscheservice in Auftrag geben – Abhol- und Lieferdienst stets inklusive. Auch ein sogenannter Ferienservice kann gebucht werden. Dabei übernehmen die Angestellten das Blumengiessen und das Leeren des Briefkastens während der Abwesenheit des Mieters.

Die gleiche Firma bietet auch finanzielle Anreize. Möchte man beispielsweise im neu erbauten Wohnkomplex DUO in Ebikon eine Wohnung mieten, so erhält man während drei Jahre jeweils die Dezembermiete geschenkt. Auf Anfrage bezeichnet Livit-Mediensprecherin Marietta Hersche es als branchenüblich, «die Vermarktung mit verkaufsfördernden Massnahmen wie Geschenken oder Ermässigungen zu unterstützen. Für uns gehört dies bereits seit längerer Zeit zu den Standardinstrumenten einer erfolgreichen Vermarktung».

Ein weiterer Trend ist in der Branche auszumachen: Denn bei verschiedenen Vermietern muss nicht mehr zwingend eine Mietkaution bezahlt werden. André Töngi erklärt dies wie folgt: «Wenn sich die Mieter einem Kollektivvertrag anschliessen, müssen sie kein Depot mehr hinterlegen und haben mit der Kaution nichts zu tun. Dieser Kollektivvertrag wurde von der AXA-Versicherung eingeführt und reduziert den administrativen Aufwand.» Auf diese Handhabung habe er bis anhin viele positive Rückmeldungen erhalten.

Egal ob Kautionserlass, Mitsprache bei der Höhe der Miete oder Erlass einzelner Raten – wer sich in der nächsten Zeit auf die Suche nach einer Wohnung begibt, kann sich auf ausgefallene Angebote freuen. Zieht man auch eine Wohnung ausserhalb der Kantonsgrenzen in Betracht, so lohnt sich ein Blick nach Zürich-Albisrieden: In der neuen Überbauung «Jules & Jim» erhalten die neuen Bewohner als Willkommensgeschenk ein E-Bike.

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

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