KANTON LUZERN: Lehrer demonstrieren wieder

Die Gewerkschaft VPOD kündet einen Warnstreik der Lehrer an. Der Lehrerverband hingegen will nicht unnötig Geschirr zerschlagen.

Evelyne Fischer, Ismail Osman
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Schüler und Lehrer demonstrieren beim Luzerner Regierungsgebäude gegen Sparmassnahmen.

Schüler und Lehrer demonstrieren beim Luzerner Regierungsgebäude gegen Sparmassnahmen.

Eine Lektion mehr unterrichten bei gleichem Lohn: Dies ist nur eine von zahlreichen Massnahmen des 520-Millionen-Sparpakets KP 17, über die der Kantonsrat am Montag in zweiter Lesung befindet. Damit würde der Kanton Luzern bis 2019 17,5 Millionen Franken sparen.

Dass es vor der Session zu einer weiteren Kundgebung der Luzerner Allianz für Lebensqualität gegen die Sparmassnahmen kommen wird, war kein Geheimnis. Überraschend ist, dass sich diese nun auch als Warnstreik der Lehrer entpuppt. Dies teilte gestern Abend der Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) mit. «Der Warnstreik ist das Ventil des Widerstands, der sich in den letzten Wochen in den Schulhäusern formiert hat», sagt VPOD-Geschäftsführer Martin Wyss. Lehrer hätten längst realisiert, dass es «um eine drastische Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen und dementsprechend der Bildungsqualität» gehe.

Lehrerverband: «Gilt nicht als Streikaufruf»

Bis heute habe sich die «Mehrheit der bürgerlichen Regierungs- und Kantonsräte» geweigert, von den Abbaumassnahmen beim Per­sonal abzusehen oder diese zu befristen, sagt Wyss. «Diese Haltung wird von vielen Lehrern nicht goutiert.» Zahlreiche Schulen der Stadt Luzern, der Agglo und der Landschaft wollen daher am 12. Dezember Präsenz markieren. In Briefen informieren jene nun die Eltern über ihre Teilnahme. Wyss: «Ziel ist es, dass der Unterricht und die Betreuung der Kinder gewährleistet sind.»

Wie die Schulen von 8.15 bis 9.45 Uhr dieses «Auffangnetz» sicherstellen, ist von Ort zu Ort un­terschiedlich, wie den Schreiben zweier Schulen der Stadt Luzern zu entnehmen ist. Schüler des St. Karli etwa werden «eventuell nicht von der eigenen Lehrperson unterrichtet». Die Lehrerschaft im Unterlöchli würde sich gar freuen, wenn Eltern ihre Kinder selber betreuen, damit sie «möglichst geschlossen» auftreten kann. Für zu Hause werde ein Arbeitsauftrag erteilt. Es sei allerdings auch möglich, die Kinder regulär in die Schule zu schicken.

Der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV) nimmt die Ankündigung des VPOD zur Kenntnis, definiert die Aktion jedoch anders. «Wir verstehen es als Kundgebung, wie sie durch die Luzerner Allianz für Lebensqualität ausgerufen wurde und wie sie schon in den letzten Jahren vor den Spardebatten im Kantonsrat stattgefunden haben», sagt LLV-Präsidentin Annamarie Bürkli. An der letzten vergleichbaren Kundgebung im Dezember 2015 hatten 500 Personen teilgenommen. Auf der Website des LLV heisst es klar: «Die Kundgebung vom 12. Dezember 2016 gilt nicht als Streikaufruf.» Für Lehrer, die während der Kundgebung unterrichten müssten, sei aus rechtlicher Sicht Folgendes zu beachten: «Wenn eine Lehrperson während des Unterrichts an dieser Kundgebung teilnimmt, hat sie keinen Anspruch auf Lohn und muss allenfalls mit einer Mahnung rechnen. Der LLV kann für allfällige Lohneinbussen/Folgekosten bei einer Teilnahme nicht aufkommen.» Laut Bürkli sei man derzeit tief in den Verhandlungen mit dem Kanton und habe kein Interesse daran, unnötig Geschirr zu zerschlagen. Einig sind sich LLV und VPOD aber: Sollten die aktuellen Verhandlungen scheitern, hat dies Konsequenzen. Während der LLV davon spricht, «Abbaumassnahmen festzulegen», hält der VPOD gar einen Streik «für immer wahrscheinlicher».

Horwer Lehrer protestieren mit Brief

Die Horwer Lehrpersonen wehren sich in einem offenen Brief an die Regierung gegen die geplanten Sparmassnahmen des Kantons im Bereich der Bildung. 133 der rund 170 Lehrpersonen, die an der Volksschule in Horw unterrichten, haben unterschrieben. «Wir sind empört über die geplanten Sparmassnahmen des KP 17 und die mangelnde Wertschätzung unserem Berufsstand gegenüber», heisst es im Brief. Die geplante Arbeitszeiterhöhung empfinde man als «Affront». Die Horwer Lehrer fordern den Luzerner Regierungsrat auf, auf die Abbaumassnahmen zu verzichten. (sb)

Evelyne Fischer, Ismail Osman