KANTON LUZERN: Leinen-Kontrollen werden verstärkt

Seit dem 1. April gilt in Wäldern und an Waldrändern wieder die Leinenpflicht für Hunde. Halter, die sich darum foutieren, werden angezeigt.

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Vorbildlich angeleint: Urs Kunz, Präsident Revierjagd Sektion Hinterland, mit seiner Hündin Quella in einem Waldstück oberhalb von Luthern. (Bild Pius Amrein)

Vorbildlich angeleint: Urs Kunz, Präsident Revierjagd Sektion Hinterland, mit seiner Hündin Quella in einem Waldstück oberhalb von Luthern. (Bild Pius Amrein)

Roger Rüegger

Wer mit seinem Bärry oder Rex im Wald oder am Waldrand spaziert, muss den Hund seit dem 1. April an die Leine nehmen. «Mit der Leinenpflicht sollen die wild lebenden Tiere in der Hauptsetz- und Brutzeit vor Gefährdungen und Störungen geschützt werden», begründet die Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) den Passus im kantonalen Jagdrecht, der bis 31. Juli gültig ist. In diesem Zeitraum kommt bei den Wildtieren der Nachwuchs auf die Welt. Die Leinenpflicht wurde im letzten Jahr im Kanton Luzern eingeführt.

Damit soll laut Otto Holzgang, Leiter Abteilung Natur, Jagd und Fischerei beim Lawa, verhindert werden, dass freilaufende Hunde Wildtiere hetzen oder gar reissen. Zu solchen Vorfällen ist es in den vergangenen Jahren in Luzerner Wäldern immer wieder gekommen. Gemäss der eidgenössischen Jagdstatistik wurden unter der Kategorie «Fallwild Reh» 2013 im Kanton Luzern 24 Rehe von Hunden gerissen. In den zehn Jahren zwischen 2004 und 2013 (die Zahlen von 2014 sind noch nicht ausgewertet) wurden im Kanton insgesamt 340 Rehe von Hunden gewildert. Die jährliche Zahl variiert zwischen 24 und 50 (2005) Tieren. Am meisten Rehe sterben im Strassenverkehr oder werden von Landmaschinen tödlich verletzt.

In Horw zwei Rehe gehetzt

Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen Stichwort Dunkelziffer. Holzgang: «Es ist davon auszugehen, dass nicht sämtliche Fälle gemeldet oder viele Tiere auch nicht gefunden werden.» Es wurden aber bereits dieses Jahr wieder Hunde gemeldet, die Rehe gehetzt oder sogar gerissen haben. So berichten Anwohner unserer Zeitung, wie gemäss Beobachtung auf der Horwer Halbinsel ein Hund zwei Rehe gejagt habe – und dass in diesem Gebiet bereits zwei Tiere gerissen worden seien.

Holzgang bestätigt, dass er ebenfalls von diesen Fällen vernommen habe. Diese seien dem Lawa jedoch zu spät gemeldet worden. «Damit eine Anzeige auch Aufsicht auf Erfolg hat, müssen uns oder der Polizei solche Vorkommnisse sofort gemeldet werden.»

Reissende Hunde werden erlegt

Ganz anders ist die Sachlage, wenn fehlbare Hundehalter von Wildhütern oder Jagdaufsehern angehalten werden. «Wenn jemand erwischt wird, muss er mit einer Anzeige rechnen», sagt Holzgang. Dass es zu vielen Anzeigen kommen wird, glaubt er nicht. «Die meisten Hundehalter wissen, dass sie ihre Tiere jetzt in bestimmten Gebieten nicht frei laufen lassen dürfen. In der Regel halten sie sich daran.»

Die Einschränkung gilt nicht für Diensthunde des Polizei- und Rettungswesens, Herdenschutz- sowie Jagdhunde im Einsatz oder in Ausbildung. Hunde, die beim Reissen von Wild angetroffen werden, dürfen von berechtigten Personen «auf der Stelle abgeschossen» werden, wie es in der Jagdverordnung heisst. Da die Leinenpflicht im Wald und am Waldrand erst seit einem Jahr gilt, wissen womöglich einige Hundehalter noch nichts davon. Dieses Jahr aber würden vermehrt Kontrollen durchgeführt. Holzgang hofft aber, dass die soziale Kontrolle von Privaten greift.

Auch die Jäger haben ein offenes Auge. David Estermann, Präsident der Revierjagd-Sektion Seetal: «Wir unterstützen den Kanton im Sinne des Tierschutzes. Wenn fehlbare Hundehalter bei Reviergängen angetroffen werden, sprechen wir sie auf die Leinenpflicht an. Die meisten sind einsichtig und nehmen die Hunde an die Leine.» Im letzten Jahr beliess man es beim einmaligen Verstoss bei einer Ermahnung, wie eine Umfrage bei den Sektionspräsidenten ergab. Wiederholungstäter werden jedoch gebüsst. 2014 wurden vier Hundehalter verzeigt.

Nichts von der vorübergehenden Leinenpflicht hält Esther Badertscher, Präsidentin Kynologischer Verein Luzern: «Jeder verantwortungsvolle Hundebesitzer weiss, ob sein Hund jagt oder nicht. Unsere Hunde sind gehorsam und entfernen sich nicht. Wir haben sie auch ohne Leine unter Kontrolle. Nun werden alle bestraft.» Sie bedaure die Missstände mit jagenden Hunden von unverantwortungsvollen Hundehaltern.

«Hundetouristen» in Luzern

Auffällig ist, dass an den Kantonsgrenzen mehr Hunde frei laufen als in anderen Gebieten. Denn der Aargau und Schwyz kennen die Leinenpflicht schon länger. Deshalb sind «Hundetouristen» mit ihren Tieren in früheren Jahren in den Kanton Luzern zum Spazieren gekommen. Auch in den Luzerner Nachbarkantonen Nid- und Obwalden gilt während gewisser Zeiten eine Leinenpflicht, dies in den Wildruhegebieten.

Das Problem ist aber nicht nur, dass Hunde Rehen nachjagen und sie reissen könnten. Urs Kunz, Präsident der Sektion Hinterland, weist auf die vielen Vogelarten hin, die am Boden brüten. «Wenn diese Tiere ihre Nester verlassen, weil sie durch einen Hund erschreckt werden, ist es meistens um ihre Brut geschehen. Denn viele dieser Arten kehren danach nicht mehr zu ihren Nistplätzen zurück.» Darum sei es auch an Gewässern und an Bachläufen ausserhalb der Wälder wichtig, dass man die Hunde an der Leine führe. Holzgang: «Wenn sich Hundehalter nicht sicher sind, ob an einem Ort Leinenpflicht gilt, sollten sie ihre Tiere anleinen.»

Freilaufzone auf der Allmend

In der Stadt Luzern etwa dürfen Hunde das ganze Jahr in einer Freilaufzone auf der Allmend herumtollen. Diese misst 2,5 Hektaren und befindet sich neben der ehemaligen Pferderennbahn.Auf Sportplätzen hingegen gilt gemäss der kantonalen Hundeverordnung ein Hundeverbot. Auf Friedhöfen und Spielplätzen, in Parks und auf Grünanlagen gilt die Leinenpflicht.