KANTON LUZERN: «Luzern wird weitere Zuzüger anlocken»

Es zügeln wieder mehr Leute aus den Nachbarkantonen nach Luzern als umgekehrt. Der Finanzdirektor spricht von einer Trendwende.

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Der kantonale Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Der kantonale Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Marcel Schwerzmann, wie Ihre Vorgänger malen Sie ein eher düsteres Bild für die mittelfristige Zukunft. Seit 2000 sind diese Prognosen nie eingetroffen. Warum das spätsommerliche Ritual?
Regierungsrat Schwerzmann: Das ist kein Ritual. Wir stehen tatsächlich vor neuen Aufgaben, die bisher in keinem Budget aufgetaucht sind. Zum Beispiel die Spitalfinanzierung mit 30 Millionen Franken, die Fusion und der Ausbau von Stadt- und Kantonspolizei . . .

. . . die Polizeikorps werden fusioniert, um Doppelspurigkeiten zu beseitigen. Also handelt es sich letztlich um eine Einsparung.
Schwerzmann: Das ist so. Nur: Zuerst ist eine Anschubfinanzierung notwendig, damit die zusammengewachsenen Korps später effizienter arbeiten können. Weiter investieren wir auf allen Stufen in die Bildung. Und wir stehen vor einem Investitionshöhepunkt: der Autobahnzubringer Rontal, die Allmend in der Stadt rund um das Stadion, die Tieflegung der Zentralbahn, der Universitätsbau und die etappierten Spitalumbauten für alleine über 800 Millionen Franken.

Trotzdem: Allein der Steuerfuss sank in den letzten Jahren um über einen Fünftel. Dazu gesellen sich gezielte Entlastungen über Steuergesetzreformen. Die Steuereinnahmen aber blieben stabil. 2007 fiel sogar der Wanderungssaldo mit den steuerlich meist attraktiveren Nachbarkantonen positiv für Luzern aus.
Schwerzmann: Das ist erfreulich. Mit einem Zuwanderungssaldo von 1,2 Prozent liegt der Kanton sogar über dem schweizerischen Durchschnitt. Luzern wird wieder als attraktiv wahrgenommen. Wenn in zwei Jahren die Autobahn von Luzern nach Zürich durchgehend fertiggestellt ist, wird der Kanton noch mehr Zuzüger aus Zürich und Zug anlocken. Es gibt weitere Indizien für die Trend-Umkehr: Mehr Firmen ziehen in den Kanton, bereits angesiedelte bauen aus. Privatbanken lassen sich hier nieder – das würden sie kaum tun, wenn sie kein Kundepotenzial orteten. 

Die nächste Steuergesetzrevision soll ab 2011 einen weiteren Schub auslösen. Bloss: Das Wirtschaftswachstum verliert an Schwung, erste kritische Stimmen werden bereits laut. 
Schwerzmann: Wir müssen den Mut aufbringen, auch in einem konjunkturell weniger guten Umfeld weitere Reformen durchzuziehen. Die andern Kantone schlafen nicht. Nidwalden – und das will etwas heissen – hat bereits auf uns reagiert. Wie die nächste Steuergesetzrevision im Detail aussehen wird, wissen wir noch nicht. Die Diskussion kommt jetzt in Gang. Geplant sind weitere Entlastungen für die Familien und Unternehmen sowie für die mittleren und hohen Einkommen. Die tieferen Einkommen wurden bereits bei früheren Gesetzesrevisionen entlastet. 

Interview Rainer Rickenbach

Das ausführliche Interview lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung.