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KANTON LUZERN: Luzerner Schwarzfahrer prellen Öffentlichkeit um Millionen

Schwarzfahrer sollen künftig in einem nationalen Register erfasst – und härter bestraft werden. Doch wie gravierend ist das Problem überhaupt? Konkrete Zahlen sind rar, die Hoffnungen auf Besserung indes gross.
Raphael Zemp
Zwei VBL-Mitarbeiter bei der Billettkontrolle. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 13. März 2014))

Zwei VBL-Mitarbeiter bei der Billettkontrolle. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 13. März 2014))

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Ab April 2019 werden Schwarzfahrer in einem nationalen Register erfasst. Das hat der Tarifverbund «Direkter Verkehr Schweiz» unlängst bekanntgemacht (wir berichteten). Dem Verband angeschlossen sind die 250 wichtigsten Transportunternehmen der Schweiz, darunter nebst SBB und Postauto auch die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) sowie die Auto AG Rothenburg und die Rottal Auto AG. Die Idee hinter dem nationalen Schwarzfahrerregister: Mit gestaffelten Zuschlägen sollen notorische Schwarzfahrer härter bestraft werden. Beim ersten Mal wird ein Zuschlag von 100 Franken erhoben, beim zweiten Mal 140 Franken und beim dritten Mal bereits 170 Franken – unabhängig vom Transportunternehmen.

Datenbanken führen schon heute einzelne Transportunternehmen. Etwa die SBB (seit 2006), die Postauto AG (seit 2008) und die VBL. Allerdings sind die Register der einzelnen Verkehrsbetriebe nicht miteinander verknüpft. Wer im Postauto ohne gültiges Billett erwischt wird, darauf in einer S-Bahn der SBB und schliesslich in einem VBL-Trolleybus, bezahlt jedes Mal «bloss» den Zuschlag für das erstmalige Vergehen. Mit dem neuen nationalen Register wird das künftig nicht mehr möglich sein. Bewusst schwarzfahren und dabei Bussen in Kauf nehmen – das soll sich nicht mehr lohnen.

Schwarzfahrer verursachen Verluste in Millionenhöhe

Jedes Jahr werden schweizweit rund 800'000 Schwarzfahrer gebüsst. Das sind knapp 1,4 Prozent aller Fahrgäste. Die Dunkelziffer dürfte dabei deutlich höher sein. Klar ist: Wegen Schwarzfahrern entgeht dem öffentlichen Verkehr jährlich viel Geld. Alleine die SBB beklagen jedes Jahr Verluste im zweistelligen Millionenbereich wegen Reisenden ohne gültiges Billett. Doch wie gravierend präsentiert sich das Problem im Kanton Luzern? So einfach lässt sich das nicht eruieren – aus mindestens zwei Gründen. Einerseits machen Busse und Züge vor Kantonsgrenzen nicht Halt. Und zum anderen sind nicht alle Transportunternehmen, die im Kanton Luzern tätig sind, gleich gewillt, Informationen preiszugeben.

Die Verkehrsbetriebe Luzern etwa geben grundsätzlich keine Auskunft zum Thema Schwarzfahren. Auch die Auto AG Rothenburg retourniert den Fragekatalog unbeantwortet und mit dem Kommentar: «Das Projekt ‹nationales Schwarzfahrerregister› befindet sich noch in der Konzeptphase, weshalb wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung dazu nehmen.» Die Rottal Auto AG lässt immerhin verlauten, dass ihre Schwarzfahrerquote dem Durchschnitt sämtlicher Transportunternehmen des Tarifverbunds Passepartout entspreche. Nach eigenen Angaben befördert sie jährlich rund 2,3 Millionen Fahrgäste. Die SBB können weder zu einzelnen Kantonen noch zu einzelnen Strecken Angaben machen.

Auskunftsfreudiger zeigt sich hingegen die Postauto AG – die zuletzt öffentlich in die Kritik geraten ist, weil sie mutmasslich unrechtmässig Subventionen abkassiert haben soll. Auf ihren 29 Linien im Kanton Luzern befördert sie jährlich rund 5 Millionen Fahrgäste. Den Verlust durch Schwarzfahrer schätzt sie auf 400'000 Franken – pro Jahr. Nach Angaben des Verkehrsverbunds Luzern (VVL) stellt Postauto im Kanton Luzern rund 14 Prozent des ÖV-Angebots sicher. Geht man davon aus, dass alle Verkehrsbetriebe etwa in gleichem Masse von Schwarzfahrern geprellt werden, lässt sich der Verlust hochrechnen. Demnach entgehen den Verkehrsbetrieben im Kanton Luzern pro Jahr Einnahmen von rund 3 Millionen Franken.

Postauto hat im letzten Jahr im Kanton Luzern 23'000 Passagiere kontrolliert. Etwa 740 von ihnen trugen keinen gültigen Fahrausweis auf sich, was einem Schwarzfahreranteil von über 3 Prozent entspricht. Am meisten Schwarzfahrer haben die Kontrolleure auf den Linien 73 (Luzern–Udligenswil–Meierskappel–Rotkreuz) und 85 (Sursee–Triengen–Schöftland) erwischt, die gleichzeitig die am stärksten frequentierten Kurse sind.

Was erstaunt: Obwohl die Postauto AG wie die SBB schon seit Jahren eine eigene Sünder-Datenbank führt, sind ein Viertel der ertappten Schwarzfahrer Wiederholungstäter. Rund 125 der knapp 740 Fahrgäste ohne gültiges Billett dürften zudem angezeigt worden sein, wie Mediensprecherin Katharina Merkle schätzt. Diesen Schluss legt zumindest die Statistik nahe: Denn schweizweit zeigt die Postauto AG rund 17 Prozent der erwischten Schwarzfahrer an. Auch die SBB reichen nach eigenen Angaben jedes Jahr «mehrere tausend» Strafanzeigen ein. Betroffen ist, wer dreimal beim Schwarzfahren erwischt worden ist und nicht bezahlt oder wer sein Billett fälscht oder manipuliert.

Jeder vierte Strafbefehl betrifft einen Schwarzfahrer

Wie unsere Zeitung bereits vor zwei Jahren recherchiert hat, entfällt fast jeder vierte Strafbefehl der Luzerner Staatsanwaltschaft auf einen Schwarzfahrer. Pro Jahr sind das schätzungsweise rund 2000 Fälle. Mediensprecher Christian Bertschi bestätigte damals gegenüber unserer Zeitung, dass auch die VBL einige «Stammkunden» kennen würden und dass «selbst drastische Geldstrafen bei gewissen Leuten keine Wirkung zeigen». Wird das nun besser mit dem nationalen Register? Eine berechtigte Frage. Denn auch Bertschi von den VBL sagt: «Für uns wird sich mit dem geplanten nationalen Register nichts ändern.» Weiterhin unbekannt ist auch, wie viel die geplante zentrale Verwaltung des neuen Registers kosten wird sowie die Zusammenführung der einzelnen bereits angelegten Datenbanken.

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