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KANTON LUZERN: Nachts kommen die Gemüsediebe

Es gibt kaum friedlichere Orte als Schrebergärten. Leider werden Hobbygärtner oft von Schädlingen geplagt – nicht nur von tierischen.
Roger Rüegger
Fredy Doser ist Präsident des Familiengärtnervereins Luzern und hatte in seinem Garten auf der Allmend schon mehrfach ungebetene Gäste. (Bild Boris Bürgisser)

Fredy Doser ist Präsident des Familiengärtnervereins Luzern und hatte in seinem Garten auf der Allmend schon mehrfach ungebetene Gäste. (Bild Boris Bürgisser)

Roger Rüegger

In den Schrebergärten blühen die Hobbygärtner seit einigen Tagen richtig auf: Nach den regenreichen Wochen schiessen die Pflanzen jetzt im Sonnenlicht in die Höhe, Gartenplatten können verlegt werden, die Tomaten wachsen, die Beeren sind reif und die Zwiebeln hängen bereits zum Trocknen.

Die Hobbygärtner werden für ihre Arbeit belohnt. Aber es bedienen sich auch Schmarotzer am reichhaltigen Angebot – und wir reden hier nicht in erster Linie von Schnecken oder Blattläusen. Nein, auch Gemüsediebe schlagen zu, meistens nachts. Fredy Doser, Präsident des Familiengärtnervereins Luzern, kann ein Lied davon singen. Zwischen «Deins» und «Meins» werde immer weniger unterschieden, klagt der Mann, der auf der Allmend eine Schrebergarten-Parzelle bewirtschaftet.

Apfelernte ohne den Besitzer

Damit meint er, dass sich dreiste Personen, die nichts in den Schrebergärten zu suchen haben, ungeniert an der Ernte bedienen. Zwei Parzellen neben Dosers Garten stehen ein prächtiger Apfelbaum und zudem ein hübscher Spalier. Diese laden offenbar zur Selbstbedienung ein. «Im letzten Jahr trugen die Bäume viele Früchte. Ich erinnere mich noch, wie ich zu einem befreundeten Gärtner sagte, dass sich der Besitzer mit dem Ernten sputen müsse, wenn er die Äpfel rechtzeitig ablesen wolle», so Doser.

Tatsächlich hingen tags darauf keine Früchte mehr am Baum. «Ich wunderte mich, dass er es in so kurzer Zeit schaffte, die Äpfel abzulesen», sagt Hobbygärtner Doser. Doch nicht der Pächter der Parzelle hatte sich die Äpfel geholt, sondern Diebe. Doser schüttelt den Kopf. «Leider ist es kein neues Phänomen. Salate, Zwiebeln, Tomaten oder auch Blumenkohl werden immer wieder gestohlen. Man muss den Zeitpunkt inzwischen genau treffen und das Gemüse oder die Früchte umgehend ernten, wenn sie reif sind. Sonst machen es andere», sagt er etwas konsterniert.

Kürbisse gestohlen, Salat gegessen

Auf dem Areal Urnerhof des Familiengärtnervereins in Luzern ist die Situation zwar etwas entspannter, aber auch dort kommen schon mal ungebetene Gäste zu Besuch. Ja, es würden schon hin und wieder Tomaten oder Zwiebeln gestohlen, sagt ein Gärtner bei unserem Besuch vor Ort. «Wir sind an einer Durchgangsstrasse, sodass man leicht sehen kann, wo es etwas zu holen gibt», sagt der Mann. Ein Italiener, der sich als Salvatore vorstellt, wird konkreter: «Im Oktober wurden mir acht grosse Kürbisse gestohlen. Die hat jemand gezielt geholt, um diese dann zu verkaufen», schimpft er. Dass hin und wieder jemand einen Salat mitnimmt, stört Salvatore hingegen nicht. «Ich habe sehr viele Salatköpfe, wenn einer meint, er müsse einen mitnehmen, ohne zu fragen, dann ist das nicht nett – aber es geht dabei ja nicht um Diebstahl, sondern ums Essen.» Der Mann zeigt eine bewundernswerte Toleranz.

Mit dieser hat es aber ein Ende, wenn es um gravierendere Taten im Gartenparadies geht: Einbruch und Vandalismus. An Fredy Dosers Gartenhäuschen auf der Allmend wurde das Schloss in den letzten Jahren gleich mehrere Male aufgebrochen. «Dabei haben sich die Einbrecher an Getränken bedient, eine Unordnung hinterlassen oder aber sie haben das Häuschen in Brand gesteckt. In einem Fall war der Schaden derart gross, dass wir das Häuschen abreissen mussten», schildert er. Das kostete den Mann über die Jahre rund 3500 Franken. Allein das Auswechseln der Türzylinder summierte sich. «Versichert sind die Anlagen zwar, aber bei einem Selbstbehalt von 200 Franken pro Fall macht es kaum Sinn, die Schäden anzugeben», sagt er.

Domizil für Einbruchtouristen?

Einmal haben sich sogar Leute im Winter in einem Gartenhaus eingerichtet. Fredy Doser vermutet, dass es sich dabei um Einbruchtouristen handelte. Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei, kann diese Aussage zwar nicht bestätigen, er teilt auf Anfrage jedoch mit, dass in jenem Fall drei Georgier festgenommen wurden, die im Besitz von Werkzeugen waren. Man habe ihnen aber keine weiteren Delikte nachweisen können.

Dass Einbruchdiebstähle und Sachbeschädigungen in Schrebergärten verübt werden, bestätigt Wigger hingegen. Die statistischen Zahlen sind wenn nicht astronomisch hoch, so doch bemerkenswert: Im Jahr 2015 wurden im Kanton Luzern 27 Einbruchdiebstähle in Schrebergärten gemeldet, 2014 waren es 13, im Jahr 2013 wieder 27 und 2012 insgesamt 9. Sachbeschädigungen wurden letztes Jahr 2 gemeldet, 2014 waren es 16, 2013 insgesamt 3 und 2012 deren 6.

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