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KANTON LUZERN: Nun geht’s dem Biber mit Strom an den Kragen

Zum ersten Mal im Kanton Luzern wird der Biber mit Strom davon abgehalten, einen Damm auszubauen. Hinter dieser aussergewöhnlichen Massnahme steht sogar der Naturschutzverband Pro Natura.
Biber sind in der Schweiz geschützt. Im Kanton Luzern leben rund 50 Tiere. (Bild: Getty)

Biber sind in der Schweiz geschützt. Im Kanton Luzern leben rund 50 Tiere. (Bild: Getty)

Seit 1962 stehen der Biber und die von ihm gebauten Dämme in der Schweiz unter Schutz. Das heisst, weder darf er gejagt noch dürfen die Dämme zerstört werden. Die Massnahmen wurden dazumal eingeführt, damit sich der Biber in der Schweiz wieder ausbreiten konnte. Denn vor 200 Jahren war er wegen intensiver Bejagung in der Schweiz von der Bildfläche verschwunden. Der Schutz fruchtete, heute geht der Bund von 2800 Bibern im Land aus. Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern (Lawa) schätzt den Bestand im Kanton auf rund 50 Tiere.

Zwei davon machen allerdings seit geraumer Zeit in Root Probleme. Vor einem Jahr bauten sie im Förndlibach mehrere Dämme. Das führte diverse Male zu Überschwemmungen im Naturschutzgebiet Perler Unterallmend, wo sich das Gewässer in unmittelbarer Nähe der Reuss befindet. Zum Schutz des Flachmoors baute der Kanton daraufhin Rohre in einen der Dämme, damit das Wasser trotzdem reguliert ablaufen konnte.

«So wird der Naturschutz zur Farce»

Doch das scheint nicht zu genügen, wie sich nun zeigt. Die Biber bauten die Dämme weiter aus. Eine Leserin unserer Zeitung bemerkte vor kurzem, dass bei einem Biberdamm eine Stromanlage, analog zu einem Elektrozaun auf einer Weide, installiert worden war. «Einem nassen Biber einen Stromstoss zu versetzen, ist grausam», sagt sie. Zudem sei es schwierig zu verstehen, wie eine solche Installation ausgerechnet in einem Naturschutzgebiet verwendet werden darf. «So wird der Naturschutz zur Farce.»

Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald hat die Anlage Ende August dort angebracht. Dies erklärt Priska Ineichen, Fachbearbeiterin Arten in der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei des Lawa. Zuerst sei die Massnahme einen Monat durchgeführt worden. «Etwas später bauten die beiden Biber wieder weiter, woraufhin wir den Strom wieder angestellt haben.» Der Strom werde eingesetzt, weil die verlegten Rohre in den Dämmen nicht den gewünschten Effekt brachten. Dies, weil die Biber die Dämme ausbauten.

«Es ist das erste Mal, dass im Kanton Luzern Strom gegen Biber eingesetzt wird.» Das sei eine zulässige Massnahme, die auch schon in anderen Kantonen durchgeführt worden sei. «Dem Biber zwickt es eins. Das soll ihn davon abhalten, den Biberdamm höher zu bauen.» Das helfe, dass er im Gebiet bleiben könne, da damit erhebliche Schäden am Flachmoor verhindert würden. Aber es sei schon so, dass gerade in einem Naturschutzgebiet Strom nicht die erste Wahl sein sollte. Daher seien vor der Installation in Absprache mit der nationalen Biberfachstelle alternative Varianten geprüft worden. Allerdings sei die Anlage nur auf der Hälfte des einen Damms angebracht, zudem würden die Drähte das Wasser nicht berühren. «Der Strom ist nicht dazu da, den Biber zu vertreiben», führt Priska Ineichen aus.

Stromanlage dient nicht als langfristige Lösung

Die getroffenen Massnahmen des Kantons werden vom Naturschutzverband Pro Natura unterstützt. «Das betroffene Flachmoor ist von nationaler Bedeutung», erklärt Miriam Peretti, Projektleitern von «Hallo Biber Zentralschweiz». Zudem gehe es um eine Interessenabwägung. Denn mit der Massnahme würden die Biber weiterhin das ganze Revier nutzen können. Und so könnten beide Naturschutzinteressen nebeneinander existieren. Wichtig sei gewesen, dass Pro Natura ständig in das Verfahren involviert gewesen sei. «Nun geht es darum, dass die Dämme zwar bestehen bleiben, die Biber sie aber nicht noch höher bauen können.»

Eine langfristige Lösung sei die Stromanlage nicht, gibt Priska Ineichen vom Lawa zu bedenken. «Und genau da stehen wir nun an. Solche Massnahmen sind schwierig zu realisieren.» Denn um den Biber umzusiedeln, braucht es eine Bewilligung des Bundes. Und töten dürfe man ihn nur, wenn er «erhebliche» Schäden anrichte, was hier nicht der Fall sei. Zudem sollen die Tiere im Gebiet bleiben können. Eine langfristige Lösung ist also nicht in Griffweite.

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Dieser Elektrozaun am Förndlibach soll Biber davon abhalten, den Damm höher zu bauen. (Bild: Christine Schneider (Root, 12. Dezember 2017))

Dieser Elektrozaun am Förndlibach soll Biber davon abhalten, den Damm höher zu bauen. (Bild: Christine Schneider (Root, 12. Dezember 2017))

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