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Dank starker Batterien: In Luzern fahren Trolleybusse bald auf neuen Strecken

Bis 2040 sollen die meisten Busse im Kanton Luzern mit erneuerbaren Energien fahren. So sieht es die E-Bus-Strategie des Verkehrsverbunds vor. Nun gibt er Details zum Fahrplan bekannt. Klar ist: Es braucht mehr Geld.
Stefan Dähler
Testfahrt eines Batterie-Trolleybusses in Luzern bei der Langensandbrücke. (Bild: Boris Bürgisser, 14. März 2018)

Testfahrt eines Batterie-Trolleybusses in Luzern bei der Langensandbrücke. (Bild: Boris Bürgisser, 14. März 2018)

Der öffentliche Verkehr muss künftig noch umweltschonender unterwegs sein. Zu diesem Zweck sollen bis ungefähr 2040 keine Dieselbusse mehr im Kanton Luzern fahren (wir berichteten). Stattdessen will der Verkehrsverbund Luzern (VVL) vor allem auf Elektrobusse setzen, die mit Strom aus erneuerbarer Energie betrieben werden. So sieht es die E-Bus-Strategie des VVL vor. Nun gibt dieser gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL) bekannt, welche Massnahmen als erste geplant sind. Eine grafische Übersicht über die betroffenen Linien sehen Sie hier:

  • Bis Ende 2020 soll in 16 VBL-Gelenktrolleybussen für total rund 4 Millionen Franken der Dieselhilfsmotor durch eine starke Batterie ersetzt werden. Dies unter anderem, um für Umleitungen bei Grossbaustellen wie im Gebiet Fluhmühle oder Pilatusplatz gerüstet zu sein.
  • Diese umgerüsteten Batterie-Trolleys schaffen die Voraussetzung für die Verlängerung der Linie 4 per Ende 2021. Der neue Abschnitt zwischen Hubelmatt und Sportgebäude Allmend via Zihlmattweg soll ohne Fahrleitungen bewältigt werden. Das automatische An- und Abdrahten an einer Haltestelle dauere je etwa 15 Sekunden, wenden könnten die Busse beim Kreisel auf der Horwerstrasse. Längerfristig steht eine weitere Verlängerung zum Bahnhof Mattenhof zur Diskussion.
  • Ende 2023 soll die neue Linie 3 zwischen Würzenbach und Littau in Betrieb gehen. Dafür sollen zwischen Kreuzstutz und dem Zentrum St. Michael neue Fahrleitungen erstellt werden, die restliche Strecke bis Littau Tschuopis würde dann im Batteriebetrieb ohne Fahrleitung bewältigt (mehr dazu im Infotext unten). Der 3er ersetzt die Linien 8 und 12. Weiter ist eine neue Linie zwischen Hirtenhof, Schlossberg, Kantonsspital und Friedental oder alternierend Bahnhof Emmenbrücke Süd geplant, welche die Linien 8 und 19 verknüpft.
  • Weiter soll Ende 2023 die Linie 30 elektrifiziert werden. Diese wird Ende des laufenden Jahres mit Dieselbussen in Betrieb genommen und verkehrt zwischen Ebikon, Kantonsspital, Littau Dorf und Littau Bahnhof.

In den nächsten Jahren sind zudem auf weiteren Linien Pilotprojekte mit Batteriebussen vorgesehen. Auf welchen, ist noch offen. «Wir haben die Transportunternehmen kontaktiert, die nun entsprechende Vorschläge mit Kosten- und Nutzenangaben erarbeiten», sagt Daniel Heer, Verkehrsplaner beim VVL. «Erste Pilotprojekte dürften dann frühestens ab 2021 umgesetzt werden.»

Grosse Umrüstung erst ab 2030

Eine grossflächige Umstellung von Diesel- auf Batteriebusse ist aber erst ab 2030 vorgesehen. «Wir wollen funktionstüchtige Dieselbusse nicht vorzeitig ausser Verkehr setzen», sagt Heer. Ausserdem sind die Reichweiten der Batterien für den Einsatz während eines ganzen Tages noch nicht ausreichend. Bis 2030 dürfte der technologische Fortschritt dieses Problem aber mindern. «Vereinzelt, etwa auf sehr langen Kursen, könnten aber auch 2040 noch Diesel-Hybridbusse im Einsatz sein.»

Heute sieht das Verhältnis anders aus. Bei den VBL sind derzeit 75 Diesel-, 59 Trolley- und 3 Hybridbusse im Einsatz. Hinzu kommen auf dem ganzen Kantonsgebiet noch einige hundert Busse, die grösstenteils mit Diesel unterwegs sind. «Wir wollten zusammen mit dem VVL erst das Endergebnis der E-Bus-Studie abwarten, um so die bestmögliche Lösung für die gesamte Region zu eruieren. Deshalb sind wir nun etwas später dran als andere Städte», sagt Christian Zumsteg, Leiter Rollmaterial bei den VBL. So haben Genf und Bern bereits je eine Linie auf Batteriebetrieb umgestellt, in Zug soll ab Herbst ebenfalls ein Batteriebus fahren (wir berichteten). «Wir können dafür von den Erfahrungen anderer profitieren und haben nun ein umfassendes Konzept erarbeitet, das sich nicht nur auf einzelne Linien oder Fahrzeuge beschränkt, sondern die verschiedenen Anwendungsfälle der Region Luzern abdeckt», so Zumsteg.

Trolleybus bleibt im Einsatz

Der Trolleybus spielt auch künftig eine wichtige Rolle. «Das bestehende Fahrleitungsnetz soll mit punktuellen Anpassungen erhalten bleiben», sagt Heer. Geplant ist wie erwähnt, dass neue beziehungsweise verlängerte Linien teils mit Leitungen, teils im Batteriebetrieb befahren werden. Die Trolley-Technologie sei nach wie vor sehr effizient, da die Batterie während der Fahrt aufgeladen werden kann.

Das ist bei reinen Batteriebussen nicht der Fall. Diese müssen nach einer gewissen Fahrzeit aufgeladen werden. Möglich ist das etwa unterwegs bei Ladestationen entlang der Fahrstrecke. Das wird in Genf unter dem Namen «Tosa-System» praktiziert. Hier ein Bild davon:

(Bild: PD)

(Bild: PD)

Der VVL hat sich aber für das sogenannte Depotlader-Modell entschieden. Neben Zug hat auch Basel Depotlader-Busse. Diese werden länger im Depot aufgeladen und können dafür weitere Strecken fahren. Daniel Heer:

«Dieses System ist flexibler, da man
nicht auf Ladestationen bei den Haltestellen angewiesen ist.»

Diese Fahrzeuge könne man daher auch als Bahnersatzbusse einsetzen. Ein Nachteil von Tosa-Ladestationen sei zudem, dass diese einen weiteren Eingriff ins Stadtbild darstellten.

Allerdings müssen die Depotlader-Batteriebusse, bis die Batteriekapazität ab zirka 2030 für eine ganze Tagesleistungen reicht, tagsüber zwischendurch zum Nachladen zurück ins Depot. Bern hat sich beim Pilotprojekt für einen Zwischenweg entschieden. So wird zusätzlich nach einigen Runden an der Endhaltestelle die Batterie aufgeladen.

Wegen der geringeren Reichweite als beim Diesel sei die Umstellung auf Batterien grundsätzlich eine Herausforderung. «Man muss schauen, dass nachts die Busse gestaffelt aufgeladen werden, um das Stromnetz nicht zu überlasten», sagt Heer. Weiter seien je nach Fahrplan mehr Busse nötig, um den Fahrplan während dem notwendigen Nachladen aufrecht zu erhalten.

Mehrkosten von 15 bis 35 Prozent

Für die Umsetzung der E-Bus-Strategie erwartet der VVL Mehrkosten von 15 bis 35 Prozent im Vergleich zu heute. Dies nicht nur, weil eine grössere Flotte nötig ist, sondern auch, weil die Batteriebusse teurer sind – aktuell kosten sie im Vergleich zum Diesel etwa doppelt so viel. Die Preise dürften sich in den nächsten Jahren noch etwas angleichen – wie stark, sei ungewiss, so Heer. Wie die Mehrkosten finanziert werden sollen, ist noch offen. «Ziel ist, dass der ÖV attraktiv bleibt und die zu erwartenden Mehrkosten weder durch eine Angebotsreduktion noch höhere Billettpreise kompensiert werden müssen.»

Der VVL-Verbundrat, bestehend aus Vertretern des Kantons und der Gemeinden, hat die E-Bus-Strategie bereits abgesegnet. Der Regierungs- und Kantonsrat behandeln diese im Rahmen des ÖV-Berichts.

Dokumente mit weiteren Infos zur E-Bus-Strategie finden Sie ab Dienstag auf www.vvl.ch/e-bus/

Linie 3: Fahrleitungen bis zum Zentrum St. Michael

Ende 2023 soll die neue Linie 3 zwischen Würzenbach und Littau-Tschuopis in Betrieb gehen. Geplant ist, zu diesem Zweck neue Fahrleitungen auf der Steigung zwischen Kreuzstutz und dem Zentrum St. Michael zu errichten. Die restliche Strecke bis Tschuopis würde dann im Batteriebetrieb bewältigt. Zwischen Kreuzstutz und Würzenbach bestehen bereits Fahrleitungen. Einen reinen Batteriebetrieb ab Kreuzstutz ohne Fahrleitungsausbau habe man in einer Studie mit der Hochschule Luzern geprüft, sagt Christian Zumsteg, Leiter Rollmaterial VBL. «Im Normalbetrieb würde es gerade so gehen. Doch kommt es zu Staus, beziehungsweise gibt es Umwege wegen Baustellen oder Anlässen, fällt der Ladestand auf ein kritisches Level, es drohen Fahrten auszufallen.» Weiter würden die Batterien in der fahrleitungslosen Variante zu stark beansprucht.

Unsicherheiten beim Zeitplan wegen Perrons am Bahnhof

Um die Teilstrecke zwischen Zentrum St. Michael und Tschuopis zu bewältigen, sind dennoch stärkere Batterien nötig, als sie die VBL heute verwenden. Ob bestehende Doppelgelenktrolleys aufgerüstet oder neue Fahrzeuge beschafft werden, ist noch offen. Im Agglomerationsprogramm sind für den Ausbau der Linie 3 rund 7 Millionen Franken eingestellt. Deren Inbetriebnahme hängt jedoch von der Realisierung der neuen Durchmesserperrons am Bahnhof Luzern ab, deren Planung sich als kompliziert erweist. Wann genau die Perrons realisiert werden, kann die für die Planung zuständige Stadt Luzern noch nicht sagen, wie es dort auf Anfrage heisst. Werden diese nicht rechtzeitig gebaut, besteht die Option, vorerst die Linie 12 nach Littau mit Batterie-Trolleybussen zu betreiben.

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