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KANTON LUZERN: Pflege: Die Lage spitzt sich zu

In den Alters- und Pflegeheimen arbeiten immer weniger diplomierte Pflegefachfrauen. Wegen ständiger Unterbesetzung leidet die Arbeitsqualität. Das hat verheerende Folgen.
Yasmin Kunz
Die diplomierte Pflegefachfrau Anca Campean im Gespräch mit einer Bewohnerin im Pflegezentrum Dreilinden in Luzern. (Bild Pius Amrein)

Die diplomierte Pflegefachfrau Anca Campean im Gespräch mit einer Bewohnerin im Pflegezentrum Dreilinden in Luzern. (Bild Pius Amrein)

«Die Arbeit im Heim kommt für mich einer Feuerwehrübung gleich», sagt eine Pflege-Teamleiterin eines Alters- und Pflegeheims in der Region Luzern. «Wir können immer nur das Nötigste für unsere pflegebedürftigen Klienten erledigen. Zeit für Gespräche, Aktivierung, Betreuung gibt es nicht», sagt sie. Doch nicht nur das Zwischenmenschliche mit den Bewohnern kommt zu kurz, auch können gewisse Aufgaben wegen Unterbesetzung nicht mehr gesetzesgetreu erledigt werden. «Teils wurden nicht mal mehr die Medikamente nach Vorschrift kontrolliert. Arbeitsschutzgesetz, Qualitätssicherung und Fürsorgepflicht werden verletzt.» Weiter sagt die Teamleiterin: «Wenn wir nicht mal Zeit für Sterbebegleitung haben, sind wir in einer menschlich kalten Welt angekommen.»

Tiefere Löhne in Heimen

Das Problem fehlender Fachkräfte in Heimen spitzt sich weiter zu, allerdings nicht überall gleich ausgeprägt, wie Claudia Husmann, Leiterin des Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner der Zentralschweiz (SBK), erklärt. «Es gibt Heime, die geniessen einen guten Ruf und haben weniger Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu rekrutieren.»

Dennoch bestätigt Husmann, dass viele Alters- und Pflegeheime Mühe bekunden, ihre Stellen mit gut ausgebildetem Personal – Abgänger der Höheren Fachschule (HF) – zu besetzen. Im Kanton Luzern gibt es 63 Alters- und Pflegeheime, und insgesamt arbeiten über 6500 Personen in den Heimen, im Pflegebereich sind es rund 3100 Vollzeitstellen (siehe Grafik). Die Gründe für den Fachkräftemangel sind vielschichtig. Husmann: «Die Langzeitpflege scheint weniger attraktiv als eine Stelle im Spital. Einerseits, weil die Löhne in Pflegeheimen tiefer sind, andererseits, weil der Fachpersonalschlüssel pro pflegebedürftige Person tiefer ist.» Ein Blick in die Lohnlisten zeigt: Eine ausgebildete Pflegefachperson in ihrem zehnten Arbeitsjahr verdient bei einem 100-Prozent-Pensum im Spital 6000 Franken monatlich. Für die gleiche Arbeit erhält sie in der Langzeitpflege 5250 Franken.

Bild: Grafik Oliver Marx / Neue LZ

Bild: Grafik Oliver Marx / Neue LZ

Es ist ein Teufelskreis: Weil in den Heimen Not an Pflegepersonal herrscht, sind jene Fachkräfte, die noch in den Heimen arbeiten, immer öfter am Limit, brennen aus oder kündigen.

Die Teamleiterin aus der Region kann das bestätigen: «Die Fluktuation unter dem diplomierten Pflegepersonal ist gross. Ausserdem haben wir immer viele Krankheitsmeldungen und Burn-outs, was auf die hohe Arbeitsbelastung zurückzuführen ist.» Sie sagt zudem: «Es gab Tage, da haben eine Pflegemitarbeiterin und ich 17 Bewohner betreut.» Auch die Patienten würden den Personalmangel spüren und sich gelegentlich auch darüber beklagen, «dass man beispielsweise erst am Nachmittag Zeit findet, die Bewohner zu duschen», sagt die Pflegefachfrau.

Hauptsache schnell und effizient

Husmann weiss, dass viele Pflegefachfrauen den Bettel hinschmeissen, weil sie die Verantwortung, wie man mit den Bewohnern und den Angehörigen umgeht, nicht mehr tragen wollen. «Die Pflege ist vielerorts nicht mehr dem Bedarf angepasst, sondern funktioniert nach dem Motto: schnell und effizient, ohne Berücksichtigung der Bedürfnisse.» Und das würde dem Personal zu schaffen machen. Denn: Pflegende seien sehr sozial, motiviert, verfügten über grosses Wissen bezüglich Förderung der Gesundheit und Selbstständigkeit. «Das Wohl der Bewohner hat bei den Pflegenden oberste Priorität», sagt die SBK-Verbandsleiterin.

In Heimen, wo die Pflegefachfrauen rar vertreten sind, übernehmen oft die Fachangestellten Gesundheit (FaGe), die medizinisch weniger Wissen mitbringen, Aufgaben, die in den Kompetenzbereich einer Pflegefachfrau gehören. Diese unklare Rollenverteilung kann zu Problemen innerhalb einer Abteilung führen. Husmann macht ein Beispiel: «Wenn eine Pflegefachfrau den Bewohner duschen muss und die FaGe im Gegenzug Konfliktlösungs- oder Krisengespräche führt, sorgt das für Unmut, weil die Aufgaben ungleich verteilt sind.» Klar seien FaGe-Angestellte auch eine Entlastung, «doch es darf nicht sein, dass sie Aufgaben übernehmen, für die sie nicht ausgebildet wurden – das birgt nämlich auch Gefahren.» Die Verbandsleiterin weiss von Situationen, bei denen aufgrund von Überlastung Medikamente in falscher Dosierung bereitgestellt und verabreicht wurden.

Weiterbildung als bewährtes Mittel

Dem Zentrum Höchweid in Ebikon bereitet die Rekrutierung von Fachkräften weniger Mühe. Beatrice Maggion, Leiterin Pflege im Höchweid, sagt: «Wir beschäftigen 30 Prozent ausgebildete Pflegefachfrauen und -männer und können so rund um die Uhr diplomiertes Personal einsetzen.» Maggion glaubt auch den Grund für die besetzten Stellen zu kennen: «Wir setzen vor allem auf die Weiterbildung der Fachangestellten Gesundheit zur diplomierten Pflegefachfrau. Bereits bei der Selektion der Lernenden zur FaGe wird eruiert, ob Potenzial für ein aufbauendes Studium vorhanden ist.»

Auch im Betagtenzentrum Viva Dreilinden in der Stadt, welches zu Viva Luzern AG gehört, legt man den Fokus auf die Zusatzausbildung von Fachpersonen Gesundheit. «Für uns ist es wichtig, dass wir unser Personal behalten und fördern können», sagt Maria Thalmann, Leiterin der Pflege. Aktuell sind dort alle Stellen besetzt. Thalmann räumt jedoch ein: «Es gab manchmal auch Durststrecken, wo Stellen für diplomiertes Pflegefachpersonal der Höheren Fachschule lange vakant blieben.» Dies, weil es ihnen wichtig ist, die Stellen mit Personal, welches den Anforderungen von Viva Luzern entspricht und die Schweizer Anerkennung vom Schweizerischen Roten Kreuz vorweisen – also auch Deutsch spricht – und in der Schweiz bereits Erfahrungen gesammelt hat, zu besetzen. «Das ist nicht immer ganz einfach.»

Bisher verzichtet der Kanton Luzern auf eine einheitliche Regelung bezüglich Personalschlüssel. Andere Kantone wie etwa Schwyz, Nidwalden, Zug haben einen vorgegebenen Personalschlüssel. Für die Viva Luzern AG gilt, dass 20 Prozent der Angestellten in der Pflege über ein Pflegediplom auf Tertiärstufe verfügen müssen.

Viele Topqualifizierte steigen aus

Zum Mangel sagt Irène Erni-Fellmann, Fachverantwortliche Personalentwicklung der Viva Luzern AG: «Die Situation dürfte sich aufgrund der demografischen Entwicklung zusätzlich verschärfen.» Ausserdem zeigt ein Blick in die Statistik, dass zu viele Personen, welche eine Berufsausbildung oder ein Studium in den Gesundheitsberufen abgeschlossen haben, vor ihrem 40. Lebensjahr den Beruf verlassen. «Die Betriebe der Viva Luzern AG konzentrieren sich von daher speziell auf eine qualitativ hochwertige Berufs- und Weiterbildung und verstärken ihre Anstrengungen in Bezug auf attraktive Arbeitsbedingungen.»

Yasmin Kunz

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