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KANTON LUZERN: Plädoyer für neue Verkehrslösungen in der Luft

Ein Gastbeitrag von Kurt Metz zur Entwicklung des ÖV in der Region Luzern.
Kurt Metz, Hellbühl
Stadt-Seilbahnen zur Entlastung der Strassen gibt es schon in vielen Städten – hier in London. Bild: Getty

Stadt-Seilbahnen zur Entlastung der Strassen gibt es schon in vielen Städten – hier in London. Bild: Getty

Alle wollen den öffentlichen Verkehr fördern. Doch darüber, wie das vonstattengehen soll, ist man sich selten einig. In Ebikon wehrten sich die bürgerlichen Parteien gegen den Trolleybus und hofften auf alternative Antriebssysteme, die ohne Fahrleitungen auskommen. Der neuste Vorstoss des Krienser SVP-Einwohnerrats Patrick Koch zielt in die Richtung, den Trolleybus der Linie 1 durch ein Tram zu ersetzen (Ausgabe vom 1. März). Weitere Exponenten träumen von neuen Tunnels in Kriens. Doch fehlt es dabei – wie fast überall in urbanen Gebieten – an Platz, Zeit und Geld.

Die Lösung liegt möglicherweise in der Luft statt auf oder unter dem Boden. Eine Seilbahn in der Stadt – was hier wie das Produkt von Fantasten klingt, ist andernorts bereits Realität. Ein Blick auf die Weltkarte des österreichisch-schweizerischen Seilbahnherstellers Doppelmayr/Garaventa sowie seiner zwei Mitbewerber Bartholet in Flums und Leitner in Bozen zeigt: In Amerika wie in Afrika und Asien wird die Option der dritten Dimension bereits wahrgenommen. Beispiele sind New York und Portland, La Paz und Bogotá, Constantine und Casablanca, Singapur und Macau.

Von den Gondel- und Pendelbahnen in Bergsportgebieten abgeleitet, sind ÖV-Stadtbahnen am luftigen Seil nichts anderes als Seilbahnen ohne Skibox. Eine Wintersportanlage transportiert stündlich bis zu 5000 Passagiere und ist meist nur bergwärts während acht Stunden am Tag nachgefragt. Seilbahnen im urbanen Bereich leisten weit mehr: Bis zu 10000 Fahrgäste je Stunde und Richtung und Verfügbarkeit an 365 Tagen – oft rund um die Uhr – sind gefordert und möglich. Dafür ersetzt eine Anlage bis zu 2000 Autos oder 100 Busse pro Stunde.

Seilbahnen lassen sich leicht an die vorhandene Stadtarchitektur anpassen und an das bestehende Verkehrsnetz anbinden. Sie können Lücken im Netz schliessen oder Netzwerke ermöglichen, Strecken verlängern, Verbindungen schaffen, bestehende Verkehrsangebote und Strassen entlasten sowie topografische Hindernisse kostengünstig und rasch überwinden. Ihr Platzbedarf für Stationen und Stützen ist im Vergleich zu jedem anderen Verkehrsmittel bescheiden; die Gondeln lassen sich in den Stationen garagieren und benötigen keine zusätzlichen Abstellflächen wie Busse oder Züge, die dann wegen möglichem Vandalismus auch noch geschützt oder bewacht werden müssen.

Sie sind selbst in dicht besiedelten Gebieten rasch– meist innert wenigen Monaten – und mit wenig den Alltag störendem Aufwand erstellt. Sie sind umweltfreundlich: geräuschlos, verursachen geringe CO2-Emissionen und sind energieeffizient dank Solaranlagen auf den Stationsdächern. Seilbahnen kennen keine Barrieren für mobilitätseingeschränkte Passagiere, Kinderwagen, Fahrräder und Gepäck. Und: Sie sind sicher, da es keine Kreuzungen unter sich oder mit anderen Verkehrsmitteln gibt.

Weiter können sich Seilbahnen bis zu 36 km/h schnell fortbewegen. Sie sind kontinuierlich unterwegs und benötigen daher weder Fahrpläne noch müssen sie auf Anschlüsse anderer Transportmittel Rücksicht nehmen. Passagiere haben jederzeit eine Fahrgelegenheit. Der Komfort an Bord der verschiedenen Seilbahntypen lässt sich leicht den Umweltbedürfnissen anpassen: Heizung, Klimatisierung, Beleuchtung, Kommunikation sind möglich und mit vertretbarem Aufwand einbaubar.

Urbane Seilbahnen sind zurzeit in aller Welt im Bau oder in der Planung. In der Schweiz wird vielleicht auch Zürich dereinst die Kurve kriegen – für die direkte Luft-Verbindung zum Zoo. Hier entsteht eine ideale und vorbildliche Kombination für öffentlichen und touristischen Verkehr.

Weiter gibt es in der Westschweiz eine Reihe von Ideen, wie der ÖV rasch und kostengünstig verbessert werden könnte. Weit fortgeschritten sind die Pläne in Sitten. Hier soll eine drei Kilometer lange Seilbahn vom Bahnhof zum Bergdorf Mayen entstehen. Ebenfalls gibt es Seilbahnpläne am Genfersee und im Kanton Freiburg. Wieso also nicht auch in Luzern?

Kurt Metz, Hellbühl

Selbstständiger Kommunikationsberater, Publizist, Organisator von Medien-Studienreisen in den Bereichen Mobilität, Logistik und Tourismus. Fachpublizist mit Schwerpunktgebiet ÖV

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