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KANTON LUZERN: Postfilialen werden immer rarer

Die Post­ in Vitznau wird wohl geschlossen. Sie ist nicht die einzige: Seit 2001 hat die Post im Kanton Luzern mehr als jede zweite Filiale geschlossen.
Matthias Stadler
Soll geschlossen werden: die Postfiliale in Vitznau. Im Bild: Sidney Trionfini gab am gestrigen Nachmittag ein Paket auf. (Bild Dominik Wunderli)

Soll geschlossen werden: die Postfiliale in Vitznau. Im Bild: Sidney Trionfini gab am gestrigen Nachmittag ein Paket auf. (Bild Dominik Wunderli)

Der Vitznauer Gemeinderat ist konsterniert. Die Schliessung der Poststelle laufe den Bemühungen zuwider, das Dorf attraktiver zu machen, schreibt er in einer Mitteilung. Hintergrund ist ein Vorhaben der Schweizer Post, die Filiale in Vitznau zu schliessen und künftig über eine Agentur weiterzuführen. Der Dorfladen Volg wird wohl in Zukunft das Postgeschäft in Vitznau betreuen, schreibt der Gemeinderat. Die Post betont hingegen, dass in Bezug auf die Poststelle Vitznau noch kein Entscheid gefallen sei. Man sei «im Gespräch mit der Gemeinde. Sollte sich eine Änderung ergeben, so würden wir in Absprache mit der Gemeinde die Öffentlichkeit informieren», sagt Post-Sprecherin Yvonne Raudzus auf Anfrage unserer Zeitung.

Agenturen ersetzen Filialen

Vitznau ist nur das neueste Kapitel im mittlerweile dicken Ordner der Post-Filialenschliessungen. Eine Anfrage bei der Post verschafft einen Einblick in die Historie der Filialschliessungen: Allein in den letzten sechs Jahren schloss die Post im Kanton Luzern von 85 Poststellen deren 26 (siehe Grafik). Heute gibt es im Kanton noch 59 Filialen.

Schaut man weiter zurück, sind die Zahlen noch eindrücklicher: Im Jahr 2001 betrieb die Post im Kanton Luzern 133 herkömmliche Poststellen. Das heisst, innerhalb von 14 Jahren wurde mehr als jede zweite Filiale geschlossen. Dafür wurden die sogenannten Agenturen, also herkömmliche Läden, welche in ihren Räumen die Dienstleistungen der Post anbieten, ausgebaut. 2009 gab es kantonsweit 17 solcher Agenturen, heute übernehmen 39 Agenturen die Aufgaben der Post.

Zum Vergleich: Im Kanton Nidwalden gab es 2009 neun Poststellen und eine Agentur. Dieses Jahr sind es acht Poststellen und zwei Agenturen. Im Kanton Zug gab es 2009 18 Postfilialen und eine Agentur, heuer lassen sich im Kanton Zug 16 Postfilialen und drei Agenturen finden.

Hinzu kommt in jedem Kanton der sogenannte Hausservice. Dieser kommt dort zum Zug, wo weder eine Filiale noch eine Agentur zur Verfügung stehen. Das ist vor allem in ländlichen Gebieten der Fall, schreibt die Post. Der Pöstler übernimmt darin quasi die Aufgaben einer Filiale. Man kann ihm direkt an der Haustür Briefe mitgeben, über ihn Zahlungen tätigen oder Briefmarken kaufen. Mittlerweile wird dieser Service im Kanton Luzern 39 Mal angeboten, 2009 war das 34 Mal der Fall. In Nidwalden gibt es vier Hausservices und in Zug deren drei. Das Angebot blieb zwischen 2009 und 2015 gleich.

«Kundenverhalten ändert sich»

Die Grundlage zu den Filialschliessungen ist im Postgesetz und der dazugehörigen Verordnung festgehalten (siehe Kasten). Der Gelbe Riese rechtfertigt die Entwicklung mit verschiedenen Gründen: «Das Kundenverhalten ändert sich, die Rahmenbedingungen auch», sagt Post-Sprecherin Yvonne Raudzus.

Die Post stecke in einem Strukturwandel. So habe zwischen den Jahren 2000 und 2014 der Briefverkehr um 67 Prozent abgenommen, es würden 43 Prozent weniger Pakete aufgegeben und 34 Prozent weniger Einzahlungen gemacht. Grund dafür seien unter anderem neue Möglichkeiten für die Korrespondenz. Man schreibe heute weniger Briefe, dafür immer mehr E-Mails, sagt die Post-Sprecherin. Die Anzahl versendeter Briefe und Zeitungen nehme jährlich um 1 bis 2 Prozent ab. Dabei würden 1 Prozent Mengenrückgang bei den Briefen einen Gewinnrückgang von rund 10 Millionen Franken ausmachen. Dies bei einem Gewinn von 626 Millionen Franken im Jahr 2013.

Die Gemeinde Grossdietwil im Luzerner Hinterland hatte 2009 die Schliessung der Postfiliale zu verkraften. Das damalige «Dorflädeli» wurde deswegen zu einer Postagentur. Gemeindepräsident Christian Leuenberger sagt, dass ein Teil der Bevölkerung der Umwandlung kritisch gegenüberstand. Nach der Umwandlung sei die Akzeptanz der Agentur im Dorflädeli dann aber rasch gestiegen. Die Postagentur musste derweil umziehen, da das Dorflädeli vor zwei Jahren schloss. Die Agentur ist nun provisorisch in einer Firma untergekommen, in einem Jahr soll sie gemäss Christian Leuenberger in einem neu eröffnenden Laden betrieben werden.

Gemeinderat will kämpfen

In Vitznau versucht man sich derweil in Zweckoptimismus. So sagt Gemeindepräsident Noldi Küttel: «Der Gemeinderat versucht nach wie vor alles, um die Post zu erhalten.» In den nächsten Tagen sei eine Sitzung mit der Post angesagt. Wann entschieden wird, wisse er aber nicht. «Wir werden mit der Post sprechen, alles sauber auf den Tisch bringen und die Fakten anschauen», sagt Noldi Küttel.

Der Gemeinderat sei sich aber bewusst, dass der Schliessungsentscheid aus rein politischen Gründen nicht verhindert werden könne. Wahrscheinlich ist, dass man in Vitznau in absehbarer Zeit in den Dorfladen gehen muss, um Pakete aufzugeben.

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