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KANTON LUZERN: Schüler werden immer besser

Noch nie war der Anteil von Kanti- und Sek-A-Schülern so hoch wie jetzt. Das freut den Kanton - und beunruhigt das Gewerbe.
Sarah Weissmann
Immer mehr Schüler besuchen die höchsten Leistungsniveaus der Sekundarstufe. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Immer mehr Schüler besuchen die höchsten Leistungsniveaus der Sekundarstufe. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Sarah Weissmann

Im Kanton Luzern durften diesen Sommer 901 Kantonsschüler ihr Maturazeugnis entgegennehmen. Der Weg dazu führt entweder über das Langzeitgymnasium oder über die Sek A und das Kurzzeitgymnasium. Beide Wege scheinen bei den Luzerner Schülerinnen und Schülern beliebt zu sein. Denn von den aktuell über 3600 Sechstklässlern, die im August in die Oberstufe wechseln, haben sich knapp 19 Prozent dazu entschieden, das Langzeitgymnasium zu besuchen. Der Anteil der Gymischüler steigt seit Jahren kontinuierlich an (siehe Tabelle). Auch bei der Sekundarschule wird die oberste Leistungsklasse immer beliebter. Traten vor acht Jahren noch weniger als 20 Prozent der Sechstklässler in die Sek A über, sind es jetzt 22,6 Prozent. Diese Sek-A-Schüler haben nachträglich die Möglichkeit, ans Kurzzeitgymnasium zu wechseln.

Quelle: Kanton Luzern

Quelle: Kanton Luzern

Einen deutlichen Rückgang von Eintritten gibt es hingegen im Niveau B, dem zweitstärksten Bildungsniveau der Sekundarstufe I. 1221 Schüler entschieden sich aktuell für diesen Bildungsweg, das sind 2,4 Prozent weniger als im vergangenen Schuljahr. Auch im langjährigen Vergleich ist der Anteil der Sek-B-Schüler rückläufig – von fast 34 Prozent im Schuljahr 2007/08 auf heute 30,5 Prozent. Der Anteil der Sek-C-Schüler hat sich hingegen nur unwesentlich verändert.

«Kein Numerus clausus»

Wo liegen die Gründe dafür, dass immer mehr Schüler in eine hohe Leistungsstufe eingeteilt werden? Wird diese Entwicklung vom Kanton gezielt gefördert? «Der Kanton hat keinerlei Absicht, die Schülerzahlen zu steuern, zu regulieren oder gar über einen Numerus clausus zu plafonieren», sagt dazu Aldo Magno, Leiter der kantonalen Dienststelle für Gymnasialbildung. Er sagt aber gleichzeitig, dass es ein sehr wichtiges strategisches Ziel bleibe, dass möglichst alle Lernenden einen Abschluss auf der Sekundarstufe II (Matura oder Berufsabschluss) erreichen. «Ideal ist, wenn die Schüler nach ihren Talenten gefördert werden und das Richtige für sich finden», sagt Magno. Die Durchlässigkeit des Bildungssystems würde zudem dabei helfen, dass beispielsweise Schüler, die sich zuerst für eine Lehre entschieden haben, später trotzdem noch die Matura machen und somit ein Studium absolvieren können.

Die Anforderungen steigen

Dass immer mehr Schüler die Sekundarstufe I im A-Niveau besuchen, ist laut Magno begrüssenswert. Denn: «Das Anspruchsniveau verschiedener Lehren hat in den letzten Jahren zugenommen. Entsprechend sind die Erwartungen gestiegen.» Ein gutes Beispiel für diese Entwicklung ist die Ausbidlung der Lehrer. Charles Vincent, Leiter der Volksschulbildung, erklärt: «Seit 2003 müssen all diejenigen, die Lehrer werden wollen, einen Maturaabschluss beziehungsweise einen vergleichbaren Abschluss vorweisen. Früher konnte man bereits nach der Sekundarschule direkt das Lehrerseminar absolvieren.»

Kommt hinzu, dass die Eltern heute viel Wert auf gute schulische Leistungen ihrer Kinder legen. Magno sagt: «Wir stellen auf jeden Fall fest, dass das Bewusstsein für eine gute Bildung in der Gesellschaft zugenommen hat.»

Es fehlen Führungskräfte

Der Trend hin zu höheren Leistungsniveaus wird aber nicht überall so positiv aufgenommen. Aus Sicht des Luzerner Gewerbeverbands hat die steigende Zahl der A-Niveau-Schüler auch ihre negativen Seiten. Grund: Viele von ihnen wechseln dann ans Kurzzeitgymnasium und absolvieren keine Lehre. Für Gewerbeverbandsdirektor Gaudenz Zemp eine bedauerliche Entwicklung. Denn auch handwerkliche Berufe bräuchten gute Schüler, so Zemp. Diese könnten via Lehre eine höhere Fachprüfung anstreben und später in Führungspositionen arbeiten. «Jetzt aber fehlen die Absolventen bei der höheren Fachprüfung», sagt Zemp. «Der Trend ist über alles gesehen eher negativ. Wir laufen Gefahr, dass im Handwerksbereich fähige Unternehmer, welche auch die kaufmännische Seite gut abdecken, fehlen werden.»

Handwerker haben Imageproblem

Als weiteren Grund, weshalb Eltern ihren Kindern eher das Gymnasium anstatt eine Lehre empfehlen, nennt Zemp das Image der Berufe. Viele Handwerksberufe wie etwa Metzger oder Mechaniker würden seit Jahren unter schwindender Wertschätzung leiden.

Für welchen Weg sich die heutigen Sechstklässler später tatsächlich entscheiden werden, ist noch ungewiss. Christof Spöring, kantonaler Dienststellenleiter Beruf und Weiterbildung, bestätigt aber ebenfalls: «Es ist Realität, dass gewisse handwerkliche Berufe heute schon Probleme haben, Nachwuchs zu finden.» Das habe aber nichts mit dem Schulniveau zu tun. Gewisse Branchen seien heute einfach nicht mehr so attraktiv.

Ein zusätzliches Problem sind laut Aldo Magno im Moment die geburtenschwachen Jahrgänge, die nun im Oberstufen- und Lehrealter sind. «Diese machen allen Branchen zu schaffen. Und dort steht man natürlich im Wettbewerb um die guten Talente.»

Firmen wollen auch C-Schüler

Laut Gaudenz Zemp vom Gewerbeverband sind die Firmen aber nicht einzig an A-Niveau-Schülern interessiert. «Grundsätzlich zeigt sich aus der Erfahrung, dass man besser einen guten B-Niveau-Schüler einstellt als einen schlechten A-Niveau-Schüler», sagt Zemp. Ein lernwilliger, zupackender und charakterstarker C-Schüler (früher Realschule) habe ebenfalls gute Chancen, einen erfolgreichen Fachabschluss zu machen.

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