KANTON LUZERN: So soll die Landschaft erhalten bleiben

Zersiedelung und eine wachsende Bevölkerung entwerten das Kulturland, zeigt eine neue Studie. Nun will der Kanton handeln – und hofft auf gnädige Landbesitzer.

Niels Jost
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Blick auf Aesch und Beinwil am See im Luzerner Seetal. (Bild: Corinne Glanzmann)

Blick auf Aesch und Beinwil am See im Luzerner Seetal. (Bild: Corinne Glanzmann)

Von der offenen Weide über das Moor und den Vorort in die dicht verbaute Stadt. Die Landschaft des Kantons Luzern ist vielseitig. Um genau zu sein: Zwölf Landschaftstypen kommen auf dem 1493 Quadratkilometer grossen Kantonsgebiet vor. Dass unsere Region so vielfältig ist, scheint nichts Neues zu sein. Wo aber genau eine Stadt das suburbane Gebiet ablöst oder eine Gipfellandschaft in eine Alplandschaft übergeht, das ist schon schwieriger zu sagen. Genau das zeigt neuerdings aber die Strategie Landschaft des Kantons Luzern auf. Und mehr: Zu jedem der zwölf Landschaftstypen hat die Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) Ziele und Massnahmen verfasst, um den entsprechenden Typ zu stärken.

Denn «der Trend einer schleichenden Entwertung der Landschaft» hält an, bilanziert die Lawa. Es droht Wildwuchs. «Das mit Siedlungen und Infrastrukturen verbaute Gebiet wächst auf Kosten von Kulturland, Freiflächen und Erholungsräumen.» Dem soll mit der neuen Strategie Einhalt geboten werden. Und: «Wir möchten auch in der Bevölkerung das Bewusstsein stärken, dass wir mit unserer Landschaft sorgfältig umgehen müssen», sagt Christiane Guyer, Abteilungsleiterin Zentrale Dienste bei der Lawa. Guyer war an der Studie massgeblich beteiligt. Schliesslich sei jeder daran interessiert, dass es auch künftig eine intakte Landschaft gebe. Um die Strategie möglichst breit abzustützen, waren Experten verschiedenster Dienststellen eingebunden.

Strategie ohne Wirkung?

Jetzt geht es um die Verwirklichung der ausgearbeiteten Massnahmen – und um deren breite Abstützung bei den anderen fünf Departementen des Kantons. «Wir wollen bis im Sommer die Gemeinden, weitere Departemente und Organisationen einbeziehen», sagt Guyer. Sie nennt ein konkretes Beispiel: Beim Sempachersee gilt es, die Schilfufer zu fördern. Erreicht werden könnte dies etwa, indem sich die Siedlungen nicht weiter ausdehnen. «Wir wollen ein allumfassendes Nachschlagewerk kreieren, wie sich unsere Landschaft entwickeln soll.» Ende 2017 soll die Strategie von der Regierung verabschiedet werden und 2019 in die Gesamtrevision des kantonalen Richtplans mit einfliessen. Welche konkreten Aufgaben auf die Betroffenen zukommen werden, kann man laut Guyer frühestens im Sommer sagen.

«Strategie ist breit abgestützt»

Könnte die Strategie dadurch zu einem Papiertiger verkommen? «Diese Gefahr besteht», gesteht Christiane Guyer. Sie fügt aber an: «Die Strategie ist jedoch breit abgestützt, das erfordert von vielen verschiedenen Leuten, sich in einem partizipativen Prozess einzubringen.» Positiv stimmt die Biologin, dass es für die Umsetzung der Strategie keine neuen Gesetze brauche, sondern vor allem den Willen der Betroffenen. «Landschaftspolitik ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie betrifft die gesamte Bevölkerung und kann nur gelingen, wenn sich möglichst viele Bürger bewusst werden, was die Landschaft für den Standort Luzern bedeutet und was sie zum Erhalt der Landschaftsqualität beitragen können.»

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch