Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kanton Luzern spart zwei Klassen ein – 40 Kantischüler nun mit längerem Schulweg

Damit im Kanton Luzern nicht zusätzlich zwei Klassen eröffnet werden müssen, werden angehende Kantischüler umgeteilt. So müssen Jugendliche aus Emmenbrücke etwa ans Gymnasium im Seetal. Das ärgert vor allem die Eltern – wegen der Mehrkosten.
Yasmin Kunz
Um zwei Klassen zu sparen, müssen 40 Schüler aus dem Kanton Luzern einen längeren Schulweg in Kauf nehmen. Im Bild Kantonsschule Alpenquai in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 22. August 2016)

Um zwei Klassen zu sparen, müssen 40 Schüler aus dem Kanton Luzern einen längeren Schulweg in Kauf nehmen. Im Bild Kantonsschule Alpenquai in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 22. August 2016)

Der Schulweg ist ein Stück Freiheit. Er beinhaltet für Kinder und Jugendliche eine grosse Zahl wichtiger Lern-, Erfahrungs- und Entwicklungschancen. Das schreibt die Schweizerische Vereinigung der Elternorganisationen. Dennoch sorgt nun der Schulweg von angehenden Gymnasialschülern für Sorgenfalten. Grund: Knapp 40 von ungefähr 1200 Schüler, die ab kommendem Sommer eine Luzerner Kantonsschule besuchen werden, müssen einen längeren Schulweg als geplant in Kauf nehmen.

So muss etwa ein Schüler aus Emmen nun in die Kanti Baldegg im Seetal. Oder eine Schülerin von Sursee an die Kanti in Beromünster. Bei den Betroffenen sorgt das teils für Unmut.

Aldo Magno, Leiter der kantonalen Dienststelle Gymnasialbildung, kann nachvollziehen, dass diese Massnahme keine Freude auslöst. Er betont, dass seine Dienststelle in Absprache mit den Kantonsschulen wenn immer möglich versuche, solche Umteilungen zu vermeiden. Von zwei Dritteln der Betroffenen sei keine Rückmeldung eingegangen und zirka ein Drittel habe sich beschwert über den längeren Schulweg, die Zusatzkosten für die Reise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Schule und Freizeitbeschäftigungen.

Mehrkosten wegen ÖV-Abo und Mittagessen

Die Mutter eines angehenden Gymischülers ärgert sich weniger über den längeren Schulweg, sondern viel mehr über die Mehrkosten, die durch die Umteilung entstehen. Ihr Sohn muss von Emmenbrücke anstatt an die Kanti Reussbühl an jene im Seetal. Für die Familie bedeutet dies pro Jahr Mehrkosten von mehr als 1000 Franken für das ÖV-Abo. Zusätzlich entstehen Kosten für das Mittagessen, dass der Schüler aufgrund der Umteilung nun auswärts einnehmen muss. Bei der Kanti Reussbühl hätte der Sohn mit dem Velo hinfahren und das Mittagessen zu Hause einnehmen können. Die Mutter sagt:

«Die meisten Kinder aus Emmenbrücke dürfen nach Reussbühl, diejenigen welche nach Baldegg geschickt werden, müssen diese Mehrkosten selber berappen, was nicht fair ist und das Familienbudget klar zusätzlich belastet.»

Sie findet, der Kanton habe sich an den Kosten zu beteiligen, da die ersten drei Jahre – wie die Sekundarschule auch – zu den obligatorischen Schuljahren zählen. «Es ist nicht unser Fehler, wenn an der Kanti Reussbühl Platznot herrscht.»

Punkto Transportkosten hat es 2007 einen Bundesgerichtsentscheid gegeben, der festhält, dass Schüler vom Untergymnasium die Kosten für den Transport selber tragen müssen. Tatsächlich: Bereits heute berappen alle Eltern im Kanton Luzern den Fahrtweg in die Kanti, ungeachtet von Umteilungen.

45 Minuten Schulweg sind zumutbar

Stellt sich die Frage, wie die Dienststelle entscheidet, wer umgeteilt wird und wer nicht. «Wir entscheiden unter anderem anhand der Zumutbarkeit des Schulweges. Zumutbar ist ein Schulweg um die 45 Minuten», sagt Magno und fügt an:

«Es gibt im Kanton Luzern Schüler, die auch ohne eine Umteilung einen Schulweg von mehr als 45 Minuten haben.»

Bei Sonderschülern werde die Zumutbarkeit gar mit einer Stunde taxiert. Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Einschränkungen werden in der Regel mit einem Sammeltaxi zur Schule gefahren. Des weiteren werde darauf geachtet, die Schüler aus den gleichen Klassen oder Schulen gemeinsam ins gleiche Gymi umzuteilen, so Magno. Der Kanton verfügt über acht Gymnasien. In Ebikon gibt es ausserdem noch das private Gymnasium St. Klemens.

Im kommenden Sommer treten aufgrund der demografischen Entwicklung mehr Lernende in die Kantonsschulen ein als in den letzten Jahren, in denen die Zahlen rückläufig waren.

Auslastung der Klassen spart pro Jahr eine halbe Millionen Franken

Es ist nicht das erste Jahr, dass die Dienststelle eine solche Massnahme ergreifen muss. Bereits in den Vorjahren wurden jeweils zwischen 5 und 15 Schüler in fernere kantonale Gymnasien geschickt. Magno sagt dazu: «Mit den Umteilungen werden die Klassen ausgewogener ausgelastet.» So muss etwa im kommenden Schuljahr an zwei Standorten – an den Kantonsschulen Alpenquai und Sursee – keine zusätzliche Klasse eröffnet werden. Spareffekt: pro Jahr 500'000 Franken. «Über die Jahre kumulieren sich Kosten von zwei bis drei Millionen Franken», sagt Aldo Magno.

Bezüglich Klassengrösse liegt der Kanton Luzern schweizweit mit 20,4 Schülern pro Klasse im Mittelfeld. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt zum Teil kein Verständnis für diese Massnahme herrsche, ist Aldo Magno, selber Vater von vier Kindern, überzeugt, dass die Jugendlichen sich schnell an die «neue» Schule gewöhnen werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.