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KANTON LUZERN: Startschuss für neue Informatikerausbildung

Die neue kantonale Informatikmittelschule hat diese Woche ihren Betrieb aufgenommen. Auf den Erfolg des ersten Jahrgangs hoffen sowohl der Kanton wie auch die IT-Branche.
Volle Konzentration: Schüler der Informatikmittelschule während des Unterrichts. (Bild: Evelyne Beerkircher (Luzern, 24. August 2017))

Volle Konzentration: Schüler der Informatikmittelschule während des Unterrichts. (Bild: Evelyne Beerkircher (Luzern, 24. August 2017))

Mit 16 Schülern und zwei Schülerinnen startet die Informatikmittelschule (IMS) diese Woche in ihr erstes Semester. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass der Kantonsrat dem Aufbau der Schule erst 11 Monate zuvor grünes Licht erteilte. «Die Zeit war reif für die Schaffung dieser Schule, weshalb wir das Projekt unter Hochdruck zum Abschluss brachten», sagt Helmut Bühler, Rektor des Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrums.

Absolventen der IMS verfügen am Ende ihrer vierjährigen Schulzeit über eine Ausbildung als Informatiker mit Fachrichtung Applikationsentwicklung und die Berufsmatura.

Schüler mit unterschiedlichen Profilen

Doch wer sind die Schüler, die sich für einen komplett neuen Ausbildungsweg entschieden haben? Ein Blick in die Klasse zeigt, dass die Beweggründe und Ziele ebenso verschieden sind, wie die Schüler, die zwischen 15 und 21 Jahre alt sind. Da ist beispielsweise Maximiliano Ely Mazzola (21) aus Hildisrieden. Er wechselte nach seinem dritten Jahr am Gymnasium zur IMS. «Ich wollte weg vom rein theoretischen Lernen und näher ran an die Praxis», sagt er rückblickend. «Ich wollte Gelerntes sofort anwenden, aber schulisch mehr machen als in einer normalen Lehre.»

An einem ganz anderen Punkt ist Valerie Bachmann: «Ich war auf Lehrstellensuche, fand aber lange nichts Passendes», sagt die 16-Jährige aus Emmen, welche die Sek im Niveau B besuchte. «Informatik ist ein extrem breites Feld, was ich spannend finde. Und dass es in der Branche an Frauen fehlt, ist natürlich auch interessant», fügt Bachmann mit einem Schmunzeln an. Es sei denn auch eine spezielle Erfahrung, plötzlich eine von nur zwei Frauen in der Klasse zu sein. «Ich fühle mich hier aber wohl», betont sie. Für Ylli Mehmeti (17), Sek-B-Schüler aus Dagmersellen, war die IMS hingegen eine Rückfallposition, nachdem die Suche nach einer Informatikerlehre nicht fruchtete.

Während Mehmeti möglichst bald Berufserfahrung sammeln will, sieht Maximiliano Ely Mazzola seine Zukunft an der Hochschule und letztlich eher in der Wirtschaftsinformatik. Bachmann hingegen will ihre Ausbildung mehr in eine künstlerische Richtung leiten – etwa in den Bereich Produktdesign.

Fest steht, dass der Werdegang dieser Klasse gleich von mehreren Seiten mit hohem Interesse verfolgt wird. Etwa von der IT-Branche selbst: «Die ausbildenden Firmen schauen verständlicherweise sehr genau hin», sagt Rektor Bühler. «Wir haben den Auftrag aufzuzeigen, dass die IMS das Ausbildungsangebot im Bereich Informatik ergänzt und nicht konkurriert.» Letztlich müsse man hinkriegen, dass sich durch die IMS generell mehr Personen für Informatik interessieren, so Bühler.

Die Bruttokosten für eine Informatikklasse betragen 316 000 Franken pro Schuljahr. Bühler betont hierbei, dass es sich nicht um einen Bildungsausbau, sondern um einen -umbau handle: So ersetzt die IMS eine bisherige Klasse der Wirtschaftsmittelschule. Die laufenden Sparbemühungen des Kantons würde die unmittelbare Zukunft der Schule nicht tangieren, sagt Bühler: «Wir haben keinen vorgegebenen Zeithorizont oder eine Probezeit.» Die IMS sei ein Beitrag des Kantons an den Fachkräftemangel in der IT-Branche und entspreche auch einem Marktbedürfnis, ist Rektor Bühler überzeugt.

Für den ersten Jahrgang der IMS sieht die Ausbildung nun so aus: Die fachliche Informatikausbildung wird an 1 bis 1,5 Tagen pro Woche im Berufsbildungszen­trum Wirtschaft, Informatik und Technik in Sursee absolviert. Die restliche Zeit wird am Fachmittelschulzentrum in Luzern unterrichtet. Das vierte Jahr besteht aus einem 12-monatigen Betriebspraktikum. Diese bis 2020 zu sichern, sei mit eine der Kernaufgaben der Schule, sagt Bühler: «Wir haben noch keine konkreten Zusagen, was uns zu diesem Zeitpunkt aber auch noch nicht beunruhigt.» Nun, da die Schule aber gestartet ist, werde man die bestehenden Kontakte zu den IT-Firmen «intensivieren».

Ismail Osman

Ismail.osman@luzernerzeitung.ch

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