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KANTON LUZERN: Suizid in Malters: Polizeikommandant soll pikante Details verschwiegen haben

Das Suizid-Drama in Malters vom März hat für den Luzerner Polizeikommandanten Adi Achermann ein juristisches Nachspiel. Ausserdem soll er gemäss «SRF Rundschau» pikante Details über den Einsatz verschwiegen haben.
Polizeikommandant Adi Achermann (rechts) bei der anschliessenden Pressekonferenz nach dem Suizid einer 65-jährigen Frau in Malters. (Bild: Pius Amein / Neue LZ)

Polizeikommandant Adi Achermann (rechts) bei der anschliessenden Pressekonferenz nach dem Suizid einer 65-jährigen Frau in Malters. (Bild: Pius Amein / Neue LZ)

Nachdem bekannt wurde, dass der Todesfall in Malters vom März 2016 (wir berichteten) eine Strafuntersuchung gegen den Polizeikommandanten Adi Achermann und den Kripochef nach sich zieht, kommt Achermann in Erklärungsnot. Denn wie die SRF-Sendung «Rundschau» in einem Communiqué vorab zu ihrer Sendung vom 24. August schreibt, soll Achermann eine Warnung eines beim Einsatz ebenfalls vor Ort präsenten Polizeipsychologen ignoriert haben, das Gebäude zu stürmen.

Gemäss «Rundschau» hat der Psychologe dem Kommandanten und seinem Kripochef unmissverständlich von einem Zugriff abgeraten. «Aufgrund von Reizüberflutung und Intervention könnte sich die Frau das Leben nehmen», wird der Psychologe im Beitrag zitiert. «Irgendwann ist die Frau erschöpft und man hat die Möglichkeit, die Situation ohne Eskalation zu beenden.»

An der Pressekonferenz nach der Intervention vom 9. März hat Polizeikommandant Adi Achermann die Warnung nicht erwähnt. Er sagte damals, die Einsatzleitung sei unter Einbezug aller Beteiligten zum Schluss gekommen, dass die Frau die Sicherheit von Polizisten und Anwohnern gefährde. Aus diesem Grund habe er den Zugriff befohlen.

Bereits 19 Stunden hatte der Einsatz schon gedauert, als Achermann den Zugriff befahl und die Sondereinheit «Luchs» die Wohnung der 65-jährigen Frau stürmte. Gemäss Adi Achermann hätten die Interventionseinheiten im Treppenhaus zwei Schüsse gehört. Erst danach hätten sie die Türe aufgebrochen und die tote Frau im Badezimmer entdeckt.

Widersprüche im zeitlichen Ablauf

Die Akten der ausserkantonalen Untersuchung zeigten jedoch, dass diese Darstellung nicht den Tatsachen entspreche, so die «Rundschau». Zeitgleich mit einem Ablenkungsmanöver ausserhalb des Hauses sollen die Elitepolizisten die Wohnungstür gewaltsam geöffnet und einen Interventionshund in die Wohnung geschickt haben, um die psychisch kranke Frau zu fixieren. Dieser soll allerdings zwei Mal erfolglos zurückgekehrt sein, ehe sich die 65-Jährige erschoss.

Markus Melzl, ehemaliger Basler Polizeikommissär, studierte die Akten und hält gegenüber der «Rundschau» fest: «Der gewaltsame Gang in die Wohnung ist mit höchster Wahrscheinlichkeit kausal mit dem Suizid der Frau verbunden.» Offenbar habe die Einsatzleitung den Faktor Zeit höher gewertet als die Unversehrtheit der verschanzten Frau. Die Luzerner Einheit sei nach 19 Stunden an die Grenze der Durchhaltefähigkeit gestossen und hätte teilweise durch Berner Polizisten ersetzt werden müssen, so Melzl.

Der Luzerner Polizeikommandant und sein Kripo-Chef nahmen mit Verweis auf das laufende Verfahren gegenüber der «Rundschau» keine Stellung zu den Recherchen. Gemäss dem Communiqué zur Sendung betonten die Anwälte der beiden jedoch mit Nachdruck, für ihre Mandanten gelte die Unschuldsvermutung.

chg/bac

Hinweis

Mehr zum Thema sehen Sie am Mittwochabend, um 20.55 Uhr, auf SRF «Rundschau».

<strong>Mehr zum Thema lesen Sie am 25. August&nbsp;in der Neuen LZ.</strong>

Regierungsrat Paul Winiker nimmt Stellung

«Das Strafverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Nach wie vor gilt die Unschuldsvermutung für die beiden Kaderleute der Luzerner Polizei. Die SRF-Sendung «Rundschau» ist offenbar in den Besitz von einzelnen Verfahrensakten gelangt. Ihre Fragestellungen und auch die heute erschienenen Artikel zur geplanten «Rundschau»-Sendung erwecken den irreführenden Eindruck, das Verfahren sei abgeschlossen. Obwohl die Untersuchung noch läuft, werden einzelne Aussagen aus dem Verfahren in den Medien bereits gewertet. Dies kommt einer Vorverurteilung der beiden Kaderleute der Luzerner Polizei gleich. Das erachte ich rechtsstaatlich und staatspolitisch als bedenklich.»

<span style="line-height: 19.33px; font-size: 14.06px;">Die vollständige Stellungnahme lesen Sie hier.</span>

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