Kanton Luzern und Gemeinde präsentieren Varianten für eine Verkehrsentlastung von Emmen Dorf

Umfahrung, Busspur oder gar ein Tunnel? Nach einer grossen Auslegeordnung werden nun zehn Varianten weiterverfolgt. Das Ziel: Emmen Dorf soll vom Verkehr auf der Seetalstrasse entlastet werden.

Beatrice Vogel
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Eine Umfahrung oder zumindest eine Verkehrsentlastung für Emmen Dorf: Das ist schon seit Jahren ein Wunsch der Anwohner entlang der Seetalstrasse zwischen Autobahn und Waldibrücke. Ab 2008 gab es immer wieder Vorstösse im Einwohnerrat Emmen, die darauf zielten, den Verkehr zu verflüssigen, die Zuverlässigkeit des ÖV zu verbessern und die Lebensqualität in Emmen Dorf zu verbessern. Zuletzt standen verschiedene Varianten im Raum. Der Kanton Luzern transferierte die Planung der Umfahrung Emmen in den Topf B des Strassenbauprogramms und versprach die Varianten zu prüfen. Das war 2015.

Nun ist die Planung ein gutes Stück weiter. Der Kanton hat dafür gemeinsam mit der Gemeinde Emmen eine Zweckmässigkeitsbeurteilung  eingeleitet. Dabei werden alle möglichen Varianten geprüft, wobei sich durch deren Gegenüberstellung eine Bestvariante herauskristallisieren soll. Jetzt ist die erste Phase abgeschlossen, am Mittwochabend gab es eine Infoveranstaltung dazu. Von 28 Varianten wurden 10 zur weiteren Vertiefung ausgewählt. Diese gruppieren sich in drei übergeordnete Varianten:

  • Aufwertung Seetalstrasse mit Busspur (4 Untervarianten). Diese beinhaltet ein Betriebs- und Gestaltungskonzept für den Abschnitt Emmen Dorf der Seetalstrasse. Dabei wird die bestehende Strasse aufgewertet, die Zuverlässigkeit des ÖV verbessert und Massnahmen für den Fuss- und Veloverkehr ergriffen. Dies umfasst etwa Querungshilfen wie Verkehrsinseln, wie auch eine Dosierung des Autoverkehrs bei den Dorfeingängen. Ergänzend wird eine durchgehende Busspur bis nach Waldibrücke geprüft. In der weiteren Planung soll eruiert werden, bei welcher Aufwertungsvariante die Busspuren sinnvoll sind.
  • Umfahrung Nord (4 Untervarianten). Emmen Dorf wird vom Verkehr entlastet, indem eine nördliche Umfahrungsstrasse gebaut wird. Die Untervarianten enthalten verschiedene Linienführungen der Umfahrungsstrasse. 
  • Doppelumfahrung Emmen Dorf und Rüeggisingen (2 Untervarianten). Nicht nur Emmen Dorf, sondern auch der Ortsteil Rüeggisingen wird dadurch entlastet. Dazu würde ebenfalls eine Umfahrungsstrasse gebaut, die entlang der A2 geführt wird, und sowohl von der Rüeggisinger- als auch von der Seetalstrasse erreichbar ist.

Bau von Umfahrungen ist kostspielig

Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile. Die Aufwertung der Seetalstrasse (Variante 1) würde das Ortsbild verbessern und sich vorteilhaft auf ÖV, Velo- und Fussverkehr auswirken. «Über den ganzen Tag betrachtet, wird aber der gesamte Autoverkehr weiterhin durch das Siedlungsgebiet geführt», sagt der Emmer Tiefbauleiter Bernhard Kuhn. Die beiden Umfahrungsvarianten 2 und 3 hätten eine Verkehrsentlastung des Siedlungsgebiets zur Folge. Ausserdem würde der Busverkehr zuverlässiger und eine siedlungsorientierte Gestaltung der Seetalstrasse wäre einfacher möglich. «Allerdings werden dabei landwirtschaftliche Nutzflächen, der Gewässerschutz und Grundwasserbereiche tangiert. Und die Umfahrungen sind mit hohen Kosten verbunden. Zudem besteht die Gefahr, dass die zusätzlichen Kapazitäten gesamthaft mehr Verkehr erzeugen», so Kuhn.

Weitere Varianten, wie etwa eine südliche Umfahrung von Emmen Dorf, ein Tunnel, Einbahnverkehr via Seetal- und Rüeggisingerstrasse, und ebenso diverse Spangenlösungen in Richtung Ebikon wurden bereits verworfen. Sie brächten teils zu wenig Verkehrsentlastung, wären zu kostenintensiv oder würden zu viele Landressourcen verbrauchen. 

Politische Diskussion folgt nach der fachlichen Auswertung

Der nun bestehende Variantenfächer wird weiter verfolgt. Bereits ab Februar beginnt die zweite Phase, bei der die Machbarkeit für alle Varianten geprüft wird. Diese soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein. In einer dritten Phase wird eine detaillierte Bewertung der Varianten unter anderem mit einer Kosten-Nutzen-Analyse vorgenommen. Bernhard Kuhn: «Sofern die Phase 3 unmittelbar anschliessend an Phase 2 bearbeitet wird, kann mit einer Aussage zur Bestvariante im zweiten Halbjahr 2021 gerechnet werden.» Dabei handelt es sich um eine rein fachliche Priorisierung. Erst nach deren Abschluss wird die politische Diskussion geführt.

Trotzdem soll laufend öffentlich informiert werden. «Es ist dem Kanton und der Gemeinde ein Anliegen, die Bevölkerung und alle interessierten Kreise offen und transparent über den Planungsprozess zu informieren», sagt der Emmer Baudirektor Josef Schmidli (CVP). Dabei gehe es auch darum, rechtzeitig allfällige Ergänzungen und Anliegen aufzunehmen. «Für die politische Diskussion ist es wichtig, dass nach Abschluss des fachlichen Prozesses nicht gänzlich neue Varianten ins Spiel kommen.» Es gelte, jetzt eine stabile Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Weitere Informationen auf www.vif.lu.ch unter «Aktuelle Projekte».

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