KANTON LUZERN: Wie kommt die Fasnacht nach Weggis, Doppleschwand und Altbüron?

Zünfte und Fasnachtsgesellschaften organisieren das närrische Treiben im ganzen Kanton. Was sind ihre Aufgaben, ihre Sorgen? Wir werfen den Blick auf drei besondere Exponenten dieser Spezies.

Stephan Santschi
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Muniseckel-Vorstandsmitglieder Emine Süzük, Peter Mühlherr, Fabian Spiess und Patrik Dahinden. Bild: Corinne Glanzmann (Weggis, 11. Februar 2017)

Muniseckel-Vorstandsmitglieder Emine Süzük, Peter Mühlherr, Fabian Spiess und Patrik Dahinden. Bild: Corinne Glanzmann (Weggis, 11. Februar 2017)

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Sie macht schon mit ihrem speziellen Namen auf sich aufmerksam, die Weggiser Fasnachtsgesellschaft Muniseckel. Gewählt wurde er in Anlehnung an die Weggiser Dorfkreuzung, welche im Lokaljargon wegen ihrer Form eben als Muniseckel bezeichnet wird. «Unser Engagement kommt gut an, bis auf den Namen, er polarisiert», sagt Präsident Fabian Spiess und lacht.

Rund 30 Mitglieder zählt die Organisation, die erst vor fünf Monaten gegründet worden ist. «Die Chrutschlämpe-Zunft hat ihren Betrieb im letzten Frühling auf inaktiv gestellt. Deshalb sind wir entstanden», erklärt Spiess, der auf die Unterstützung von vier fasnachtsbegeisterten Vorstandskollegen zählen kann. Ihre Mission: die Dorffasnacht aufpäppeln.

Weggiser Muniseckel bald auch auf der Rigi aktiv?

Als «unseren Fasnachtstag» bezeichnen die Weggiser den Montag mit der Tagwache, wo Kinder mit «Krachmachern» besonders willkommen seien. Passend zum Motto: «Mier weckid s’Dorf!» Auch der Kinderumzug, Bälle für die Jungen und die «Secklete» mit Spass und Unterhaltung auf dem Schulhausplatz sollen zum Fasnachtstreiben animieren.

Im nächsten Jahr dürfte dann die Rigi-Fasnacht neu lanciert werden. «Es gibt eine Gruppierung, die wieder etwas machen will. Wir werden sie unterstützen», sagt Spiess. Kein Zweifel: Der Eintrag auf der Website der FG Muniseckel in der Rubrik Geschichte soll baldmöglichst aufgewertet werden, dort heisst es vorderhand: «Wir sind noch zu jung für eine Geschichte.» Ein gewisser Bekanntheitsgrad ist ­ihnen dank des polarisierenden Namens indes schon vor der ­Fasnachtspremiere garantiert: «Zweideutig ist doch cool. Wir werden uns nicht umbenennen.»

Kleines Doppleschwand, grosser Rekord

Die Taufe lange hinter sich haben die Entlebucher von Doppleschwand – seit 110 Jahren gibt es die hiesige Gigezunft. «Dabei handelt es sich im Ursprung nicht um eine Handwerkerzunft, wie man sie aus der Stadt Luzern kennt. Wir waren stets eine reine Fasnachtszunft», erklärt Zunftmeister Rainer Glanzmann. Es ist schon erstaunlich, was die Dopp­leschwander jeweils auf die Beine stellen. «Chlapf am Napf» heisst heuer die grosse Westernparty am Fasnachtssamstag, darüber hinaus werden rund 1000 Menschen den Umzug am Dienstag mitgestalten, womit die Einwohnerzahl um rund 250 übertroffen wird. Wie ist das möglich? «Durch unseren Zusammenhalt», betont Glanzmann. «So zeigen wir, dass das kleine Doppleschwand auch etwas auf die Beine stellen kann.» Jeder Dorfbewohner ist automatisch ein Zunftmitglied. So falle es nicht schwer, Zunftratsvakanzen zu decken oder Helfer zu rekrutieren. An der Uslumpete wird alljährlich der «rüdige Doppleschwander» bekannt gegeben, gewählt aus Beiträgen der Fasnachtszeitung. Die Zusammenarbeit der Gigezunft mit den drei lokalen Guuggenmusigen sei dabei ebenso vorzüglich wie der Kontakt zu den Zünften der naheliegenden Gemeinden: «Wir besuchen gegenseitig unsere Anlässe.» Gross raus kam Doppleschwand übrigens 2006, als es sich mit seinem Zunftsymbol, der Gige, verewigte: Mit 5,55 Meter Länge und 2,13 Meter Breite baute man den grössten Kontrabass der Welt und sicherte sich einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.

Spontan und flexibel – der Umzug in Altbüron

Was wäre, wenn es euch nicht gäbe? «Nicht mehr viel», sagt Marcel Hoffmann lachend und hält fest: «Wir beleben in Altbüron die Fasnacht seit vielen Jahren.» Der Willisauer gehört zum Fasnachtskomitee «6 Gögs», das – wie es der Name sagt – aus sechs Mitgliedern besteht. Ihr Aushängeschild ist der einzigartige Umzug am Schmutzigen Donnerstag. Jede Gruppe kann ohne Anmeldung mitmachen und wird spontan eingereiht. «Wie viele Teilnehmer wir haben, wissen wir nie ganz genau. Gewöhnlich sind es zwischen 35 und 40.» Er und seine Kollegen organisieren die Tagwache, den Umzug und den Gögsball. Darüber hinaus produzieren sie jedes Jahr eine Fasnachtszeitung, welche Missgeschicke aus dem Alltag der Bevölkerung in Reimform aufgreift. «Dinge, die man gerne geheim halten würde. Dann etwa, wenn man falschen Sprit in sein Auto tankt.» Die Gögs, die 2018 ihr 60-jähriges Bestehen feiern werden, widmen sich mit den Altleutebesuchen auch seriöseren Aufgaben. «Bei jeder Person ab 75, die es wünscht, kommen wir auf einen Schwatz über Gott und die Welt vorbei. Das Gleiche tun wir in Alters- und Pflegeheimen der Region.»

Sorgen bereitet die Nachwuchsfrage, «wenn ein Mitglied austritt, putzen wir viele Klinken, bis wir einen Nachfolger haben». Mit grossem Aufwand seien die Bewilligungen für den Umzug und temporäre Werbung verbunden, auch die Organisation der Autonummer für das Fasnachtsgefährt während der Vorfasnacht sei umständlich und teuer. Immerhin sei die Bewilligung für den Umzug im ganzen Kanton gratis. Bleibt die Frage: Was bedeutet «Gögs»? Hoffmann klärt auf: «Gögs sind Zylinder. Wir sind mit Hemd, Weste, Fliege und Zylinder bekleidet.»