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KANTON LUZERN: Zwei Regionen fordern Breitband-Internet für alle

Im Entlebuch und im Hinterland reicht die Internetverbindung teils höchstens fürs Verschicken eines E-Mails. Zwei Gemeindeverbände sagen der Swisscom nun deshalb den Kampf an.
Hasle und weitere Entlebucher Gemeinden kämpfen gegen langsame Internetverbindungen. (Bild: Dominik Wunderli (Hasle, 19. Dezember 2014))

Hasle und weitere Entlebucher Gemeinden kämpfen gegen langsame Internetverbindungen. (Bild: Dominik Wunderli (Hasle, 19. Dezember 2014))

Auf dem Papier ist die Sache klar. Jedem Haushalt steht in Sachen Breitband eine rechtlich verankerte Grundversorgung zu. In Zahlen ausgedrückt: im Minimum 2 Mbit/s Download und 0,2 Mbit/s Upload. Ab 2018 soll die Download-Mindestleistung gar auf 3 Mbit/s erhöht werden.

Die Realität hinkt diesen ­Ziffern hinterher: «Aufgrund der Netzauslastung ist es in gewissen Haushalten heute teils nur an Randzeiten möglich, überhaupt E-Mails zu verschicken oder Tierverkehrsdaten elektronisch zu übermitteln», sagt Christian Ineichen, Regionalmanager der Unesco Biosphäre Entlebuch und designierter Präsident der CVP-Kantonalpartei. Das Problem der langsamen Verbindung lasse sich geografisch kaum eingrenzen. «Je geringer die Erschliessung eines Gebiets, desto schlechter ist meist die Breitbandversorgung.» Für den Marbacher ist klar: «Solche Missstände sollte es mit den heutigen technischen Möglichkeiten nicht mehr geben.»

«Wir stellen keine Luxusforderungen»

Daher hat die Biosphäre die Entlebucher Bevölkerung aufgerufen, ihre Breitbandrate zu überprüfen (siehe Hinweis). Fazit: Anhand von Rückmeldungen und Hinweisen des Berufsbildungszentrums Natur und Ernährung Schüpfheim kamen über 100 Adressen zusammen, die nicht über die nötige Mindestleistung verfügen. «Und das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs», sagt Ineichen. Insgesamt zählten die sieben Gemeinden des Entlebuchs 2015 laut Lustat Statistik Luzern knapp 6400 Haushalte.

Mit den gesammelten Daten will die Biosphäre nun bei der Swisscom vorstellig werden. «Es ist unser Ziel, auch in Randgebieten und Bergregionen das gesetzliche Minimum zu erreichen», sagt Ineichen. «Swisscom vertritt den Standpunkt, dass sie gesetzlich nur eine Abdeckung von 98 Prozent erreichen muss. Diese Haltung ist uns zu bequem. Wir stellen keine Luxusforderungen. Die Betroffenen wollen nicht übers Internet fernschauen, sondern problemlos Nachrichten versenden können.»

Vielen ist Anspruch auf Mindestleistung unbekannt

Mit seiner Breitband-Offensive ist das Entlebuch nicht allein: Das Hinterland zieht mit – vertreten durch den Entwicklungsträger Region Luzern West. Ineichen: «Zusammen können wir unsere Kräfte bündeln, unser Anliegen erhält mehr Gewicht.»

Laut Guido Roos, Geschäftsführer von Region Luzern West, ist das Problem vor allem in Gemeinden im Napfgebiet ausgeprägt. «Viele Betroffene wissen gar nicht, dass ihnen eine Mindestleistung zusteht. Dies gilt es zu ändern.» Nach ersten Einschätzungen dürften laut Lustat 40 bis 60 der insgesamt 5319 Haushalte in Hergiswil, Luthern, Menznau und Willisau nicht über die Mindestleistung verfügen.

Der Wolhuser Roos, seines Zeichens auch CVP-Kantonsrat, hat sich in der Vergangenheit bereits politisch für die Verbesserung der Breitbandversorgung in ländlichen Gebieten stark gemacht. In einer Anfrage wollte er von der Regierung wissen, ob sie Kenntnis von Betroffenen habe und ob man in dieser Sache politisch ­aktiv werde. Letzteres wurde verneint: «Zusätzlicher Handlungsbedarf seitens des Kantons» bestehe aus der Sicht der Regierung nicht. Diese appellierte an die Eigenverantwortung der Betroffenen: «Werden die Mindestübertragungsraten nicht erreicht, können sich die Privat- und Firmenkunden direkt an die Fernmeldedienstanbietenden wenden und eine Erhöhung der Übertragungsrate einverlangen.»

Auf diesen Standpunkt stellt sich auch Swisscom. «Wird das Grundversorgungsangebot bei einem Festnetzanschluss nicht erreicht, muss es explizit bestellt werden», sagt Mediensprecherin Sabrina Hubacher. Schweizweit würden 97 Prozent aller Wohnungen und Geschäfte Bandbreiten von mindestens 2 Mbit/s aufweisen. Bei den übrigen 3 Prozent seien die Gründe für die langsame Verbindung unterschiedlich. Beispiel: Befinde sich ein einzelnes Gebäude weit von einer dichteren Siedlung entfernt, werde dieses an der dortigen Netzinfrastruktur angeschlossen. «Da die Distanz dabei zum Teil bis zu vier Kilometer betragen kann, sinkt die verfügbare Bandbreite stark.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Auf www.swisscom.ch/checker können Sie überprüfen, wie hoch Ihre Breitbandrate ist.

Die Schweiz belegt beim Breitbandausbau im europäischen Vergleich einen Spitzenplatz. Das ist das Ergebnis einer Studie. (Symbolbild) (Bild: Daniel Roland/Keystone)

Die Schweiz belegt beim Breitbandausbau im europäischen Vergleich einen Spitzenplatz. Das ist das Ergebnis einer Studie. (Symbolbild) (Bild: Daniel Roland/Keystone)

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