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KANTON: Martin Wyss folgt im Gewerkschaftsbund auf Giorgio Pardini

Martin Wyss (32) ist der neue Präsident des Luzerner Gewerkschaftsbundes. Er sagt, warum ihn zähe Verhandlungen vielmehr antreiben als frustrieren und weshalb es Gewerkschaften auch künftig braucht.
Evelyne Fischer
Martin Wyss (32) vor der Arbeiterstatue des Kreuzstutz-Kreisels. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 7. April 2017))

Martin Wyss (32) vor der Arbeiterstatue des Kreuzstutz-Kreisels. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 7. April 2017))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Die Spitze des Luzerner Gewerkschaftsbundes (LGB) hat sich am Montag an der Jahresversammlung eine Verjüngungskur verpasst: Nach über 30 Jahren im Vorstand gab Giorgio Pardini (58), Stadtluzerner SP-Kantonsrat, das Präsidium ab. Das Ehrenamt übernimmt Martin Wyss, der seit 2014 in einem 70-Prozent-Pensum den Verband des Personals öffent­licher Dienste (VPOD) führt.

Martin Wyss, für unser Bild haben Sie den Kreuzstutz-Kreisel vorgeschlagen. Heinz, der Strassenkehrer, steht für den einfachen Arbeiter. Welche Verbindung haben Sie als studierter Soziologe zur Arbeiterschicht?

Meine Mutter war Hausfrau und Betagtenbetreuerin, mein Vater Werkzeugmacher. Das Arbeitermilieu hat mich geprägt, vor allem während meiner Lehre zum Polymechaniker. Dass das Kader auf der Teppichetage mit teuren Autos vorfährt, der Lohn des einfachen Angestellten aber oft kaum fürs Leben reicht, offenbart eine tiefe Ungerechtigkeit. Dieses Gefälle stiess mir sauer auf.

Das sind markige Worte. Solche wählen Sie oft im Namen des VPOD und nun wohl auch als höchster Gewerkschafter. Warum suchen Sie diese Extrempositionen?

Wertschätzung für die geleistete Arbeit einzufordern, das ist meiner Ansicht nach keine Extremposition, sondern eine Frage des Anstandes. Diese Wertschätzung steht auf dem Spiel. Pflichtbewusstsein wird ausgenutzt. Immer mehr Menschen leiden unter dem steigenden Druck. Verzweiflung und Burn-outs sind die Folge.

Malen Sie hier nicht den Teufel an die Wand?

Das sind keine Horrorszenarien, sondern die Realität. Die Zunahme der stressbedingten psychischen Krankheiten ist ein Fakt.

Was reizt Sie am Präsidium des Gewerkschaftsbundes?

Der LGB kämpft seit über 130 Jahren für soziale Gerechtigkeit, und dies ohne milliardenschwere Kampagnen. Es ist eine Ehre für mich, an der Spitze dieses solidarischen Zusammenschlusses der Luzerner Gewerkschaftsbewegung zu stehen.

Welche Themen wollen Sie anpacken?

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit werden fliessender. Auch die Folgen der Digitalisierung erfordern fortschrittliche Lösungen. Migros-Kassiererinnen sind mit Self-Scanning-Stationen direkt mit der Konkurrenz konfrontiert. Der fundamentale Umbau der Arbeitswelt muss dringend in eine menschliche Richtung gelenkt werden.

Also haben Gewerkschaften auch künftig Zulauf?

Davon bin ich überzeugt. Die Mitgliederzahlen sind national gesehen stabil. Generell schliessen sich immer mehr junge Angestellte und besonders Frauen den Gewerkschaften an. Hier ist ein Strukturwandel in Gange.

Und beim VPOD konkret?

Wir verzeichneten letztes Jahr ein Wachstum von 1,5 Prozent (Anm. d. Red: Zur Mitgliederzahl macht der VPOD keine Angaben). Diese überdurchschnittliche Zunahme ist eine direkte Folge der kantonalen Finanzpolitik. Das Personal spürt die Lohnkürzungen.

Sie haben zermürbende Gespräche mit der Regierung zum KP 17 hinter sich, die Frustration danach dürfte gross gewesen sein. Woher holen Sie sich die Energie für solch zähe Verhandlungen?

Von Frustration kann keine Rede sein. Die Luzerner Regierung hält eisern an der Abbaupolitik fest. Ob dieser Verweigerungshaltung sagen sich viele: So kann es nicht weitergehen. Dieser spürbare Widerstand treibt mich an. Dass Normalverdiener für Steuergeschenke zahlen sollen, nehmen viele Angestellte nicht mehr hin. Der Ruf nach einem Gesamtarbeitsvertrag für Verwaltungsmitarbeiter und Lehrer wird lauter.

Womit in Luzern die Streikkultur verankert würde.

Streik ist ein heftiges Mittel. Dass dieser immer mehr in Erwägung gezogen wird, zeigt, dass die Regierung mit ihrer Politik den Arbeitsfrieden gefährdet. Es ist richtig, dass dieses Mittel diskutiert wird. Schade nur, dass es die bürgerlichen Parteien und Regierungsräte so weit kommen lassen.

Ihr Vorgänger Giorgio Pardini kämpft auch als Kantonsrat für gewerkschaftliche Anliegen. Wie steht es um Ihre politischen Ambitionen?

Gewerkschaftliche Arbeit findet im Betrieb, auf der Strasse und im Parlament statt. Wir müssen auf allen Ebenen aktiv sein. Priorität haben aber meine Engagements beim VPOD und beim LGB.

Hinweis

Der Stadtluzerner Martin Wyss (SP-Mitglied) schliesst im Sommer sein Masterstudium in Soziologie ab. In seiner Freizeit ist er beim Handball-Club Borba Luzern aktiv.

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