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KANTON: Reformierte sind führungslos

Die Wahl für die Nachfolge von Synodalrats­präsident David A. Weiss wird auf den Herbst verschoben. Die einzige in der Synode um­strittene – Kandidatin hat nun die Konsequenzen gezogen.
Blick in den Luzerner Kantonsratssaal, wo die Synode der reformierten Kirche tagt. (Archivbild Pius Amrein)

Blick in den Luzerner Kantonsratssaal, wo die Synode der reformierten Kirche tagt. (Archivbild Pius Amrein)

Roseline Troxler

Die Synode, das Parlament der Reformierten im Kanton Luzern, hatte für gestern die Nachfolge von Synodalratspräsident David A. Weiss traktandiert. Er tritt nach 22 Jahren von der Spitze zurück (Ausgabe von gestern). Doch zur Wahl einer Nachfolge kam es gestern nicht. Im Gegenteil nun gibt es eine weitere Vakanz. Zunächst kam es zu kontroversen Voten über die Nachfolge. Synodalrätin Tanja Steger Hodel (36, Ebikon) hatte sich als einzige Kandidatin für das Präsidium gemeldet. Daniel Zbären (Luzern), der ursprünglich auch Interesse am Amt zeigte, zog seine Kandidatur wieder zurück.

«Die Wahl ist umstritten»

Parlamentarier David van Welden (Nebikon) stellte den Antrag auf geheime Abstimmung und die Verschiebung der Wahl auf die Herbstsynode. «Es ist unbefriedigend, keine echte Wahl zu haben», begründete er. Und er sorge sich über die künftige Zusammenarbeit im Synodalrat. Denn auch der Rat selber stellte sich nicht hinter die Kandidatin aus den eigenen Reihen. Synodalrätin Rosemarie Manser (Eich), welche das Vizepräsidium im Synodalrat abgegeben hat, aber im Rat bleibt, macht klar: «Die Wahl der Kandidatin ist sowohl beim Synodalrat als auch bei den Synodalen umstritten.» Es sei daher angezeigt, die Wahl zu verschieben.

Wahl wurde abtraktandiert

Es gab aber auch Votanten, welche die Neubesetzung des Präsidiums an der gestrigen Synode forderten. «Die Kandidatin ist wählbar, und wir haben keinen Gegenkandidaten», sagte Fritz Bösiger (Ufhusen). Auch Max Kläy (Meggen)sprach sich für Tanja Steger aus. «Es fehlt die Aussicht auf weitere Kandidaten.» Kläy äusserte zudem Kritik, der Synodalrat habe bei der Wahlkommission Einfluss ausgeübt. Äusserst knapp mit 31 zu 28 Stimmen – stimmten die Synodalen in geheimer Abstimmung schliesslich für die Wahlverschiebung.

Synodalrätin Tanja Steger ergriff sogleich das Wort: «Ich nehme den Entscheid mit grossem Bedauern zur Kenntnis und ziehe die persönlichen Konsequenzen. Ich trete per Ende der heutigen Synode sofort zurück.» Darauf wurde die emotional aufgeladene Synode einige Minuten unterbrochen.

«Grosse Chance vertan»

Der Synodale Fritz Bösiger äusserte danach sein Bedauern, dass «eine grosse Chance vertan wurde». Und er kritisierte: «Wie hier gegen eine Person gekämpft wurde, passt nicht zu einer kirchlichen Organisation.»

Der abtretende Synodalratspräsident David A. Weiss nahm darauf Stellung: «Der Synodalrat bedauert den sofortigen Rücktritt sehr. Wir haben Tanja Steger als Kollegin ausserordentlich geschätzt.» Der Rat habe immer deutlich gemacht, dass die Kollegin in ihrem Fachbereich sehr gut arbeite, sie aber nicht als Präsidentin gesehen werde. «Der Rücktritt hat mich sehr überrascht», erklärte Weiss im Gespräch mit unserer Zeitung. Den Grund für die Schwierigkeit, Kandidaten zu finden, vermutet er darin, dass «das Profil des Amts attraktiver sein könnte». Als Präsident braucht es laut Weiss die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen und pointiert aufzutreten. Einen weiteren Grund ortet er darin, dass er den Reformierten während 22 Jahren vorstand und die Frage nach der Nachfolge in den letzten Jahren nicht Thema war. Weiss: «Die Situation macht mir den Rücktritt ausserordentlich schwer.» Mit den zwei Vakanzen, im Präsidium und Vizepräsidium, gibt es laut Weiss nun bis Ende Jahr eine Durststrecke. Der Zeitpunkt dafür sei äusserst ungünstig. Ende Jahr soll die Verfassung an die Urne kommen.

Tanja Steger Hodel zeigt sich nach der Synode enttäuscht. Zur Frage, weshalb sie gleich den Rücktritt verkündet hat, sagt sie: «Für mich ist dies die Konsequenz aus dem ganzen Wahlverfahren.» Es gehöre zur Politik, dass man als Kandidat nicht allen genehm sei. «In der Art, wie man mich als Kandidatin bewertet hat, hätte ich mir von gewissen Beteiligten ein faireres Vorgehen gewünscht.» Steger war vier Jahre Synodalrätin. «Ich bin dankbar, dass ich vier Jahre in der Exekutive mitwirken konnte. Die Zeit mit der Revision der Verfassung war für mich als Juristin äusserst spannend. Und ich habe viele tolle Leute kennen gelernt.»

Schmassmann gewählt

Die neue Verfassung, die im Vorfeld für viel Zündstoff gesorgt hatte, wurde gestern in zweiter Lesung bei nur einer Gegenstimme genehmigt. Norbert Schmassmann (Luzern) wurde zudem diskussionslos zum Präsidenten der Synode gewählt.

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