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KANTON: Reformierte vor Scherbenhaufen

Der Rücktritt von Synodalrätin Tanja Steger hinterlässt einen schalen Bei­geschmack. Auch von einem abgekarteten Spiel ist die Rede.

Evelyne Fischer

Statt mit einer neuen Präsidentin von sich reden zu machen, sorgten die Luzerner Reformierten am Mittwoch für Schlagzeilen anderer Art: Geplant war, an der Synode – dem Parlament der Reformierten – die Nachfolge des Ende August abtretenden Synodalratspräsidenten David A. Weiss (Luzern) zu regeln. Für dieses Amt hatte sich einzig Synodalrätin und Juristin Tanja Steger Hodel (36, Ebikon) zur Verfügung gestellt. Doch zur Wahl kam es nicht: Nach einer emotional geführten Debatte wurde der Entscheid haarscharf per Antrag vertagt. Steger zog die Konsequenzen und legte ihr Amt per sofort nieder (Ausgabe von gestern).

Damit klaffen ab dem 1. September zwei Lücken im siebenköpfigen Gremium, dieses ist aber weiterhin beschlussfähig. «Die reformierte Kirche ist nun nicht führungslos, aber wir müssen eingehend prüfen, wie wir dieses Schiff auf Kurs halten», sagt David A. Weiss. «Bis zum Stellenantritt meines Nachfolgers wird ein bisheriges Mitglied den ausserordentlichen Vorsitz übernehmen. Diese provisorische Lösung dürfte bis Ende Jahr andauern.» Er sei optimistisch, «dass sich bis zur Synode im November jemand der 43 000 Reformierten im Kanton für das Präsidium gewinnen lässt».

Führungsqualitäten angezweifelt

Die Vertagung des Geschäfts wurde unter anderem mit dem Fehlen einer echten Wahl begründet. Zur Alleinkandidatur von Steger (laut Weiss eine «sehr engagierte, sehr ambitionierte» Kollegin) kam es, weil Daniel Zbären (Luzern) seine Kandidatur an Ostern unverhofft zurückzog. Wie eine Konsultativabstimmung danach ergeben hatte, war Steger eine mehrheitsfähige Kandidatin. «Deshalb hielten wir an ihr fest», sagt Daniel Schlup im Namen der Präsidentenkonferenz, die die Wahl vorbereitet hatte. Doch am Mittwoch sprach sich selbst Synodalrätin Rosemarie Manser (Eich) für eine Wahlverschiebung aus: «Die Kandidatin ist sowohl beim Synodalrat als auch bei den Synodalen umstritten», verlautete sie. Sie zweifle nicht an Stegers fachlichen Kompetenzen im juristischen Bereich, sagt Manser. «Unschlüssig bin ich, was ihre Führungsqualitäten anbelangt.» Manser selbst hatte per 1. Juli ihre Demission als Vizepräsidentin eingereicht. «Ich lasse es offen, mich unter einer neuen Führung wieder zur Verfügung zu stellen.»

«Junge Frau hätte Zeichen gesetzt»

Bei vielen Synodalen sorgte die Nichtwahl Stegers für Kopfschütteln. Von einem «himmeltraurigen Entscheid» spricht Fritz Bösiger (Ufhusen), Präsident der Land-Fraktion. «Tanja Steger hat sich nichts zu schulden kommen lassen, was rechtfertigen würde, sie nicht zu wählen.» Sie wäre für diesen Posten die Richtige gewesen, sagt Bösiger. «Eine junge Frau wie sie hätte der reformierten Kirche ein neues Gesicht verliehen.» Fadenscheinig werfe man ihr nun mangelnde Führungserfahrung vor. «Im Hintergrund aber hatten gewisse Synodale, auch Pfarrherren, heftig für ihre Nichtwahl geweibelt. Das war ein abgekartetes Spiel.» Ihm liege der entsprechende Mailverkehr vor.

Mitunter angesprochen damit ist der reformierte Pfarrer und Synodale David van Welden (Nebikon), der im Parlament den Antrag auf Verschiebung gestellt hatte. «Ich wurde weder instrumentalisiert, noch habe ich geweibelt», sagt van Welden. «Aber diese Wahl löste bei mir ein mulmiges Gefühl aus.» Die Kandidatensuche sei «nicht sauber» gelaufen. «Die Stelle war nie offiziell ausgeschrieben, ein Anforderungsprofil fehlte.» Weil selbst der Synodalrat die Kandidatur von Steger nicht unterstützte, habe er die Reissleine gezogen. Für das Präsidium sei nicht zwingend ein Theologe gefragt. Aber: «Es braucht jemand, der in einer Kirchgemeinde verwurzelt ist.»

Dem widerspricht die zurückgetretene Synodalrätin Tanja Steger Hodel. «Ich bekam sowohl von Pfarrpersonen wie auch kirchlichen Führungskräften positive Rückmeldungen. Sie hielten es für sinnvoll, dass die reformierte Landeskirche nach der Verfassungsrevision von jemandem weitergeführt wird, der den Prozess mitgeprägt hat.» Auch den Vorwurf der mangelnden Führungserfahrung lasse sie nicht gelten. «Den Gegenbeweis erbrachte ich in den letzten vier Jahren.»

«Lehrblätz für künftige Wahlen»

«Rückblickend ist die Suche nach einem Nachfolger nicht optimal verlaufen», sagt Synodalratspräsident Weiss. «Nie wurde definiert, welches Rüstzeug das Präsidium verlangt.» Es reiche nicht aus, fachlich sattelfest zu sein. «Gesucht ist eine vernetzte Leitfigur, der man Vertrauen schenkt.» Dies habe sich nach mehreren Gespräche mit der Pfarrerschaft herauskristallisiert. Auch Daniel Schlup, abtretender Synodepräsident, ortet das Problem in der Evaluation. «Unser Berufungsverfahren eignet sich offensichtlich nicht für die Besetzung eines Präsidiums, das mit hohen Erwartungen verbunden ist.» Für künftige Wahlen sei dies ein Lehrblätz.

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