Nach Sexismus-Debatte im Schwyzer Parlament: Petra Gössi ruft zur Frauenwahl auf

Im Schwyzer Kantonsrat ist eine hitzige Debatte über Sexismus entfacht. Nun gibt eine neue Untersuchung dem Kanton ausserdem schlechte Noten zum Frauenanteil in der Politik. Schwyz sei eine «Männerbastion».

Jürg auf der Maur
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Petra Gössi, Präsidentin der FDP Schweiz, fotografiert beim Hauptplatz in Schwyz. Bild: Pius Amrein (24. November 2017)

Petra Gössi, Präsidentin der FDP Schweiz, fotografiert beim Hauptplatz in Schwyz. Bild: Pius Amrein (24. November 2017)

Ein Satz aus einem Votum im Schwyzer Kantonsrat hat eine Kontroverse über Sexismus im Schwyzer Parlament ausgelöst. Auslöser war der Vorworf der ehemaligen Schwyzer SP-Kantonsratspräsidentin Karin Schwiter. Diese meldete sich ein halbes Jahr nach ihrem Rücktritt in einem Leserbrief zurück und titulierte den Kantonsrat einen «ekligen Alt-Herrenclub». Ausserdem störte sie sich an den Worten von Finanzdirektor und Landammann Kaspar Michel.

Dieser sagte im Rahmen der Budgetberatung, man könne nicht gleichzeitig den Fünfer, das Weggli und die Bäckerstochter haben. SVP-Kantonsrat Adrian Föhn nahm die Worte auf und erklärte, er hätte sogar eine zu bieten. Er dachte dabei an seine Tochter, die das Metier lernt.

Angegriffene entgegnen den Vorwurf

Adrian Föhn entgegnete den Vorwurf von Karin Schwiter und sagte, dass das beschriebene Bild des Kantonsrates «völlig übertrieben und haltlos ist». Seine Tochter sei angehende Bäckerin und er habe sich den Einschub erlaubt, «um unserem Landammann auf eine nicht allzu ernste Weise den Wind aus den Segeln zu nehmen».

Nun reisst allerdings eine soeben veröffentlichte Studie geschundene Wunden noch weiter auf. «Männerbastion Schwyz», titelt der «Blick» mit Bezug auf die neue WEF-Studie. Gemäss der Untersuchung des World Economic Forums ist der Frauenanteil in der Schwyzer Politik gesamtschweizerisch am tiefsten.

Mit Regierungsrätin Petra Steimen (FDP) bringen es die Frauen in der Schwyzer Exekutive auf einen Anteil von 14 Prozent, während dieser im Kantonsrat lediglich 10 Prozent beträgt.

Petra Gössi: Der Ton schreckt die Frauen ab

«Wieso politisiert es sich als Frau im Herzen der Schweiz so schlecht?», wollte der «Blick» deshalb von Petra Gössi wissen. Gössi, die als Küssnachterin die nationale FDP präsidiert, gilt immerhin als Aushängeschild und zeigt, dass es nicht unmöglich ist, dass Schwyzer Politikerinnen Karriere machen. Gössi nimmt kein Blatt vor den Mund und nimmt ihre Kantonskollegen gemäss «Blick» in die Pflicht. «Ich erwarte, dass die Ortsparteien für die nächsten Kantonsratswahlen Frauen aufbauen und diese auf der Wahlliste geschickt platzieren», lässt sie sich zitieren. Es sei die politische Kultur, die viele Geschlechtskolleginnen von der Politik abhalte. «Für viele Frauen ist der Ton in der Politik zu ruppig. Da sie das nicht wollen, verzichten sie auf eine Kandidatur», sagt Gössi, die zusammen mit der FDP-Kantonalpräsidentin Marlene Müller und Petra Steimen zu den profiliertesten Schwyzer Politikerinnen gehört.

Juso fordern eine Entschuldigung

Die Schweizerische Depechenagentur (SDA) hat gestern über die Debatte im Schwyzer Parlament berichtet und Landammann Kaspar Michel konfrontiert. Er habe die Worte in der Budgetdebatte im Zusammenhang mit den Steuersenkungsansprüchen gebraucht, die von mehreren Seiten kamen, sagte er auf Anfrage der Agentur. Den Steilpass der Kontroverse nehmen die Schwyzer Jungsozialisten auf. Sie fordern von Michel und Föhn eine Entschuldigung.

In einer Mitteilung heisst es: «Genau solche Äusserungen schaffen die Basis für eine Gesellschaft, in der Übergriffe gegenüber Frauen an der Tagesordnung stehen und Frauen gerade mal zehn Prozent des Parlaments stellen.» Es bleibe dahingestellt, ob Michel und Föhn bewusst abwerten wollten oder nicht. «Entscheidend ist, was die Äusserungen für eine Wirkung haben.» Die Aussagen würden das Bild der Frau als passives Objekt der männlichen Begierde verfestigen. Auf die Frage, ob Landammann Kaspar Michel eine Entschuldigung in Betracht ziehe und ob er seine Worte wieder so wählen würde, sagte er, er kommentiere diese Debatte als Schwyzer Landammann nicht. (adm/sda)