KANTON: So überstehen Bienen– und immer mehr Imker – den Winter

Das Wetter im letzten Jahr machte den hiesigen Bienenvölkern zu schaffen, was sich in der Honigmenge niederschlägt. Derweil gibt es immer mehr Imker in Luzern. Sie können ab diesem Jahr besonders profitieren.

Niels Jost
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Dicht gedrängtes Treiben im Bienenstock. (Bild: Getty)

Dicht gedrängtes Treiben im Bienenstock. (Bild: Getty)

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Ein leises Summen ertönt aus dem Bienenstock. Trotz eisiger Temperaturen und der weissen Decke über dem hölzernen Häuschen sind die Bienen im Innern aktiv. «Sie bilden derzeit die sogenannte Wintertraube», erklärt Ruedi Dahinden, Präsident ad interim des Verbandes der Luzerner Imkervereine. Die Bienen rücken nahe zusammen und wärmen sich gegenseitig. Im Innern der Wintertraube befindet sich die Königin. «Dort wird es bis zu 20 Grad warm. Die Bienen halten diese Temperatur aufrecht, indem sie Zucker ‹verbrennen› – eine Art natürliche Heizung also», führt Dahinden aus. «Dabei wechseln die Bienen ständig ihre Position: Jene, denen kalt ist, gehen nach innen, die anderen bewegen sich nach aussen.» Dank dieses Teamworks schaffen es die Insekten, auch bei tiefen Minustemperaturen auszuharren. Für den Laien sieht die Wintertraube wie ein einziger Bienenknäuel aus.

Ein harter Winter kann den Bienen also wenig anhaben. Wobei: «Winterverluste bis zu 10 Prozent der Bienenvölker sind normal», sagt Dahinden. «Problematisch wird die Kälte erst, wenn zum Beispiel im Februar sehr mildes Wetter herrscht, das Volk bereits mit der Brut beginnt und es in den folgenden Wochen wieder länger kalt wird.» Das Wetter ist aber auch in den Sommermonaten ausschlaggebend für die Honig­ernte. Diese fällt zwar jeweils von einer Region zur anderen unterschiedlich aus, war letztes Jahr aber mehrheitlich schlecht. «Die Sommerernte blieb mehr oder weniger aus», so Dahinden. «Mai und Juni waren sehr regenreich. Dort, wo die wenigen Schönwetterfenster mit der Blüte der Obstbäume zusammenfielen, konnte aber immerhin etwas Blütenhonig geerntet werden.»

Wie viel Honig die Luzerner Imker 2016 ernten konnten, lässt sich nicht genau beziffern. Dahinden, der selber seit über 20 Jahren imkert, rechnet durchschnittlich mit weniger als 5 Kilogramm pro Volk. In Spitzenjahren, wenn die Tanne «honigt», sind es bis zu 30 Kilo. Und auch zur Anzahl Bienenvölker gebe es keine genauen Angaben. Derzeit gibt es schätzungsweise 13000 Völker im Kanton. «Die Bestäubung ist sicher gewährleistet», sagt er.

1340 Hobby-Imker im Kanton Luzern

Trotz der mageren Ausbeute zeigt sich der Verbandspräsident zufrieden: «Die Anzahl Imker ist in den letzten Jahren stabil geblieben.» Derzeit sind rund 1340 Imker im Kanton Luzern gemeldet – das sind über 100 mehr als noch 2011. Die meisten von ihnen dürften das Imkern hobbymässig ausüben. Wobei das nicht unterschätzt werden darf. «Die grösste Herausforderung beim Imkern ist, dass es wenig abso­lute Wahrheiten gibt. Jedes Bienenvolk ist anders. Man muss viel improvisieren.» Deshalb empfiehlt es sich, Kurse zu be­suchen. Die Grundkurse, die im Kanton Luzern von den acht Sektionen angeboten werden, dauern während zweier Jahre 18 Lektionen à 3 Stunden.

Ein Novum gibt es ab diesem Jahr. Bis 2018 wird der Verband sektionsübergreifende theore­ti­sche Grundausbildungen für An­fänger anbieten, vier Module pro Jahr. Schon 2016 hatte man dies als Test in der Weiterbildung für Züchter durchgeführt – mit Erfolg. Pro Modul kamen bis zu 70 Besucher. Der Vorteil sei, dass man kompetente Referenten engagieren und sich über die Sektionsgrenzen hinaus ein Netzwerk aufbauen könne, was sich gerade Jungimker oftmals wünschten, so Dahinden. «Wir sind zuversichtlich, mit diesem Angebot die Berater in den einzelnen Sektionen zu entlasten.»