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Kanton Luzern will die Natur fördern – ausgerechnet in Industriegebieten

Der Kanton Luzern sieht ein «riesiges Potenzial» in der Förderung der Biodiversität in Industrie- und Gewerbegebieten. Wie das gehen soll, zeigt das Beispiel der Holzbaufirma Renggli AG in Schötz.
Niels Jost
Max Renggli, Chef der gleichnamigen Holzbau- und Generalunternehmung, auf dem Firmengelände. (Bild: Pius Amrein, Schötz, 11. Januar 2019)

Max Renggli, Chef der gleichnamigen Holzbau- und Generalunternehmung, auf dem Firmengelände. (Bild: Pius Amrein, Schötz, 11. Januar 2019)

Drei Millionen Franken will der Kanton Luzern künftig zusätzlich in die Förderung der Biodiversität investieren. Denn die Artenvielfalt nimmt in unserer Region in einem alarmierenden Masse ab, schreibt die Regierung in ihrer neuesten Strategie Biodiversität.

Gefördert werden soll die Biodiversität aber nicht nur etwa in Wäldern, Wiesen oder Mooren, sondern auch in Industrie- und Gewerbegebieten, wo ein «riesiges Potenzial» bestehe. Der Grossteil dieser Flächen sei meist sehr monoton und naturfern gestaltet: Wenn eine Hecke vor einem Firmengebäude schön gestutzt ist, mag das zwar gut aussehen, für die Flora und Fauna bringt sie aber kaum etwas.

Firma hat ihr Areal «sehr bewusst» gestaltet

Dabei könnte es auch anders gehen. «Die Aufwertung zugunsten der Vielfalt wäre problemlos möglich», schreibt die Regierung. Tatsächlich: Die Holzbau- und Generalunternehmung Renggli AG beispielsweise hat bei der Erweiterung ihres Areals in Schötz die zur Verfügung stehenden Naturflächen «sehr bewusst und sorgfältig» geplant und auch externe Experten zugezogen, wie CEO und Verwaltungsratspräsident Max Renggli sagt.

So wurden Naturwiesen angesät, Bäume und Sträucher gezielt gepflanzt sowie Ast- und Steinhaufen angelegt. Das Resultat: Auf dem Firmenareal finden bedrohte Reptilienarten, Igel, diverse Vogel- und Schmetterlingsarten sowie zahlreiche Insekten Unterschlupf.

25 Luzerner Firmen bereits zertifiziert

Für die naturnahe Gestaltung ihres Areals wurde die Renggli AG 2004 erstmals von der Stiftung Natur & Wirtschaft mit Sitz in Luzern ausgezeichnet. Kürzlich erlangte die Firma die rund alle fünf Jahre fällige Rezertifizierung.

Im Kanton Luzern hat die schweizweit tätige und vom Bundesamt für Umwelt gegründete Stiftung an 24 weiteren Unternehmen ihr Label verliehen, wie der 4B AG in Hochdorf, der Hug AG in Malters oder der Swiss Steel AG in Emmenbrücke. Ein Kriterium für diese Firmen ist, dass mindestens 30 Prozent des Gebäudeumschwungs naturnah gestaltet sind und dort keine Pestizide eingesetzt werden. Fachexperten nehmen die Areale ab.

«Viele Firmen sind wahre Hotspots der Artenvielfalt»

Rebecca Eggermann, Leiterin Administration und Kommunikation bei der Stiftung, bestätigt, dass es bei Industrie- und Gewerbegebieten grosses Potenzial für die Biodiversität gibt. «Naturnah gestaltete Areale sind von grosser Wichtigkeit für die einheimische Biodiversität.» Viele der von der Stiftung ausgezeichneten Flächen seien wahre Hotspots der Artenvielfalt, so Rebecca Eggermann und macht folgendes Beispiel:

«Sämtliche bedrohten Amphibienarten der Schweiz sind auf den zertifizierten Arealen zu finden.»

Ähnliches ist von Max Renggli zu hören: «In der heutigen, auf Leistung getrimmten Landwirtschaft ist die Biodiversität unter Druck. Hier können private Initiativen helfen, diesen Raum zu schaffen.» Die Zertifizierung sei für sein Unternehmen nicht mit einem hohen Aufwand verbunden gewesen, sagt Renggli. «Selbstverständlich braucht eine naturnahe Arealgestaltung einen gewissen Pflegeaufwand. Dieser ist jedoch vergleichbar mit einem konventionellen Unterhalt.»

Zertifizierung kostet zwischen 1500 und 3500 Franken

Eine Zertifizierung bei der Stiftung Natur & Wirtschaft kostet pauschal und je nach Mitarbeiteranzahl zwischen 1500 und 3500 Franken. Hinzu kommt ein Jahresbeitrag von 200 bis 700 Franken.

Sind die Bestrebungen, um eine solche Auszeichnung zu erhalten, denn nur ein Marketing-Instrument? Renggli verneint. «Das Thema ‹Nachhaltigkeit› ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern tief in der DNA unserer Firma verankert.» So habe die Renggli AG in den 1990er-Jahren die ersten sogenannten Nullenergie-Häuser der Schweiz gebaut. Zudem liefert eine Fotovoltaikanlage sowie das eigene Kleinwasserkraftwerk den Strom für die Firma..

Auch Rebecca Eggermann betont, dass sich eine Firma wohl nur dann zertifizieren lasse, wenn diese vom Nutzen überzeugt ist. Und dieser sei unbestritten gross: «Nur schon kleine und einfach umsetzbare Bestrebungen, wie eine Blumenwiese nur zwei Mal im Jahr zu mähen, einheimische Hecken und Sträucher zu pflanzen oder Ast- und Steinhäufen zu errichten, haben eine grosse Wirkung für die Biodiversität.»

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