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KANTON: Wo es Wohlhabenden besonders gefällt

Fast 30 Prozent der Megger haben ein Einkommen von über 100 000 Franken. In Romoos hingegen sind es keine 2 Prozent. Die Zahl der Millionäre nimmt derweil stetig zu.
Roseline Troxler
Blick auf Villenquartier in Meggen: In keiner anderen Luzerner Gemeinde leben mehr Menschen mit hohem Reineinkommen und hohem Vermögen. (Bild: Luftbild Reportair.ch)

Blick auf Villenquartier in Meggen: In keiner anderen Luzerner Gemeinde leben mehr Menschen mit hohem Reineinkommen und hohem Vermögen. (Bild: Luftbild Reportair.ch)

Roseline Troxler

Wo wohnen am meisten Wohlhabende im Kanton? In welchen Gemeinden ist der Anteil von Menschen ohne Einkommen besonders hoch? Antworten auf diese Fragen liefern Zahlen von Lustat Statistik Luzern. Die neusten Daten stammen aus dem Jahr 2013. Sie zeigen, wie viel Prozent der Einwohner einer Gemeinde sich in einer bestimmten Vermö­gens- und Einkommensstufe befinden.

Höchstes Einkommen ab 45 Jahren

In der obersten Stufe sind die Steuerpflichtigen ausgewiesen, die über ein Reineinkommen von mindestens 100 000 Franken verfügen. Das Reineinkommen bezeichnet die Differenz zwischen Einkünften und Abzügen wie Berufsauslagen oder Versicherungsabzügen.

Knapp 30 Prozent der Megger befindet sich auf dieser Stufe. Ganz anders in Romoos, wo knapp 2 Prozent der Einwohner in der obersten Stufe eingeteilt sind. Wenn es hingegen um die Gemeinden geht, welche am meisten Einwohner ohne Einkommen haben, taucht die Stadt Luzern ganz vorn auf. Hier verfügen 6,7 Prozent der Einwohner über kein Reineinkommen.

Werden alle Luzerner Steuerpflichtigen berücksichtigt, verfügt mehr als die Hälfte über ein Einkommen von weniger als 50 000 Franken. Das höchste Reineinkommen haben die 45- bis 54-Jährigen, wie es bei Lustat heisst. Anders sieht es beim Vermögen aus: Hier führen die 65- bis 74-Jährigen die Statistik an.

633 neue Millionäre

Beim Vermögen ist wiederum Meggen Spitzenreiter. 30,5 Prozent der Megger haben ein Reinvermögen von einer halben Million Franken oder mehr. Unter dem Reinvermögen wird die Differenz zwischen dem Gesamtvermögen und den Schulden bezeichnet. Den grössten Anteil an Personen, die gar kein Vermögen versteuern, hat hingegen die Gemeinde Emmen (mit 27,4 Prozent).

Die Vermögensverteilung unter den Steuerpflichtigen präsentiert sich im Kanton Luzern äusserst asymmetrisch, wie Lustat erklärt. Fast die Hälfte der 223 955 Steuerpflichtigen hat ein Reinvermögen von weniger als 30 000 Franken. Knapp jeder Fünfte hatte kein Vermögen zu deklarieren. Auf der anderen Seite gab es im Jahr 2013 im Kanton Luzern 11 690 Vermögensmillionäre. Damit dürfen sich 633 Luzerner mehr zu den Vermögensmillionären zählen als noch im Jahr zuvor.

Simon Büchi von Lustat Statistik Luzern erklärt: «Die Anzahl der Vermögensmillionäre hängt auch stark von der Bewertung der Wertschriften und anderer Vermögenswerte im jeweiligen Jahr ab.» Die Zahl werde aber auch von Wanderungsbewegungen oder Vermögensflüssen aus Erbschaften beeinflusst. «Grundsätzlich können auch Zivilstandsänderungen ein Faktor sein. Bei einer Heirat oder Scheidung werden Vermögenswerte kumuliert beziehungsweise geteilt.» Die Zahl der Vermögensmillionäre hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Im Jahr 2005 gab es noch 7546 Luzerner mit einem Reinvermögen von mehr als einer Million Franken.

«Ungleichheit hat zugenommen»

Ben Jann, Professor für Soziologie an der Universität Bern, sagt zur Entwicklung der Einkommensverteilung: «Luzern liegt bezüglich Einkommensungleichheit etwas unter dem Schweizer Schnitt. Ähnlich wie in der gesamten Schweiz hat die Einkommensungleichheit aber auch in Luzern in den 2000er-Jahren zugenommen.» Dies ist laut Ben Jann vor allem auf überproportional steigende Einkommen am oberen Ende der Verteilung zurückzuführen. «Bei der Vermögensungleichheit sehen wir schweizweit eine leichte Zunahme, wobei in erster Linie auch hier die obersten 5 Prozent der Vermögen relativ gesehen zugelegt haben.» Die Zunahme der Ungleichheit sei jedoch in der Schweiz viel weniger ausgeprägt als etwa in den USA.

Die Folgen der Ungleichheit seien schwierig abzuschätzen. «Ein Phänomen, das auftreten kann, ist eine geografische Segregation. Das heisst, dass Arme und Reiche zunehmend an unterschiedlichen Orten leben.» Gebe es in einer Gemeinde viele Personen mit einem grossen Vermögen, werde der Ort für weitere Vermögende attraktiv. «Vermögende sind gerne unter sich. Eine Gemeinde mit vielen Vermögenden kann bessere steuerliche Konditionen anbieten.» Dies könne sich auf den Finanzhaushalt von Kantonen und Gemeinden und somit auf die Qualität öffentlicher Güter wie das Schulsystem auswirken. Nebst dem Steuerfuss spiele für die Wahl des Wohnorts bei Vermögenden vor allem eine Rolle, ob der Ort eine attraktive Wohnlage biete und wie die Erschliessung aussehe.

Zu den Folgen grosser Ungleichheit für das öffentliche Leben in einer Gemeinde sagt der Soziologe: «Vermögende haben die Tendenz, sich abzukapseln. Ich gehe davon aus, dass sich dadurch ein grösserer Teil des Lebens im Privaten abspielt. Dies muss aber nicht unbedingt sein. Denn gerade vermögende Personen hätten gute finanzielle Möglichkeiten, etwas für die Gemeinschaft zu tun.» Und er ergänzt: «Die Gemeinden werden ihre wohlhabenden Einwohner zu pflegen wissen.» Dies werde durch den zunehmenden Steuerwettbewerb verstärkt. «Ohne Superreiche können Gemeinden dann nicht mehr genug Steuereinnahmen generieren.»

Bild: Quelle Lustat/Tabelle Neue LZ

Bild: Quelle Lustat/Tabelle Neue LZ

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