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KANTONALBANK: Nur Luzern ist in Spendierlaune

Die Kantonalbanken in der Zentralschweiz haben ausser dem Namen wenig Gemeinsamkeiten. So können sich Bankräte nur in zwei Kantonen selber beschenken.
Lukas Nussbaumer
Die Luzerner Kantonalbank in Luzern. (Bild: Archiv Pius Amrein/ LZ)

Die Luzerner Kantonalbank in Luzern. (Bild: Archiv Pius Amrein/ LZ)

Lukas Nussbaumer

Wenn sich heute Abend um 18 Uhr rund 4000 Aktionäre der Luzerner Kantonalbank auf der Allmend zur Generalversammlung treffen, wird die Stimmung besonders gut sein. Grund: Der Bankrat beantragt der Versammlung eine steuerfreie Ausschüttung von 11 Franken pro Aktie. Gegenwehr ist nicht zu erwarten – und wenn, dann wäre sie sinnlos, weil der Kanton Luzern 61,5 Prozent der Aktien hält und deshalb Alleinherrscher über die Anträge an der Generalversammlung ist. Dem Kanton und den Gemeinden entgehen durch den Verzicht auf die üblicherweise ausbezahlten Dividenden an die etwa 36 000 Aktionäre Steuereinnahmen von rund 4 Millionen Franken (Ausgabe vom Donnerstag).

Bankräte sparen massiv Steuern

Pikant ist, dass der Bankrat mit seinem von der Luzerner Regierung abgesegneten Antrag auf steuerfreie Ausschüttung auch sich selber belohnt. So sparen der Präsident und Vizepräsident des Bankrats, Mark Bachmann und Christoph Lengwiler, Tausende Franken an Steuern – vorsichtig gerechnet. Bachmann hält 5000 Aktien, der aus dem Verwaltungsrat ausscheidende Lengwiler knapp 3000. Ähnlich viele Aktien wie Lengwiler besitzen die Mitglieder der Geschäftsleitung.

Steuergeschenke an sich selber könnten die Bankräte in anderen Zentralschweizer Kantonen nicht machen. So sind die Kantonalbanken von Schwyz und Uri öffentlich-rechtliche Anstalten, die zu 100 Prozent dem Kanton gehören (siehe Kasten).

  • Luzern: Die Luzerner Kantonalbank ist wie die Zuger Kantonalbank börsenkotiert. Der Kanton hält 61,5 Prozent der Aktien. Die Bilanzsumme betrug im letzten Jahr 33,2 Milliarden Franken, der Gewinn 180 Millionen. 70 Millionen davon erhält der Kanton als Hauptaktionär. Die Bank begründet die nach 2005 und 2010 zum dritten Mal vorgenommene steuerfreie Ausschüttung damit, dass man den Aktionären Danke sagen wolle für das Erreichen der gesteckten Finanzziele. Ausserdem sei der Wert der Aktie zwischen 2011 und 2015 von 312 auf über 400 Franken gestiegen – bei gleichbleibender Dividende von 11 Franken. Damit habe die Dividendenrendite in den letzten vier Jahren abgenommen.

  • Zug: Die Zuger Kantonalbank ist mit einer Bilanzsumme von 14,3 Milliarden Franken nach jener in Luzern und Schwyz (16,2 Milliarden) die drittgrösste Kantonalbank der Zentralschweiz. Eine Herabsetzung des Aktienbetrags wäre wie in Luzern möglich, wird jedoch nicht gemacht. Mediensprecherin Carmen Wyss sagt, der Verzicht auf diesen buchhalterischen Trick habe «keine spezifischen Gründe». Die Zuger Kantonalbank erzielte 2015 einen Gewinn von 61,2 Millionen Franken. 33 Millionen davon gehen an den Kanton, der die Hälfte der Aktien hält. Die andere Hälfte verteilt sich auf rund 10 000 Privataktionäre, welche seit 2008 eine unveränderte Dividendenausschüttung akzeptieren müssen.

  • Nid- und Obwalden:Hier sind die Banken keine Aktiengesellschaften, sondern öffentlich-rechtliche Anstalten. DieKantone stellen das Dotationskapital für die Banken zur Verfügung, die Bevölkerung kannaber durch Partizipationsscheine am Erfolgteilhaben. In Nidwalden kostet ein solcher Schein, eine Art stimmrechtslose Aktie, seit Jahren zwischen 2200 und 2350 Franken, in Obwalden 888 bis 975 Franken. In Nidwalden gibt es dafür eine Bruttodividende von jährlich 57.50 Franken, in Obwalden zwischen 30 und 32 Franken.

Theoretisch wäre eine Anpassung des Nennwertes auch bei diesem System möglich. Das Reglement über die Partizipationsscheine der Obwaldner Kantonalbank sieht jedoch keine Herabsetzung des Partizipationsschein-Kapitals vor. In Nidwalden gibt es gesetzliche Einschränkungen im Kantonalbankgesetz. «Zudem stellt der Kanton das Dotationskapital zur Verfügung und hält die Mehrheit des Partizipationskapital», sagt Mediensprecherin Nicole Blättler. «Gestützt auf einen Landratsbeschluss von 2011 hält der Kanton das Partizipationsschein-Kapital als strategische Anlage im Verwaltungsvermögen des Kantons.» Die Bilanzsummen der Nidwaldner und Obwaldner Kantonalbanken betragen je 4,3 Milliarden Franken. Die Gewinne beliefen sich im letzten Jahr auf 15,6 Millionen (Nidwalden, Abgabe an den Kanton von 10,2 Millionen) und 14,7 Millionen (Obwalden, Abgabe 9,2 Millionen).

Hier profitieren Private nicht

Schwyz/Urinus. Öffentlich-rechtliche Anstalten und zu 100 Prozent im Besitz des Kantons: Die Kantonalbanken der Kantone Schwyz und Uri verfügen über kein Aktienkapital oder andere Beteiligungsmöglichkeiten von Privatpersonen oder Firmen. Dafür profitiert der Kanton – in Form von Gewinnabgaben und der Abgeltung der Staatsgarantie.

So liefert die Schwyzer Kantonalbank dem Kanton für 2015 45,7 Millionen Franken ab, dies bei einem Gewinn von 73,6 Millionen. Der Kanton Uri profitiert vom Erfolg der Urner Kantonalbank mit 7,5 Millionen – das Geldinstitut weist für 2015 bei einer Bilanzsumme von 2,9 Milliarden einen Gewinn von 17,4 Millionen aus.

Mitarbeit: Cyril Aregger

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