Kantonale Abstimmung
Parteien stehen hinter dem neuen Verwaltungsgebäude am Seetalplatz

Die neue kantonale Verwaltung kostet rund 177 Millionen Franken und ist eines der grössten Infrastrukturvorhaben des Kantons Luzern. Ein Komitee mit allen Kantonsratsparteien setzt sich für ein Ja ein. Leise Kritik gibt's von den Grünen.

Reto Bieri Jetzt kommentieren
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Der Kanton Luzern plant beim Seetalplatz in Emmenbrücke ein neues Verwaltungsgebäude. Ab 2026 werden dort rund 1500 Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung, die zurzeit über rund 30 Standorte in der Stadt und Agglomeration Luzern verteilt sind, zentral einquartiert. Am 28. November kommt der entsprechende Kredit über gut 177 Millionen Franken an die Urne. Das Vorhaben ist bei den Luzerner Parteien weitgehend unbestritten. Der Kantonsrat hat den Kredit im Juni grossmehrheitlich abgesegnet. Einzig Mitglieder der Grünen enthielten sich der Stimme.

So sieht das neue kantonale Verwaltungsgebäude am Seetalplatz aus.

So sieht das neue kantonale Verwaltungsgebäude am Seetalplatz aus.

Visualisierung: PD

Einmütig zeigten sich die Parteien auch am Montag an einer Medienkonferenz des Ja-Komitees, in welchem alle im Kantonsrat vertretenen Parteien dabei sind. Kantonsrat und SVP-Fraktionschef Armin Hartmann aus Schlierbach sagte, das neue Verwaltungsgebäude werde dem Gebiet rund um den Seetalplatz weiteren Schub verleihen. In den letzten zehn Jahren sei intensiv an der Vision gearbeitet worden. «Entstanden ist ein Projekt, das die gesteckten Ziele mehr als erfüllt», so Hartmann. An bester Lage direkt neben dem Busbahnhof Seetalplatz soll bis 2026 ein Projekt entstehen, welches für die Verwaltung einen Quantensprung ermögliche.

Einsparungen von 9 Millionen Franken

In einem Wettbewerbsverfahren kürte vergangenes Jahr eine Jury das Projekt Metropol der Firma Losinger Marazzi zum Sieger. Auf einer Geschossfläche von 40'000 Quadratmetern sollen Büroräume, Wohnungen und Retailflächen entstehen. Zusätzlich sind ein öffentliches Restaurant und ein Polizeiposten geplant. Herzstück wird die Kantonsverwaltung sein. Dank der Zentralisierung lasse sich viel Geld einsparen. Die Synergiegewinne belaufen sich laut Hartmann auf rund 9 Millionen Franken pro Jahr.

Auch wenn das Projekt von allen Parteien unterstützt wird, sei es dem Komitee wichtig, ein Zeichen zu setzen. «Es kann nicht erwartet werden, dass die Bevölkerung einen Verwaltungsbau in dieser Grösse einfach durchwinkt. Wir wollen deshalb zeigen, dass dieser dem Kanton Luzern einen echten Mehrwert verschafft», sagte Hartmann.

Sinnvolle Investition in die Zukunft

Diese Meinung teilten die anderen Parteivertreterinnen und -vertreter. «Das Projekt startet im richtigen Moment», sagte SP-Kantonsrat Peter Fässler aus Kriens. «Die Corona-Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Wirtschaft sind noch nicht ausgestanden. Da setzen solche Projekte positive Zeichen für die Zukunft.» Kantonsrätin Sabine Wermelinger (FDP, Flühli) bezeichnete das geplante Verwaltungsgebäude als ein Leuchtturmprojekt, es überzeuge als sinnvolle Investition in die Zukunft. Das geplante Gebäudekonzept sei anpassungsfähig, die Verwaltung könne die Fläche reduzieren oder auch erweitern. «Dank technischem Fortschritt kann mobil-flexibel, das heisst zu Hause, unterwegs und an anderen Orten gearbeitet werden.»

Das Ja-Komitee v.l.n.r: András Özvegyi, Kantonsrat GLP; Peter Fässler, Kantonsrat SP; Judith Schmutz, Kantonsrätin Grüne/Junge Grüne; Sabine Wermelinger, Kantonsrätin FDP; Josef Wyss, Kantonsrat Die Mitte; Armin Hartmann, Kantonsrat SVP.

Das Ja-Komitee v.l.n.r: András Özvegyi, Kantonsrat GLP; Peter Fässler, Kantonsrat SP; Judith Schmutz, Kantonsrätin Grüne/Junge Grüne; Sabine Wermelinger, Kantonsrätin FDP; Josef Wyss, Kantonsrat Die Mitte; Armin Hartmann, Kantonsrat SVP.

Bild: PD

Für die GLP ist der ökologische Aspekt zentral. «Die Vorbildfunktion des Kantons Luzern für die Klimafrage ist aktuell nötiger denn je und wird mit diesem Bauvorhaben umgesetzt», sagte Kantonsrat András Özvegyi (Luzern). So wird das Gebäude an einen Wärmeverbund angeschlossen, zu einem guten Teil mit Holz aus Luzerner Wäldern gebaut sowie an den Fassaden mit Fotovoltaikmodulen ausgerüstet.

Trotz Kritik befürwortet die Fraktion der Grünen das neue Gebäude

Den Grünen/Jungen Grünen geht dies allerdings zu wenig weit. Kantonsrätin Judith Schmutz aus Rain kritisierte, die Fassade der neuen Verwaltung werde nur bis ins fünfte Obergeschoss mit Holz gebaut, während man in anderen europäischen Städten schon zwanzig Stockwerke hoch so baue. Zudem fehle ein Bekenntnis zur autofreien Mobilität. «Mut und Innovation, wie es das kantonale Energiegesetz mit der Vorbildrolle fordert, sehen anders aus», so Schmutz weiter.

Nichtsdestotrotz befürwortet die Kantonsratsfraktion der Grünen das Projekt - auch wenn die Meinungen geteilt sind. Laut Judith Schmutz sind sieben Kantonsräte dafür, sieben haben sich der Stimme enthalten. Erstere finden, das neue Verwaltungsgebäude fördere effizientes Arbeiten, treibe die Digitalisierung voran und sei deshalb ein richtiger Schritt. Letztere wünschen sich eine stärkere Vorbildrolle des Kantons. Nicht nur die Fraktion, auch die Partei ist geteilt: An der Mitgliederversammlung am Montagabend haben die Grünen Stimmfreigabe beschlossen.

Grüne beschliessen Parolen

Die Luzerner Grünen haben sich am Montagabend in Horw zur Mitgliederversammlung getroffen. Sie fassten die Parolen für die Abstimmungsvorlagen vom 28. November. Zur Pflegeinitiative sagen die Grünen unbestritten Ja, ebenso zum Covid-19-Gesetz. Die Justizinitiative lehnen sie genauso einstimmig ab, heisst es in der Mitteilung.

Gespalten waren Vorstand und Mitglieder betreffen des Verwaltungsneubaus am Seetalplatz. Das Projekt sei weder ­besonders fortschrittlich noch ökologisch und erfülle lediglich heutige Mindeststandards, heisst es in der Mitteilung. Die Partei beschloss deshalb Stimmfreigabe – dies im Gegensatz zur Kantonsratsfraktion der Grünen, die das Projekt unterstützt. (rbi/bev)

Für Kantonsrat Josef Wyss (Die Mitte, Eschenbach) legt das neue Gebäude die Basis für das wohl «grösste Effizienzsteigerungsprogramm der kantonalen Verwaltung». «Dies passiert nicht einfach so, vielmehr ist es ein Prozess. Neben der neuen Infrastruktur braucht es neue Abläufe, neue Arbeitsweisen, letztlich eine neue Unternehmenskultur», so Wyss. Der Startschuss zu diesem Prozess müsse möglichst rasch und noch vor dem Baustart erfolgen – es werde die kantonale Verwaltung grundlegend reformieren. «Und das ist auch gut so.»

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