Kantonaler Entwicklungsschwerpunkt: So will das Seetal weiterkommen

In Hochdorf und Römerswil wollen sich Firmen entwickeln. Doch die Politik ist noch nicht so weit.

Ernesto Piazza
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Im Fokus der kantonalen Entwicklung: die sechs Hektaren Römerswiler Boden vor den Toren Hochdorfs. (Bild: Dominik Wunderli, 16. Juli 2019)

Im Fokus der kantonalen Entwicklung: die sechs Hektaren Römerswiler Boden vor den Toren Hochdorfs. (Bild: Dominik Wunderli, 16. Juli 2019)

Die Region Seetal verfügt über einen kantonalen Entwicklungsschwerpunkt (ESP). Dieser legt fest, wo zusätzliche Arbeitsplätze und Wohnräume entstehen sollen. Im Seetal liegt er im Industriegebiet Hochdorf/Römerswil. Doch weil sich dieser nicht an der Y-Achse und somit weg von der Autobahn befindet, habe das Gebiet nicht den Stellenwert, den es verdiene, moniert Cornelius Müller, Geschäftsführer des Gemeindeverbandes Idee Seetal. Im Vergleich zu anderen Regionen fehlt ihm «die Gleichbehandlung». Und so fordert Müller: «Der erwähnte Schwerpunkt ist nicht nur möglichst schnell, sondern vor allem für die Standortgemeinden, Unternehmen und Grundeigentümer optimal und gewinnbringend zu entwickeln.»

Beim erwähnten Seetaler Entwicklungsschwerpunkt geht es auf Römerswiler Boden vor allem um etwa 60'000 Quadratmeter unbebautes, in der Arbeitszone liegendes Land (siehe Grafik).

Die Fläche grenzt teilweise an Hochdorfer Gemeindegebiet. Darauf will die Firma 4B die Betriebstätigkeit ihrer Tochter Talsee AG erweitern. Zudem plant das Unternehmen, mit einer Mischzone – was eine Umzonung bedingen würde – zusätzlich Wohnraum zu realisieren. Der Römerswiler Gemeindepräsident Urs Schryber (CVP) erklärt dazu: «In dieser Zone sind Gebäude mit weniger als drei Stockwerken nicht zugelassen.» Das sei auch ein Beitrag an das verdichtete Bauen. Momentan liegen die Römerswiler Unterlagen des überarbeiteten Bau- und Zonenreglements zur Vorprüfung beim Kanton. Schryber hofft, dass die Investoren «zeitnah ein Projekt erarbeiten können». Dabei müsse es das Ziel sein, «die möglichst optimalste Lösung für alle Beteiligten zu finden».

Hochdorf will für Mischzone Hand bieten

Auf Hochdorfer Boden befindet sich das besagte Entwicklungsgebiet ebenfalls in der Arbeitszone. «Römerswil hat bei uns angefragt, wie wir dazu stehen», erklärt Gemeinderat Roland Emmenegger (FDP). Er sagt: «Der Gemeinderat ist für eine Entwicklung zu einer Mischzone offen.» Dabei streicht der Bauvorsteher vor allem zwei Punkte heraus. Zum einen gehe es bei der Entwicklung um das Bahnhofareal – und hier speziell darum, ob eine Mobilitätszentrale realisiert werde.

Zum andern existiere für das Gebiet vom Bahnhof bis zur Ziegelei bereits eine Machbarkeitsstudie. Involviert sind dabei Unternehmen wie Balthasar, Manor oder die Ziegelei. «Über eine allfällige Umsetzung entscheiden die Grundeigentümer, mit welchen wir eine vertrauensvolle Gesprächskultur führen.» Hochdorf hat im Gebiet Turbi noch eigene Landreserven. «Hierfür gehen immer wieder Anfragen von Interessierten ein», so der Bauvorsteher.

Hochdorf und Römerswil sind sich bezüglich kantonalem Entwicklungsschwerpunkt also einig. Der Römerswiler Gemeindepräsident Urs Schryber erklärt: «Zwischen uns besteht ein gemeinsamer Schulterschluss.» Das bestätigt auch Emmenegger. Und dieses Thema wird in Hochdorf auch Auswirkungen auf die anstehende Zonenplanänderung haben. Im Herbst will der Gemeinderat informieren und im nächsten Jahr an der Urne abstimmen lassen.

Idee Seetal koordiniert die Projekte

Beim Entwicklungsschwerpunkt Hochdorf/Römerswil sieht sich die Idee Seetal in einer koordinierenden Rolle. Dennoch misst sie dem Thema «eine sehr hohe Bedeutung» bei, wie Geschäftsführer Cornelius Müller sagt. Dies hätten die Delegierten aller Verbandsgemeinden mit der Genehmigung der neuen Strategie und der Grundlagenpapiere des Entwicklungsträgers mehrfach bestätigt.

Der Idee Seetal-Geschäftsführer kann zwar verstehen, dass das Unternehmen 4B das erwähnte Projekt vorantreiben will. Und auch die Kantonale Dienststelle Raum und Wirtschaft «ist mit dem Vorgehen einverstanden», erklärt deren Leiter Sven-Erik Zeidler. Zur gegebenen Zeit werde man die Abklärungen und Planungsergebnisse prüfen. Trotzdem sagt Müller: Eine für das Projekt benötigte Umzonung sei nur mit einer Anpassung des Regionalen Richtplans Seetal möglich.

In dem Zusammenhang weist er auch auf den kantonalen Richtplan hin. Die darin vorgesehene Kooperationsvereinbarung, die für den ganzen Perimeter des kantonalen ESP Gültigkeit hat, ist nach wie vor pendent. Diese betrifft im vorliegenden Fall als federführende Stellen die kantonale Dienststelle Raum und Wirtschaft und die beiden Gemeinden Hochdorf und Römerswil sowie die Idee Seetal als mitbeteiligter Player.

Kanton will zuerst Klarheit über Umfahrung

Dass diese Kooperationsvereinbarung noch nicht existiert, begründet Zeidler damit, «dass aus Sicht des Kantons zuerst klar sein sollte, welche Umfahrungsvariante mit der Kantonsstrasse konkret weiter verfolgt werden soll». Das Projekt ist nun im Topf A des Bauprogramms 2019 bis 2022. Müller sagt hingegen dazu: «Eine solche Vereinbarung würde den Gemeinden und vor allem den Grundeigentümern Sicherheit geben – gerade in Bezug auf Anpassungen beim regionalen Richtplan.» So regelt sie insbesondere Punkte wie die Entwicklungsabsichten, die planerischen Instrumente, die Erschliessung oder das operative Gebietsmanagement. Und weiter erklärt Müller: «Es ist sehr bedauerlich, dass bis heute trotz mehrmaligem Versuch der Idee Seetal die Federführung und Abstimmung seitens des Kantons und der beiden Standortgemeinden fehlt.» Es brauche den Schulterschluss aller Beteiligten.

Für Zeidler «ist und bleibt der ESP Hochdorf-Römerswil von kantonalem Interesse». Das Seetal werde vom Kanton nicht stiefmütterlich behandelt. Deswegen begrüsse man auch, dass die beiden Gemeinden zusammen mit der Firma 4B und der Idee Seetal zukünftige Planungsszenarien abklärten. Cornelius Müllers Eindruck ist hingegen ein anderer: «Bei der Entwicklung der Regionen setzt der Kanton ausschliesslich auf die Gemeinden an der Y-Achse.»