KANTONSGERICHT: Staatsanwältin: «Er liess kaum ein Delikt aus dem Strafkatalog aus»

Ein 39-jähriger Kroate wollte nicht ins Gefängnis – und hat Berufung eingelegt. Der Schuss könnte nach hinten losgehen, denn die Anklage hat bei der Berufungsverhandlung den Strafantrag noch um ein Jahr erhöht.

Roger Rüegger
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BEZAHLUNG, APP, SMARTPHONE, HANDY, NATEL, BARGELDLOSES BEZAHLEN, MOBILTELEFON, BARGELDLOS, (Bild: Keystone)

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Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft lesen sich wie Kurzkrimis. Fast auf jeder Seite des Dossiers ist ein Delikt aufgeführt. Der 39-jährige Kroate zeichnete sich gemäss Anklage durch Ideenreichtum aus. So schloss er zahlreiche Mobiltelefonverträge mit verschiedenen Anbietern ab. Dies tat er im Namen einer Gesellschaft, die er zuvor erworben hatte. Er bestellte auch Waren auf Rechnung, ohne diese jemals zu bezahlen. Auf seinen Namen schloss er drei weitere Handy-Verträge ab. Dies tat er im Lauf der Zeit im Namen mehrerer Firmen und Namen. Den Mobilfunkanbietern und anderen Unternehmen bescherte er Schäden von 84 000 Franken.

In fünf Fällen täuschte er ab Januar 2010 zudem vor, an einem Verkehrsunfall beteiligt gewesen zu sein. Er füllte Unfallprotokolle aus und reichte diese bei Versicherungen ein. Drei bezahlten, obwohl die beschriebenen Schäden nicht bei den Unfällen entstanden waren. Diese Tricks kosteten die Versicherungen 45 000 Franken. Für diese und zahlreiche andere Delikte wurde er vor einem Jahr vom Kriminalgericht zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 6 Monaten verurteilt.

Der Verteidiger erklärte an der Berufungsverhandlung am Luzerner Kantonsgericht, sein Mandant gebe zu, dass es sich um Betrug handelte. Er sei jedoch nicht wissentlich beteiligt gewesen. Es habe sich um ein Versehen gehandelt. Zu den Verträgen mit den Handys gab er an, dass die Telefonanbieter zu naiv gewesen seien. «Die müssen abklären, an wen sie Geräte abgeben, und sich versichern, dass Zahlungen getätigt werden.» Die Anklage wegen Betrugs sei fallen zu lassen.

Unrechtmässig Treibstoff für 30 000 Franken bezogen

Der Beschuldigte wurde vom Kriminalgericht für Diebstahl, Hehlerei und Hausfriedensbruch verurteilt. Ein Beispiel: Als Angestellter einer Firma verfügte er im Juni 2012 über eine Tankkarte, die auf den Arbeitgeber lief. Als das Arbeitsverhältnis nach einem Konflikt aufgelöst wurde, bezog er mit der Karte weiterhin Benzin und Diesel – für 27 585 Franken innerhalb von wenigen Tagen. Er verkaufte den Treibstoff an verschiedene Personen und Firmen weit unter dem Säulenpreis.

Der Verteidiger tat sein Bestes, um den zweifachen Vater so gut wie möglich dastehen zu lassen, und versuchte, das Urteil abzufedern. Er beantragte diverse Freisprüche. Sein Mandant habe in der vierten Untersuchungshaft Lehren gezogen. Eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten unter Anrechnung von 705 Tagen, die er verbüsst habe, sei angemessen.

Die Staatsanwältin sah die Sache anders: «Der Beschuldigte bestellte alles, was das Herz begehrte, obwohl er wusste, dass er nicht genügend Kapital hatte, um zu bezahlen. Er war ein Meister im Lügen und Betrügen und liess kaum ein Delikt aus dem Strafkatalog aus.» Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 6 Monaten. Die Deliktsumme in drei Jahren betrug rund 700 000 Franken.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch