Kantonsrat
«Das Zeughaus ist ein totes Pferd» – neuer Museumsstandort steht unter Beschuss

Die Luzerner Regierung will das Historische und das Naturmuseum im alten Zeughaus zusammenführen. Im Kantonsrat hat der geplante Standort einen schweren Stand.

Reto Bieri
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Die Luzerner Regierung will das Naturmuseum (Bild) und das Historische Museum ins Zeughaus umquartieren.

Die Luzerner Regierung will das Naturmuseum (Bild) und das Historische Museum ins Zeughaus umquartieren.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 28. Januar 2021)

Der Luzerner Regierungsrat will das Historische sowie das Naturmuseum vom bisherigen Standort am Kasernenplatz ins alte Zeughaus verlegen. Dies führte in den letzten Monaten zu harschen Reaktionen aus Politik und der Gesellschaft. Am Dienstag hat der Kantonsrat das Thema im Rahmen von insgesamt drei Vorstössen diskutiert. Sie wurden von den beiden Kantonsrätinnen Helene Meyer-Jenni (SP, Kriens) und Claudia Huser Barmettler (GLP, Luzern) eingereicht.

Die GLP sei damit einverstanden, dass es fürs Zeughaus eine Lösung brauche und der bisherige Standort der Museen für die Gerichtsmeile eine gute Lösung sei, sagte Huser. Man hinterfrage allerdings die Kosten. Der Umzug löst Investitionskosten von rund 35 Millionen Franken ins alte Zeughaus aus, die Betriebskosten steigen ebenfalls. Auch sei die Erreichbarkeit mit dem ÖV nicht optimal, weiter fehle Raum zur Lagerung von Kulturgütern. Huser stört sich zudem daran, dass die Regierung keine anderen Standorte ernsthaft evaluiert habe.

«Freie Hand für die Gerichtsmeile»

Für Helene Meyer sind 3,5 Millionen Franken für den hindernisfreien Zugang im alten Zeughaus zu viel Geld und am falschen Ort eingesetzt. Dem Projekt drohe Schiffbruch und der Verlust von viel Zeit und Geld. Josef Schuler (SP, Hitzkirch) hat den Eindruck, man wolle das Museum schnell verlagern, um freie Hand für die Gerichtsmeile zu haben.

Für Korintha Bärtsch (Grüne, Luzern) ist das Risiko für ein Scheitern gross, insbesondere, weil das Parlament der Stadt Luzern signalisiert habe, der notwendigen Umzonung für die Gerichtsmeile nicht zuzustimmen. «Kanton und Stadt sollen sich zusammensetzen und eine Standortevaluation durchführen.» «Das Zeughaus zeigt als Standort keine guten Resultate», sagte Urban Sager (SP, Luzern). An die Regierungsräte Marcel Schwerzmann und Reto Wyss gerichtet sagte Sager: «Das Zeughaus als Standort ist ein totes Pferd, steigen Sie bitte ab.»

Verkehrshaus bringt Synergien

Laut Franz Räber (FDP, Emmenbrücke) werden die Konzepte für das neue Museum «hart und vernichtend beschossen». Die Idee von Kantonsrat Gaudenz Zemp (FDP, St.Niklausen) für einen Standort beim Verkehrshaus sei bestechend und bringe Synergien, so Räber weiter. Die SVP stellt sich laut Kantonsrat Armin Hartmann (Schlierbach) hinter die Pläne des Zeughauses als Museum.

Gaudenz Zemp hat den Eindruck, es werde rückwärts geplant. «Man hat ein leeres Gebäude zu füllen und entwickelt die Bedürfnisse, die dazu passen, anstatt umgekehrt.» Gute Noten stellt Zemp dem Museumskonzept aus. «Man spürt den Geist des Aufbruchs.» Nun müsse man schauen, was für eine Infrastruktur es brauche. Am Standort Zeughaus zweifelt Zemp. «Wir sollten die Museen in die Zukunft führen und nicht in ein Haus aus dem Mittelalter.»

Gespräche zwischen Stadt und Kanton gefordert

Wie viele andere Redner forderte auch die Mitte von der Regierung, mit dem Luzerner Stadtrat im Gespräch zu bleiben. «Mit Blick auf weitere grosse Projekte wie den Durchgangsbahnhof und das neue Theater brauche es eine konstruktive Zusammenarbeit», sagte Priska Häfliger (Mauensee).

Regierungsrat Reto Wyss (Mitte) betonte, der Regierungs- und der Stadtrat seien in regem Austausch, es bestehe definitiv keine Eiszeit. Doch einen alternativen Standort zu finden, sei nicht einfach. An allen Standorten würden zudem erhebliche Kosten entstehen. «Auch am bisherigen Standort fallen Investitionskosten an, die Gebäudehülle und -technik sind veraltet.» Ein Raum für die Kulturgüter müsse sich zudem nicht an bester Lage mitten in der Luzern befinden.

Nicht die gleiche Zielgruppe

Auch Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos) betonte, Stadt- und Regierungsrat würden sich regelmässig austauschen. Über das Verkehrshaus als alternativen Standort habe man mit den Verantwortlichen schon lange diskutiert. Das Problem sei: Museen wie das Naturmuseum seien in der Regel regional ausgerichtet, das Verkehrshaus hingegen national. «Sie haben also nicht die gleiche Zielgruppe.»

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