KANTONSRAT: Gemeinden können zu Deutschkursen verpflichten – wenn sie wollen

Der Luzerner Kantonsrat will den Gemeinden die Möglichkeit geben, Kinder schon vor der obligatorischen Schulzeit zum Besuch von Deutschangeboten zu verpflichten. Er hat am Montag eine Revision des Volksschulbildungsgesetzes nach zweiter Lesung gutgeheissen.

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In dieser Spielgruppe erhalten fremdsprachige Kinder eine spezielle Sprachförderung. (Bild: Manuela Jans/ Neue LZ)

In dieser Spielgruppe erhalten fremdsprachige Kinder eine spezielle Sprachförderung. (Bild: Manuela Jans/ Neue LZ)

Einziger Diskussionspunkt war in der zweiten Lesung die Sprachförderung von fremdsprachigen Kindern, deren Deutschkenntnisse für den Besuch der Primarschule ungenügend sind. Das Parlament hatte in der ersten Lesung entschieden, dass die frühe Sprachförderung keine verbindliche Aufgaben der Gemeinden sein solle.

Gemeinden können aber Kinder verpflichten, im Jahr vor dem obligatorischen Schuleintritt ein Angebot der frühen Sprachförderung zu besuchen. Die Eltern können zur Mitfinanzierung der Sprachförderung verpflichtet werden.

Von freisinniger Seite kam unerwartet Opposition zu dieser Regelung, die in der vorberatenden Kommission noch oppositionslos genehmigt worden war. Gaudenz Zemp (FDP, St. Niklausen) sagte, die Sprachförderung gehöre nicht zur Schule, sondern sei eine vorschulische Integrationsmassnahme. Die neue Regelung solle deswegen wieder gestrichen werden.

Wenig Verständnis für FDP

Unterstützt wurde die FDP nur von der SVP. Es sei fragwürdig, wenn jetzt plötzlich der erarbeitete Konsens hinterfragt werde, sagte Thomas Grüter (CVP, St. Urban). Der Schulerfolg sei von den Deutschkenntnissen abhängig, sagte Andy Schneider (SP, Rothenburg).

Es brauche eine gesetzliche Grundlage, damit die Gemeinden die Kinder zum Besuch eines Deutschkurses und die Eltern zu einer finanziellen Beteiligung verpflichten könnten, wurde der FDP entgegengehalten. Es dürfe nicht sein, dass man sich erst beim Schuleintritt um die Sprachkenntnisse kümmere.

Bildungsdirektor Reto Wyss hielt von der FDP-Begründung ebenfalls wenig. Diese sei nicht sehr nahe an der Realität, sagte er. Der Kantonsrat sprach sich mit 66 zu 47 Stimmen für die Beibehaltung der Entscheidungen der ersten Lesung aus.

Nach erster Lesung hatte der Kantonsrat die Revision des Volksschulgesetzes in der Schlussabstimmung mit 97 zu 0 Stimmen genehmigt. Nach zweiter Lesung fiel die Zustimmung mit  112 zu 0 Stimmen  nicht weniger eindeutig aus. (sda)