KANTONSRAT: Grünen fehlt das Kerngeschäft

Die Grünen büssen zwei Sitze ein. Die Co-Präsidentin macht dafür unter anderem die tiefe Wahlbeteiligung verantwortlich, der Politologe ortet das Problem woanders.

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Grüne Themen haben es heute laut einem Politologen schwerer als auch schon. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Grüne Themen haben es heute laut einem Politologen schwerer als auch schon. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Evelyne Fischer

Für die Grünen war der Sonntag ein Debakel: Sowohl im Wahlkreis Luzern-Stadt als auch in jenem von Luzern-Land büssten sie je einen Sitz ein. Abgewählt wurden Heidi Rebsamen (Luzern) und Nino Froelicher (Kriens). «Die Verluste in unseren Stammlanden schmerzen sehr», sagt Katharina Meile, Co-Präsidentin der Grünen. Wie es dazu kommen konnte, wollte der Parteivorstand gestern Abend genauer analysieren. Eines sei für sie aber schon jetzt klar: «Die tiefe Wahlbeteiligung von 38,7 Prozent sprach gegen uns.» Die Grünen hätten ihrer Meinung nach «einen lustvollen Wahlkampf» betrieben. Doch: «Trotz guter Arbeit während der vergangenen Legislatur, Standaktionen, Postkarten, Plakaten und Präsenz in den sozialen Medien konnten wir die Bürger bei den kantonalen Wahlen offenbar zu wenig mobilisieren.»

Kampfzone Agglomeration

Zum gleichen Schluss kommt Politologe Mark Balsiger: «Es gelang den Grünen nicht, ihr Potenzial auszuschöpfen. Stammwähler machen nur eine bescheidene Masse aus.» Dass es ausgerechnet in Luzern-Stadt und Luzern-Land zu Sitzverlusten kam, überrascht Balsiger nicht. In der Stadt kannibalisiere sich das linke Lager seit jeher gegenseitig. «Die neuen Kampfzonen aller Parteien sind die Agglomerationen. Hier haben die Grünen und die SP Probleme, sich zu behaupten und zu wachsen – ganz im Gegensatz zur SVP.» Während die Grünen etwa in Kriens 2,45 Prozent Wählerstärke einbüssten, legte die SVP um 3,69 Prozent zu.

Die Wahlbeteiligung für die Verluste verantwortlich zu machen, sei problematisch, so Balsiger. «Etwa 80 Prozent der Schweizer machen mindestens einmal alle vier Jahre von ihrem Stimm- und Wahlrecht Gebrauch. Unser Land ist mit dieser Quote weltweit in der Spitzengruppe.» In einer Legislatur könne man bis zu einem Dutzend Mal bei Sachvorlagen mitentscheiden. Die Wahlbeteiligung isoliert zu betrachten, sei verfehlt.

Grüne Themen «nicht so sexy»

Wo sich Balsiger und Meile einig sind: Die «politische Grosswetterlage» kann Wahlen wesentlich beeinflussen. «Grüne Themen sind momentan nicht so sexy», sagt Meile. «Frankenstärke und Eurokrise überschatteten ökologische und soziale Fragen. Es gelang uns zu wenig, deren Bedeutung in den Vordergrund zu rücken.» Und Politologe Balsiger fügt an: «National gesehen, profitierten die Grünen lange von Themen, in denen sie als kompetent wahrgenommen wurden.» Die Wahlen von 2003 und 2007 standen im Zeichen des Klimawandels, einen Monat vor den Wahlen 2011 ereignete sich die Katastrophe von Fukushima. «Doch als damals Bundesrat und Parlament den Atomausstieg beschlossen, verloren die Grünen quasi über Nacht ihr Kerngeschäft. Sie galten als Anti-AKW-Partei par excellence.»

Dass die Grünen seither nicht vom Fleck gekommen sind, zeigten die kantonalen Wahlen der letzten dreieinhalb Jahre: «Fünfmal legten sie zu, elfmal mussten sie Verluste hinnehmen.» Mit Volksinitiativen wie «Grüne Wirtschaft» oder «Fair Food» versuche die Partei nun bewusst, frische Themen zu bewirtschaften. Doch damit man den Grünen dort Kompetenz zuschreibe, brauche es langjährige Aufbauarbeit.

Am Ball bleiben wollen die Grünen in Luzern denn auch – trotz reduzierter Kräfte, so Katharina Meile. «Es kommt viel Arbeit auf die Fraktion zu.»

Die Luzernerinen und Luzerner haben am 29. März das Kantonsparlament neu bestellt. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
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Bild: cv
Markus Baumann (GLP), Luzern (Bild: pd)
Michèle Bucher (Grüne), Luzern (Bild: pd)
Marcel Budmiger (SP), Luzern (Bild: pd)
Hasan Candan (SP), Luzern (Bild: pd)
Ylfete Fanaj (SP), Luzern (Bild: pd)
Markus Gehrig (CVP), Luzern (Bild: pd)
Andrea Gmür-Schönenberger (CVP), Luzern (Bild: pd)
Damian Hunkeler (FDP), Luzern (Bild: pd)
Katharina Meile (Grüne), Luzern (Bild: pd)
Andreas Moser (FDP), Luzern (Bild: pd)
Pirmin Müller (SVP), Luzern (Bild: pd)
Giorgio Pardini (SP), Luzern (Bild: pd)
Stefan Roth (CVP), Luzern (Bild: pd)
David Roth (SP), Luzern (Bild: pd)
Thomas Schärli (SVP), Luzern (Bild: pd)
Norbert Schmassmann (CVP), Luzern (Bild: pd)
Hans Stutz (Grüne), Luzern (Bild: pd)
Herbert Widmer (FDP), Luzern (Bild: pd)
Felicitas Zopfi (SP), Luzern (Bild: pd)
Daniel Wettstein (FDP), Luzern, neu. (Bild: PD)
Patrick Hauser (FDP), Adligenswil, neu. (Bild: PD)
Claudia Huser Barmettler (GLP), Luzern, neu. (Bild: PD)
Beat Züsli (SP), Luzern, neu. (Bild: PD)
Dieter Haller (SVP), Luzern, neu. (Bild: PD)
Lisa Zanolla (SVP), Luzern, neu. (Bild: PD)
Bild: cv
Erwin Arnold (CVP), Buchrain (Bild: pd)
Claudia Bernasconi (CVP), Greppen (Bild: pd)
Urs Brücker (GLP), Meggen (Bild: pd)
Ruedi Burkard (FDP), Horw (Bild: PD)
Räto B. Camenisch (SVP), Kriens (Bild: pd)
Johanna Dalla Bona-Koch (FDP), Kriens (Bild: PD)
Peter Fässler (SP), Kriens (Bild: PD)
Daniel Gasser (CVP), Ebikon (Bild: pd)
Franz Gisler (SVP), Greppen (Bild: pd)
Michèle Graber (GLP), Udligenswil (Bild: pd)
Gianmarco Helfenstein (CVP), Luzern (Bild: pd)
Irene Keller (FDP), Vitznau (Bild: PD)
Daniel Keller (SVP), Udligenswil (Bild: pd)
Barbara Lang-Schnarwiler (SVP), Hellbühl (Bild: pd)
Jörg Meyer (SP), Adligenswil (Bild: PD)
Guido Müller (SVP), Ebikon (Bild: pd)
Marlene Odermatt (SP), Adligenswil (Bild: PD)
Christina Reusser (Grüne), Ebikon (Bild: pd)
Heidi Scherer (FDP), Meggen (Bild: PD)
Ruedi Stöckli (SVP), Meierskappel (Bild: pd)
Michael Töngi (Grüne), Kriens (Bild: pd)
Paul Winiker (SVP), Kriens (Bild: pd)
Marcel Zimmermann (SVP), Horw (Bild: pd)
Peter Zurkirchen (CVP), Schwarzenberg (Bild: pd)
Daniel Piazza (CVP), Malters, neu. (Bild: PD)
Christine Kaufmann-Wolf (CVP), Kriens, neu. (Bild: PD)
Marlis Krummenacher (CVP), Root, neu. (Bild: PD)
Ruedi Amrein (FDP), Malters, neu (Bild: PD)
Gaudenz Zemp (FDP), Horw, neu. (Bild: PD)
Helene Meyer-Jenni (SP), Kriens, neu. (Bild: PD)
Bild: cv
Robi Arnold (SVP), Mehlsecken (Bild: pd)
Christian Graber (SVP), Grossdietwil (Bild: pd)
Tony Graber (SVP), Schötz (Bild: pd)
Willi Knecht (SVP), Geiss (Bild: pd)
Martin Krummenacher (SP), Willisau (Bild: pd)
Urs Kunz (CVP), Luthern (Bild: pd)
Erich Leuenberger (FDP), Nebikon (Bild: pd)
Inge Lichtsteiner (CVP), Egolzwil (Bild: pd)
Urs Marti (CVP), Zell (Bild: pd)
Hildegard Meier (FDP), Willisau (Bild: pd)
Ludwig Peyer (CVP), Willisau (Bild: pd)
Marlis Roos Willi (CVP), Geiss (Bild: pd)
Helen Schurtenberger (FDP), Menznau (Bild: PD)
Franz Wüest (CVP), Ettiswil (Bild: pd)
Thomas Grüter (CVP), Egolzwil, neu. (Bild: PD)
Philipp Bucher (FDP), Dagmersellen, neu. (Bild: PD)
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Rolf Bossart (SVP), Schenkon (Bild: PD)
Hedy Eggerschwiler (CVP), Buttisholz (Bild: pd)
Charly Freitag (FDP), Gunzwil (Bild: pd)
Priska Galliker (CVP), Knutwil-St. Erhard (Bild: pd)
Armin Hartmann (SVP), Schlierbach (Bild: PD)
Andreas Hofer (Grüne), Sursee (Bild: pd)
Yvonne Hunkeler (CVP), Grosswangen (Bild: pd)
Raphael Kottmann (CVP), Oberkirch (Bild: pd)
Pius Müller (SVP), Ruswil (Bild: PD)
Samuel Odermatt (GLP), Sursee (Bild: pd)
Angela Pfäffli-Oswald (FDP), Grosswangen (Bild: pd)
Rosy Schmid (FDP), Hildisrieden (Bild: pd)
Jost Troxler (SVP), Mauensee (Bild: PD)
Priska Wismer-Felder (CVP), Rickenbach (Bild: pd)
Yvonne Zemp Baumgartner (SP), Sursee (Bild: pd)
Gerda Jung (CVP), Hildisrieden, neu. (Bild: PD)
Roger Zurbriggen-Rüttimann (CVP), Neuenkirch, neu. (Bild: PD)
Hanspeter Bucheli-Brunner (CVP), Ruswil, neu. (Bild: PD)
Jim Wolanin (FDP), Neuenkirch, neu. (Bild: PD)
Georg Dubach (FDP), Triengen, neu. (Bild: PD)
Franz Grüter (SVP), Eich, neu. (Bild: PD)
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Rolf Born (FDP), Emmen (Bild: PD)
Franz Bucher (CVP), Baldegg (Bild: pd)

Die Luzernerinen und Luzerner haben am 29. März das Kantonsparlament neu bestellt. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Das Triumphirat des Wahlsonntags: Reto Wyss (CVP), Guido Graf (CVP) und Robert Küng (FDP, von links). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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Sie lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Regierungsratskandidat Paul Winiker (Mitte) und Finanzdirektor Marcel Schwerzmann. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Robert Küng wird im ersten Wahlgang mit den zweitmeisten Stimmen wiedergewählt. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Erste Gratulation zur Wiederwahl. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der wiedergewählte Regierungsrat Guido Graf. Er erzielte mit 61'451 Stimmen das beste Resultat aller Kandidaten. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Die drei wiedergewählten Regierungsräte (v.l.n.r.) Reto Wyss (CVP), Guido Graf (CVP), Robert Küng (FDP). (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Marcel Schwerzmann (parteilos) ist im ersten Wahlgang nicht wiedergewählt worden. Ihm fehlten knapp 6000 Stimmen. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Marcel Schwerzmann betrachtet Informationen auf dem Smartphone. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Paul Winiker erhält (oder spendet?) Trost nach dem erfolglosen ersten Wahlgang. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Felicitas Zopfi wurde im ersten Wahlgang nicht in den Regierungsrat gewählt. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Felicitas Zopfi mit angeregten Gesprächspartnerinnen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Trotzdem – oder erst recht: Blumen für Felicitas Zopfi. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Michael Töngi wurde ebenfalls im ersten Wahlgang nicht in den Regierungsrat gewählt. Töngi erzielte 20'241 Stimmen. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Gelassenheit trotz Nichtwahl: Michael Töngi, hier im Gespräch mit seinem Lebenspartner Thomas Schlepfer (links) und dessen Tante Yvonne Zwicker. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Lachende Krienser CVP-Frauen: die neuen Kantonräte Christine Kaufmann-Wolf (links) und Kandidatin Anita Burkhardt. (Bild: Corinne Glanzmann/ Neue LZ)
Irina Studhalter verfolgt auf dem Bildschirm die Resultate. Studhalter erzielte 11'808 Stimmen. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Regierungsratskandidatin Irina Studhalter im Kreis iher Familie (von links): Silvia Huber, Irina, Christof und Jona Studhalter. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die Familie Studhalter im Banne des Resultate-Beamers. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die amtierenden Regierungsmitglieder im Anmarsch. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Interessiert werden die neusten Wahlergebnisse auf den zwei öffentlichen Computern verfolgt. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Die räumlichen Verhältnisse im Lichthof des Regierungsgebäudes sind etwas beschränkt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Den Kantonsratssaal haben Medienleute in Beschlag genommen. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Ein Radiomoderator bereitet seine Berichterstattung im Kantonsratssaal des Regierungsgebäudes vor. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Interessiert beobachten die beiden Männer das Geschehen im Lichthof. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Die Anwesenden verfolgen im Lichthof die Resultate auf einer Leinwand. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Immer mehr Menschen strömen in den Lichtof des Regierungsgebäudes. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Vorbildlich: Jemand von den jungen Grünen fuhr gleich mit dem Fahrrad vor. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Politiker mischen sich unter die Zuschauer und Medien im Regierungsgebäude. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Was läuft? Auf den Mobilgeräten verfolgen Interessierte die neusten Trendmeldungen. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Regierungsrätin Yvonne Schärli ist dieses Jahr nicht mehr als Kandidatin angetreten. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Politiker verfolgen die Wahlresultate. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Resultate werden verfolgt. auf dem Handy … (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
… oder an den Bildschirmen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Betrachtungen … (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
… Diskussionen und Interpretationen, … (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
… Informationen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die Blicke vieler Anwesenden richten sich nach oben, zum Bildschirm mit den aktuellen Zwischenresultaten. (Bild: Corinne Glanzmann/ Neue LZ)
Die Blicke vieler Anwesenden richten sich nach oben, zum Bildschirm mit den aktuellen Zwischenresultaten. (Bild: Corinne Glanzmann/ Neue LZ)
Die Blicke vieler Anwesenden richten sich nach oben, zum Bildschirm mit den aktuellen Zwischenresultaten. (Bild: Corinne Glanzmann/ Neue LZ)
Die Kulisse des Tele 1 steht. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Parteipräsidenten nehmen in Tele1-Aufnahmenische Stellung (von links): Pirmin Jung (CVP), Daniel Gähwiler (SP) und Franz Grüter (SVP) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Fernsehtermin bei Tele1: Peter Schilliger (FDP), Katharina Meile (Grüne) und Laura Kopp (GLP). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Blick in den Lichthof des Regierungsgebäudes. (Bild: Neue LZ / Ramona Geiger)
Draussen vor der Tür geben die drei wiedergewählten Regierungsräte ihre ersten Interviews. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das Triumphirat des Wahlsonntags: Reto Wyss (CVP), Guido Graf (CVP) und Robert Küng (FDP, von links). (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)