KANTONSRAT: Im Seetal wird es keine Talstrasse geben

An der umstrittenen Talstrasse im Seetal wird nicht weiter geplant. Dies hat das Luzerner Kantonsparlament entschieden. Es hielt aber an der Umfahrung Wolhusen fest.

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In Eschenbach wird es keine Umfahrung geben. (Bild: Philipp Schmidli)

In Eschenbach wird es keine Umfahrung geben. (Bild: Philipp Schmidli)

Das Parlament stimmte dem Strassenbauprogramm mit 85 zu 9 Stimmen zu. Nur ein Teil der im Strassenbauprogramm aufgeführten Projekte werden bis 2018 geplant oder gebaut. Diese sind im Topf A eingereiht. Im Topf B sind die Vorhaben, die geplant werden können. Die restlichen Projekte befinden sich im Topf C in Warteposition.

Am meisten zu diskutieren gaben zwei noch nicht spruchreife Strassenprojekte, die je über 100 Millionen Franken kosten dürften. Es handelte sich dabei um die Talstrasse Seetal und die Umfahrung Wolhusen.

Durch die grüne Wiese

Markus Odermatt (CVP, Ballwil) beantragte im Namen der vorberatenden Kommission, das Vorhaben Talstrasse Seetal aufzugeben. Er begründete den Verzicht mit der Opposition in der Region. Es sei im 21. Jahrhundert kaum mehr möglich, eine neue Strasse mitten durch die grüne Wiese zu bauen.

Michael Töngi (Grüne, Kriens) sagte, es sei falsch, Planungsgelder für ein Projekt zu verlochen, das wahrscheinlich nicht realisiert werden könne. Jacqueline Mennel (SP, Hochdorf) bezweifelte den Nutzen der Talstrasse an. Diese würde die Verkehrsprobleme nicht lösen.

Für das Projekt der Talstrasse Hochdorf-Ballwil-Eschenbach sind vier Varianten im Gespräch. Die Gegner der Talstrasse anerkannten, dass die Verkehrsprobleme im Seetal gelöst werden müssten. Es sollten aber statt der Talstrasse neue Massnahme entlang der heutigen Strasse geprüft werden.

Die Befürworter der Talstrasse forderten dagegen, dass die vier Varianten zu Ende geplant würden. Die Seetaler Bevölkerung wolle ein Projekt haben, über das sie entscheiden könne.

Franz Bucher (CVP, Baldegg) und Serge Karrer (CVP, Hitzkirch) konnten die Schlussfolgerung der vorberatenden Kommission, dass die Talstrasse nicht realisiert werden könne, nicht verstehen. Auch Romy Odoni (FDP, Rain) zeigte sich erstaunt, dass wegen einer Gruppe, die sich gegen die Talstrasse formiert habe, das Projekt abgeklemmt werden solle. Damit drohe die Region verkehrspolitisch um Jahre zurückgeworfen zu werden.

Baudirektor Robert Küng sagte, ein Verzicht auf die Talstrasse würde den Richtplänen widersprechen. Es wäre besser, wenn mit einem Minimalaufwand eine Entscheidungsgrundlage erarbeitet würde.

Das Parlament strich mit 56 zu 41 Stimmen die Talstrasse aus dem Strassenbauprogramm, setzte aber im Gegenzug Mittel für alternative Massnahmen ein. Bei der Umfahrung Wolhusen beschloss es mit
56 zu 37 Stimmen, die Planung nicht weiter zu beschleunigen. Mit 70 zu 27 Stimmen lehnte es der Rat aber auch ab, dieses Projekt aus dem Bauprogramm zu streichen.

Keine Beschleunigung

Für die Planung der Umfahrung Wolhusen bleiben somit für die Jahre 2017 und 2018 0,5 Millionen Franken reserviert, für die spätere Projektierung 2,3 Millionen Franken.

Josef Dissler (CVP, Wolhusen) wollte die Projektierungsmittel um 2 Millionen Franken auf 4,3 Millionen Franken erhöhen. Die Umfahrung diene nicht nur Wolhusen, sondern der ganzen Region. Sie sei für die wirtschaftliche Entwicklung von Luzern West richtig. Für Erich Leuenberger (FDP, Nebikon) und die Mehrheit des Parlamentes war aber nicht klar, wieso mehr Geld für die Planung nötig sein soll.

Samuel Odermatt (GLP, Sursee), Marcel Budmiger (SP, Luzern) und Michael Töngi (Grüne, Kriens) zweifelten den Nutzen der Umfahrung grundsätzlich an und wollten das Vorhaben deshalb ganz aufgeben. Es sei nicht möglich, jeden Strassenabschnitt auf die Stosszeiten auszurichten, erklärten sie, fanden damit aber keine Mehrheit. (sda)