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KANTONSRAT: Jung – und an Pforte zur Politik

In der Fraktion der SP sitzen bald die jüngsten Parlamentarierinnen: Fiona Schär (29) wurde im Juni gewählt, Sara Agner (28) rückt im Januar nach. Sie verbindet weit mehr als nur das Alter.
Evelyne Fischer
Die beiden jüngsten Parlamentarierinnen: Fiona Schär (29, links) und Sara Agner (28, beide SP) im Luzerner Regierungsgebäude. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die beiden jüngsten Parlamentarierinnen: Fiona Schär (29, links) und Sara Agner (28, beide SP) im Luzerner Regierungsgebäude. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Inmitten eines Zirkels von Bundfaltenhosen-Trägern legt sie in Jeans das Gelübde ab. An Demos nimmt sie maskiert schon mal einen Regierungsrat auf die Schippe. Nein, auch als SP-Parlamentarierin lässt sich Fiona Schär nicht verbiegen. Im Juni rückte sie im Kantonsrat für Felicitas Zopfi nach. Vier Sessionen sind passé. Ihre Bilanz? «Ich hoffte auf einen Diskurs, musste aber feststellen, dass die Realität anders aussieht», sagt Schär. Die Grafikerin sitzt in einem Stadtluzerner Café, die dunkelbraunen Haare sind vom Regen leicht zerzaust. «Meist haben die Parteien die Parolen gefasst und weichen kaum mehr von ihren Positionen ab.» Die harten Fronten würden Kompromisse oft von Beginn weg verunmöglichen. Dies entspreche nicht ihrem Politikverständnis und sei «scho bitz fruschtrierend». Der St. Galler Dialekt verrät ihre Herkunft auch nach zehn Jahren in Luzern.

Bereits musste Schär eine erste Niederlage einstecken. Es wird nicht die letzte gewesen sein. In der Debatte zur Einführung des Öffentlichkeitsgesetzes blieb ihr Votum ungehört. «Klar war ich enttäuscht», sagt Schär. «Doch ich bin Teil einer Fraktion, Misserfolge werden von dieser mitgetragen.»

Sozialarbeiterin rückt nach

In jenem 16-köpfigen Gremium taucht bei der nächsten Session im Januar ein neues Gesicht auf: jenes von Sara Agner. Die Sozialarbeiterin mit einem 80-Prozent-Pensum tritt in die Fussstapfen von SP-Kantonsrat Martin Krummenacher, der per Ende der Dezembersession demissioniert hat. Agner sicherte sich mit 1801 Stimmen bei den kantonalen Wahlen den ersten Ersatzplatz im Wahlkreis Willisau und wird nun mit 28 die jüngste Parlamentarierin. Sie freue sich auf die Arbeit im Rat, sagt die Dagmersellerin. «Junge, linke Frauen vom Land sind im Parlament nicht gerade übervertreten.»

2010 gründete Agner die Dagmerseller SP-Sektion mit. Die 5000 Einwohner zählende Gemeinde verliess sie nur während ihres Studiums. «Ich schätze es, dass man sich hier noch kennt.» Kürzlich unterzeichnete sie die Petition zur Weiterführung der dortigen Asyl-Notunterkunft. Zusammen mit Theologen und CVP-Politikern. «Ich bin es gewohnt, mich in einem bürgerlichen Umfeld zu behaupten.»

Rückendeckung vom Arbeitgeber

Agner tunkt ihren Teebeutel ins heisse Wasser. Schulterlanger Pagenschnitt, grüner Blazer, wacher Blick. Sie habe nicht gezögert, die Wahl in den Kantonsrat anzunehmen, erzählt sie. «Das ist eine Riesenchance für mich.» Auch wenn damit hohe Erwartungen einhergehen. «Doch als frische Kantonsrätin muss und kann ich noch nicht alles wissen. Wissen muss ich einzig, woher ich die nötigen Infos bekomme.» Sie besucht schon jetzt die Fraktionssitzungen, will die Akten eingehend studieren. «Stell dich schon mal auf ordentlich Post ein», sagt Schär und lacht.

Listenfüllerin schafft den Sprung

Rückendeckung für ihr Polit-Engagement erhielt Agner nicht nur aus dem eigenen Umfeld, sondern auch vom Arbeitgeber. «Die Stadt Langenthal hat mich in meiner Entscheidung sogar bestärkt.» Mehr gezögert hat damals Fiona Schär. Wie schnell der erste Ersatzplatz an Bedeutung gewinne, habe sie «sehr überrascht», zumal sie sich «als Listenfüllerin» gesehen habe. Sie fragte sich, ob das politische Engagement neben ihrem jetzigen Jusstudium – sie steckt mitten im 5. Semester – Platz habe, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sei, ob sie nach zwei Jahren Parteizugehörigkeit bereits genug Sozialdemokratie verkörpere. «Die Antwort darauf gaben mir 3442 Bürger. Sie haben mich gewählt, fühlen sich in mir repräsentiert. Ich war es ihnen schuldig, die Wahl anzunehmen.» Auch habe sie die neue Herausforderung gereizt.

Ihr Slogan hiess damals «Bildung gestaltet – Kultur bildet». Für diese Themen will sie sich auch weiterhin einsetzen. Kopfschüttelnd blickt sie auf die Budgetdebatte zurück. «Dass die Regierung nur schon auf die Idee kam, die Fachklasse Grafik zu schliessen, ist fragwürdig.» Als Absolventin der Hochschule Design und Kunst gehe ihr dies persönlich ans Herz. «In St. Gallen, wo ich meine Matura abgelegt habe, ist Schulgeld ein Fremdwort.» In Luzern wollte man dieses sogar erhöhen. «Wo bleibt da die Chancengleichheit?»

«Frustrationstoleranz» vonnöten

Ins gleiche Horn stösst Sara Agner. «Bildung ist unsere wichtigste Ressource. Hier zu sparen, ist problematisch.» Die schlechte Wirtschaftslage schüre Ängste in der Bevölkerung, verleite dazu, Steuerdiskussionen bei Unternehmen abzublocken. «Gerade die Wirtschaft aber wäre auf Fachkräfte angewiesen.» Für solche Debatten brauche es künftig eine gehörige Portion «Frustrations­toleranz», sagt sie. «Doch bin ich überzeugt, mit guten Argumenten etwas zu erreichen. Ich ticke lösungsorientiert, wenn auch nicht um jeden Preis.»

Auf ihre politischen Ambitionen angesprochen, folgt bei beiden Schulterzucken. Mindestens bis Legislaturende wollen die beiden im Kantonsrat wirken. «Und dann sehen wir weiter», sagt Agner. Schon jetzt ist klar, wofür sich die beiden in den nächsten Monaten mit vollen Kräften einsetzen: Für ein Ja zur Volksinitiative «Für faire Unternehmenssteuern». Entgegen der Haltung der Regierung. Entgegen der Meinung der bürgerlichen Parteien. Als Minderheit werden sie kämpfen. So, wie sie es gewohnt sind.

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