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Kantonsrat rückt leicht nach links: Grüne Welle erreicht auch Luzern

Grüne, GLP und SP können im Luzerner Kantonsparlament kräftig zulegen – auf Kosten der bürgerlichen Parteien. Besonders hart trifft es die SVP und auch die Dominanz der CVP schwindet zusehends.
Evelyne Fischer
Mit Jonas Heeb (21, Zweiter von rechts) schaffen die Jungen Grünen erstmals den Einzug in den Kantonsrat. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 31. März 2019)

Mit Jonas Heeb (21, Zweiter von rechts) schaffen die Jungen Grünen erstmals den Einzug in den Kantonsrat. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 31. März 2019)

Ist es der Klimadebatte geschuldet? Oder hat das Luzerner Stimmvolk schlicht genug vom bürgerlichen Kurs im Kantonsrat? Fakt ist: Nach Zürich geht der Siegeszug der Grünen auch bei den Wahlen in Luzern weiter. Damit rückt das hiesige Parlament leicht nach links (siehe Grafik).

Kaum gerüttelt hat der Souverän allerdings an den Mehrheitsverhältnissen: Mit 34 Sitzen noch immer stärkste Fraktion ist die CVP, gefolgt von SVP (22 Sitze) und FDP (22), neu gleichauf. Zugelegt auf Kosten der Bürgerlichen haben GLP (8 Sitze) und die Linke: Die SP zählt neu 19 Mandate, die Grünen gar deren 14. Eine kleine Sensation schaffen die Jungen Grünen: Sie holen mit Jonas Heeb (Horw) ihr erstes Mandat, womit die Fraktion der Grünen neu 15 Mitglieder umfasst.

Die Grünen samt Jungpartei haben fast 5 Prozent Wähleranteil dazugewonnen. Maurus Frey, Präsident der Grünen, sagt denn auch:

«Wir kommen aus dem Jubeln nicht mehr heraus. Unser Ziel von drei bis vier zusätzlichen Sitzen haben wir weit übertroffen.»

Seine Partei setze sich seit 30 Jahren für den Umweltschutz und einen solidarischen Kanton ein. «Nun wurde unsere Arbeit belohnt.» Frey ist froh, konnte das links-grüne Lager insgesamt wachsen. «Nun ist Schluss mit dem Power-Play der bürgerlichen Parteien.» Die Sitzgewinne alleine der Klimadebatte zuzuschreiben, greift für den Krienser aber zu kurz: «Das Verdikt der linken Wählerschaft ist deutlich: Ihre Sorgen sind im Parlament in den letzten vier Jahren zu wenig gehört worden.»

SP und GLP im Freudentaumel

Auch die SP hat die Korken knallen lassen: Zwei bis fünf Sitze mehr peilten die Sozialdemokraten an. Mit drei zusätzlichen Mandaten habe man weit mehr als das Minimalziel erreicht, sagt Parteipräsident David Roth (Luzern).

«Nach dem Sitzverlust der SP in Zürich mussten wir mit einer Stagnation rechnen.»

Stattdessen stieg die Parteistärke von 11,84 auf 13,84 Prozent. «Ermöglicht hat uns dies die enorme Beteiligung der Basis.» 7000 Telefonate mit Stimmbürgern, 1600 Besuche zuhause. «Dieser direkte Zugang hat uns zum guten Resultat verholfen.»

Eine Punktlandung erzielt die GLP: Angesagt drei, gemacht drei. «Ich bin sehr zufrieden», sagt Parteipräsident Roland Fischer (Udligenswil). Auch bei der Parteistärke legte die GLP von 4,32 auf 6,55 Prozent zu. «Schlicht sensationell», sagt Fischer. Er ergänzt:

«Ein Wachstum in diesem Ausmass hätte ich nicht erwartet. Aber die Bevölkerung ist sich offensichtlich bewusst, dass es nun griffige Massnahmen gegen den Klimawandel braucht.»

Deshalb habe das Stimmvolk die ökologischsten Parteien gestärkt.

Ernüchterung bei SVP, CVP und FDP

Glücklich über das persönliche Resultat (6228 Stimmen), unzufrieden als Parteipräsidentin: Dieses Fazit zieht SVP-Frau Angela Lüthold-Sidler (Nottwil):

«Unser Ziel, die grösste Partei Luzerns zu werden, haben wir klar verpasst.»

Gar den Titel der Nummer zwei muss die SVP nach dem Wegfall von sieben Mandaten mit der FDP teilen. «Ich trage das Resultat mit Fassung. Denn man muss sehen: Alle bürgerlichen Parteien haben Verluste hinnehmen müssen. Nun gilt es zu analysieren, wo es geharzt hat.» Die SVP habe sehr gut mobilisiert. «Aber die Diskussionen rund um den Klimaschutz haben offensichtlich eine entscheidende Rolle gespielt.»

Auch CVP-Kantonalpräsident Christian Ineichen hat befürchtet, «dass die Bewegung der Grünen und der GLP in den urbanen Gebieten Durchschlag haben wird». Zu den vier verlorenen Mandaten sagt er:

«Wir mussten einzelne Federn lassen, aber zum Glück nicht ganze Büschel.»

Das Ziel von zwei zusätzlichen Gewählten hat die CVP klar verpasst. Doch Ineichen sagt, es sei wie beim Differenzler: «Man sagt meist mehr Punkte an, als man tatsächlich macht.» Trotz Verlust von 3,35 Prozent Wähleranteil sei er vom Frust «weit entfernt», sagt der Marbacher. «Wir haben einen sehr guten Wahlkampf geführt.»

Ins Stocken gekommen ist der FDP-Motor: Drei Sitzverluste muss die Partei hinnehmen, davon zwei in der Stadt Luzern. Parteipräsident Markus Zenklusen aus Emmenbrücke sagt:

«Mit Blick auf die Rückschläge bei SVP und CVP sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Aber die beiden verlorenen Mandate in der Stadt schmerzen.»

Der Wähleranteil beträgt neu noch 19,56 Prozent. Was zur fehlenden Unterstützung geführt hat, konnte Zenklusen nicht sagen. «Für die Analyse der Resultate ist es noch zu früh.» Immerhin gibt es aus Sicht der FDP drei Trostpflaster. Erstens: Das Ziel, zweitstärkste Fraktion zu werden, ist erreicht. Zweitens: Die bürgerlichen Parteien präsentieren mit 78 Sitzen noch immer eine satte Mehrheit. Und drittens: Fabian Peter ist mit einem Glanzresultat in die Regierung gewählt worden.

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