KANTONSRAT: Verliert die Mitte weiter an Boden?

Die 120 Sitze im Parlament sind so begehrt wie nie. Besonders unter Druck stehen die grossen Mitteparteien CVP und FDP, die derzeit zusammen noch knapp die Mehrheit halten.

Lukas Nussbaumer
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Hier wird politisiert - Blick von der Tribüne in den Kantonsratssaal im Luzerner Regierungsgebäude. (Bild Pius Amrein)

Hier wird politisiert - Blick von der Tribüne in den Kantonsratssaal im Luzerner Regierungsgebäude. (Bild Pius Amrein)

Lukas Nussbaumer

511 Frauen und Männer werden am Abend des 29. März enttäuscht sein: Sie müssen ihre Nichtwahl in den Kantonsrat verkraften. 120 Kandidaten dagegen dürfen in 24 Tagen anstossen: Sie werden das Volk in der im Juli beginnenden neuen Legislatur vertreten. Genauso sicher ist: Noch nie interessierten sich so viele Frauen und Männer für einen der 120 Sitze im Parlament (siehe Tabelle). Ebenfalls erfreulich: Der Frauenanteil ist nach einer Baisse bei den Wahlen 2011 wieder gestiegen auf 32,5 Prozent, was dem höchsten Anteil seit den Wahlen 1999 entspricht. So hoch wie seit 2003 nicht mehr ist auch die Anzahl der wieder kandidierenden Politiker: 104 der 120 Räte treten erneut an, 17 mehr als bei den Wahlen 2003.

Legen GLP und SVP zu?

Weniger grosse Veränderungen zeichnen sich für den Wahltag vom 29. März ab. Dass CVP und FDP derart stark einbrechen wie 2011, ist genauso unwahrscheinlich wie erneute, massive Gewinne von GLP und SVP (siehe Grafik). Die CVP verlor bei den letzten Wahlen 7 Mandate, die FDP 6. Auf der anderen Seite standen die Gewinne der erstmals antretenden GLP (plus 6) und der SVP, die mit dem Gewinn von 4 Mandaten zur zweitstärksten Kraft nach der CVP aufstieg. Dennoch halten CVP und FDP mit zusammen 62 Sitzen noch immer die knappe Mehrheit im Kantonsrat. Diese könnten sie aber durchaus verlieren, denn auch SP und Grüne wollen zulegen.

SP und Grüne sind es zusammen mit weiteren kleinen Parteien denn auch, die für den massiven Zuwachs an Kandidaten sorgen. Am 29. März stellen sich 631 Personen zur Wahl, 56 mehr als 2011. Die SP setzte 85 Kandidaten auf ihre Listen, 10 mehr als 2011. Auch bei den Grünen ist die Zahl der Kandidaten um 10 auf 81 gestiegen. Dazu trugen auch die BDP (37 Kandidaten, vor vier Jahren 10) und die EVP bei, die bei den letzten Wahlen nicht antrat und heuer mit 10 Personen versucht, zumindest einen Sitz im Kantonsrat zu ergattern. Dass BDP und EVP erstmals in den Kantonsrat einziehen, ist jedoch unwahrscheinlich.

Junge GLP und EVP neu dabei

Bei den grossen Parteien hat sich die Zahl der Kandidaten kaum verändert. Die CVP steigt mit 100 Politikern ins Rennen (2011: 102), die FDP mit 65 (minus 4), die SVP mit 64, gleich vielen wie 2011.

Im Vergleich zu 2011 gesunken ist die Zahl der Listen um 2 auf 15. Nicht mehr vertreten sind die «Groupe Politique 60plus», die Liste «Pro Werkplatz Luzern», die «Aktiven Senioren Luzern» und die Junge SVP. Neu dabei sind die Junge GLP und die EVP.

Sitzverteilung des Kantonsrats 2011. (Bild: Quelle: Staatskanzlei; Grafik: ls)

Sitzverteilung des Kantonsrats 2011. (Bild: Quelle: Staatskanzlei; Grafik: ls)

Kantonsratskandidaten seit 1999. (Bild: Quelle: Lustat Statistik Luzern)

Kantonsratskandidaten seit 1999. (Bild: Quelle: Lustat Statistik Luzern)