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Kantonsratskandidaten: Hitzkircherin ist die Jüngste, ein Stadtluzerner der Älteste

Die Kandidaturen von Sophie Karrer (18) aus Hitzkirch und Rolf Oberhänsli (78) aus Luzern haben ein Ziel: Auf Listen der Juso respektive der SP wollen sie für die Luzerner Kantonsratswahlen mobilisieren. Plakate von ihnen wird man vergebens suchen.
Evelyne Fischer

Sophie Karrer (18) ist die jüngste Kandidatin

(Bild: Pius Amrein, Baldegg, 8. März 2019)

(Bild: Pius Amrein, Baldegg, 8. März 2019)

18, 20 und 1: Drei Zahlen bringen Sophie Karrers Leben momentan auf den Punkt. Gerade volljährig geworden, darf die Hitzkircherin in 20 Tagen erstmals an die Urne – und kann sich gleich selbst wählen.

Sophie Karrer ist die jüngste der 801 Frauen und Männer, die in den Kantonsrat wollen. Sie ist eine von 274 Kandidaten im Alter zwischen 18 und 29; gehört zu den 42, die in den Wahlkreisen Luzern-Stadt, Luzern-Land und Hochdorf auf der Juso-Liste stehen. Die Erfolgschancen? Gleich null. «Im Wahlkreis Hochdorf besitzt die SP einen Wähleranteil von gerade mal 10 Prozent», sagt die Jungsozialistin. Doch das sei halb so schlimm. «Hier gehts nicht um mich, sondern um die Sache.» Konkret: um die Bildung.

«Wir Jungen sind die Problemlöser von morgen. Bei der Bildung zu sparen, ist falsch. Hier werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Daher ist es wichtig, dass es auch junge Kandidaten ins Parlament schaffen.»

Antwortete die Gymnasiastin zuvor oft in Ein-Satz-Aussagen, wechselt sie nun in den Modus einer Sportkommentatorin. Karrer hat miterlebt, wie die Auswahl der Ergänzungsfächer an der Kantonsschule Baldegg von 7 auf 5 schrumpfte, gehörte zu den rund 20'000 Gymnasiasten, Fachmittelschülern und Lehrlingen, denen der Kanton 2016 eine Zwangspause verpasst hatte. «Damals freuten wir uns über die zusätzliche Woche Ferien. Im Nachhinein war diese Sparmassnahme eine einzige Dummheit.»

Jungsozialistin aus einem CVP-Haus

Sophie Karrer, blaue Augen, hellbraunes, wallendes Haar, war gerade mit der Familie in den Bündner Bergen skifahren. Die Jungsozialistin, Vegetarierin und ÖV-Verfechterin, stammt aus einem CVP-Haus: Vater Serge, Rechtsanwalt und Notar, war zehn Jahre Gemeindepräsident von Hitzkirch und von 2013 bis 2015 Kantonsrat. Stehen sich Vater und Tochter beruflich nahe – nach einem Zwischenjahr will sie Jus studieren – fliegen wegen der Politik schon mal die Fetzen. Gemäss der Online-Wahlhilfe Smartvote ist Karrer für die Legalisierung von Cannabis, für höhere Unternehmenssteuern, für mehr Mittel zur Förderung der Biodiversität. «Eher Nein» sagt sie zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, stellt sich klar gegen mehr Videoüberwachung.

«Meine Kandidatur hat daheim für Diskussionen gesorgt, ebenso wie mein Juso-Beitritt vor zwei Jahren», sagt Karrer. «Letztlich überwog aber die Freude über mein politisches Engagement.» Wobei sie lieber im Hintergrund die Fäden ziehe – etwa in der Stadt Flyer verteile oder Unterschriften sammle. «Ich exponiere mich nicht besonders gern.» Ausser im Blauring, wo sie als Gruppenleiterin amtet. Oder auf der Bühne, wenn sie beim Luzerner Voralpentheater in eine Rolle schlüpft. Und eine Figur verkörpert, die eine Botschaft hat. Gerade so, wie wohl ihre Kandidatur zu verstehen ist.

Rolf Oberhänsli (78) ist der älteste Kandidat

(Bild: Nadia Schärli, Luzern, 7. März 2019)

(Bild: Nadia Schärli, Luzern, 7. März 2019)

3 Monate Einsatz, 150 persönliche Kontakte, 300 potenzielle Wähler: Würde man den Wert von Rolf Oberhänslis Kandidatur ermitteln wollen, wären dies die Ziffern dazu. Gemäss seiner Kalkulation lockt jeder der 150 aus seinem Bekanntenkreis mindestens eine weitere Person an die Urne. Ob die Rechnung aufgeht, zeigt sich am 31. März. Wahltag ist Zahltag. Gut die Hälfte ist geschafft. «Leute persönlich anzusprechen oder notfalls anzurufen, ist aufwendig, verspricht aber mehr Erfolg, als bloss E-Mails zu verschicken», sagt der Stadtluzerner, mit 78 der älteste Anwärter fürs Kantonsparlament. 16 der 801 Kandidaten gehören der Ü 70-Fraktion an.

Oberhänsli, graues Kraushaar, spitzbübische Miene, wohnt mit seiner Lebenspartnerin und einer Katze nahe der Hirslanden-Klinik St. Anna, mit Blick aufs Luzerner Seebecken. Bevor er vor 20 Jahren hierher zog, war Oberhänsli Lehrer, arbeitete später unter anderem für das Arbeiterhilfswerk und die Pro Senectute. «Bis 1999 war ich während zwölf Jahren Präsident der SP in Baden, kurz auch Einwohnerrat. Mit dem Umzug nach Luzern zog ich mich aus der Politik zurück», sagt Oberhänsli. Dass sein Name auf der SP-Seniorenliste stehen sollte, tat er zunächst als Bieridee ab. Aus Solidarität lenkte Oberhänsli letztlich ein – und vor allem auch aus Unmut über den Sparkurs des Kantons. Zwangsferien, Kürzung bei der Prämienverbilligung, Erhöhung der Arbeitszeit: Das dürfe sich nicht wiederholen. «Schluss auch mit den Steuergeschenken für Firmen.»

Smartvote rückt ihn zu den jungen Grünen

Der Pensionär sieht sich nicht als Listenfüller, sondern kandidiert im Dienste der Partei. Insgesamt 110 Frauen und Männer haben die Genossen aufgestellt – so viele wie niemand sonst. Über Oberhänsli sagt die Online-Wahlhilfe Smartvote Dinge wie: Er ist gegen die Erhöhung des Rentenalters und für den Ausbau von Betreuungsstrukturen. Gegen die Spange Nord, für mehr Geld bei der Prämienverbilligung. Gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, für mehr Stipendien. «Mit meiner Gesinnung bin ich laut Smartvote den jungen Grünen am nächsten», sagt Oberhänsli und lacht. Ein grosses Anliegen sei ihm die Bildung der Jungen.

«Als Sänger ärgere ich mich besonders über die Knauserei zu Lasten der Musikerziehung.»

Vor allem in diesem Umfeld – der Bassbariton singt im Chor der Nationen Luzern und in der Matthäuskantorei – will er mobilisieren. «Viele versprechen mir, wählen zu gehen», sagt Rolf Oberhänsli. Ob aus blosser Nettigkeit, wisse er halt nicht. Bislang habe seine Kandidatur jedenfalls kein Kopfschütteln ausgelöst, sagt er, lacht erneut. Die Werbetrommel rührt er speziell für die Stadtluzernerinnen Ylfete Fanaj, Judith Dörflinger, Maria Pilotto und Vera Meier. «Es ist mein grosser Wunsch, dass es diese Frauen schaffen.»

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