KANTONSSCHULEN: Kanton privatisiert Mensas

Die Mensas an den Luzerner Kantis werden ausgelagert. Dies hat die Regierung entschieden – trotz grossem Widerstand an den Schulen.

Roseline Troxler
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Die Mensa in der KantonsschuleAlpenquai. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Mensa in der KantonsschuleAlpenquai. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Roseline Troxler

Die Auslagerung der Mensas an sechs Kantis wird auf den 1. Oktober umgesetzt. Künftig wird die SV Schweiz AG die Mensas betreiben. Das Unternehmen betreibt rund 70 Schulmensas. Betroffen von der Privatisierung sind die Gymnasien Alpenquai, Reussbühl, Sursee, Seetal, Willisau und Beromünster, teilte die Regierung gestern mit.

Auch Optimierung wurde geprüft

Bildungsdirektor Reto Wyss erklärt den Entscheid so: «Unsere Kernkompetenz ist Bildung. Nebst einer Auslagerung haben wir auch eine Optimierung der bestehenden Mensas geprüft. Wir sind aber zum Schluss gekommen, dass wir mit einer Optimierung nicht das gleich gute Resultat erzielen.» Von zwölf eingeladenen Unternehmen sind laut Wyss drei Offerten eingegangen. «Die SV Schweiz AG hat uns überzeugt. Besonders wichtig waren die Punkte Qualität, regionaler und saisonaler Einkauf, Kochen vor Ort, Qualitätssicherung, Personalpolitik und die Kosten.»

Zu den Einsparungen sagt Wyss: «Der volle Nutzen der Auslagerung wird sich erst nach drei Jahren zeigen. Ab dem vierten Jahr rechnen wir mit jährlichen Einsparungen von 900 000 Franken.» Die Mensas kosten den Kanton bisher netto 1,2 Millionen Franken pro Jahr.

Von der Privatisierung sind 58 Angestellte betroffen. Laut Mitteilung wird allen Mitarbeitern eine Anstellung beim neuen Anbieter mit einer dreijährigen Lohngarantie angeboten. Schliesst dies Pensenänderungen aus? Wyss: «Die Pensen der Mitarbeiter sind nicht vollumfänglich garantiert. Wir rechnen auch mit einer natürlichen Fluktuation.» Die Auslagerung solle möglichst abgefedert und personalverträglich geschehen. Zur Frage, ob auch die Lohnnebenleistungen wie bisher weitergeführt werden, sagt Wyss: «Die Mitarbeiter werden zu den üblichen Bedingungen angestellt. SV Schweiz AG hat uns diesbezüglich einen guten Eindruck gemacht.» Genau in diesem Punkt aber gibt es von Seiten der Schulen Stimmen, die Zweifel äussern, wie unserer Zeitung vorliegende Schreiben zeigen.

Bei den Menüpreisen soll es laut der Regierung zu keinen grösseren Änderungen kommen. «Die Menüpreise wurden vertraglich fixiert, sodass wir Garantie haben, dass diese nicht beliebig in die Höhe schnellen können. Je nach Standort kann es zu leichten Anpassungen kommen.»

Schüler und Lehrer haben im Vorfeld mit Petitionen gegen eine Auslagerung gekämpft. Remo Herbst, Präsident des Verbands der Luzerner Mittelschullehrerinnen und Mittelschullehrer (VLM), bedauert den Entscheid: «Die Auslagerung wird sich auf die Dienstleistungen und die Schulkultur negativ auswirken.»

Lehrer fürchten Druck auf Löhne

Bisher hätten die Mensas viel zum familiären Charakter der Schulen beigetragen. Zudem würden sie zusätzliche Dienstleistungen, etwa für Sporttage oder Elternabende, anbieten, sagt Herbst. «Es wäre blauäugig zu glauben, dass der Entscheid keine Folgen für Schüler und Lehrer hat.» Reto Wyss hingegen betont, dass die Mensas auch künftig Dienstleistungen für Anlässe anbieten. «Dies war für uns ein wichtiges Thema bei den Vergabegesprächen. Die Mensas werden auch in Zukunft je nach Bedürfnis flexibel geöffnet sein.»

Weiter sagt Herbst: «Der Arbeitsdruck sowie der Druck auf die Löhne werden sicher steigen.» Dies erwartet auch Serafin Curti, Präsident des Verbands der Luzerner Schülerorganisationen (VLSO): «Wir sind alles andere als erfreut.» Vor allem mögliche Pensenkürzungen der Angestellten bereiten dem VLSO Sorgen. «Wir werden die Entwicklungen kritisch beobachten», sagt Curti. Bezüglich Menüpreisen sei mitgeteilt worden, dass es nur minimale Änderungen geben könne. «Was dies in Zahlen heisst, ist für uns noch offen.» Dass es kaum eine Änderung gibt, wird aus Kreisen der Schulen bezweifelt. So kursieren Zahlen, dass es zu Erhöhungen von bis zu 150 Prozent kommen könnte.

Investitionen in Bildungsprojekte

Die Einsparungen durch die Auslagerung sollen laut Reto Wyss für die Schulen eingesetzt werden: «Es ist noch offen, ob der volle Betrag in die Bildung fliesst.» Es gebe viele Aufgaben, die bei der gymnasialen Bildung anstehen – etwa eine Offensive bei den naturwissenschaftlichen Fächern oder ein Fach Informatik in den Kantis. Laut Remo Herbst muss die Regierung aufzeigen, wo genau das Geld investiert werden soll.

Nicht betroffen von der Auslagerung sind die Standorte Musegg und Schüpfheim. Die Regierung begründet dies damit, dass an der Kanti Musegg nur ein reduziertes Angebot besteht und Schüpfheim an die Landwirtschaftsschule angegliedert ist.