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KANTONSSPITAL LUZERN: In Luzern wird die weltweit kleinste Herzpumpe eingesetzt

Die weltweit kleinste Herzpumpe wird landesweit nirgends so oft eingesetzt wie am Kantonsspital Luzern. Florim Cuculi und sein Team sind die Spezialisten, wenn es um die Behandlung kranker Herzen geht.
Yasmin Kunz
Kardiologe Florim Cuculi und sein Team bei ihrer Arbeit im Herzkatheterlabor des Kantonsspitals. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 14. Dezember 2017))

Kardiologe Florim Cuculi und sein Team bei ihrer Arbeit im Herzkatheterlabor des Kantonsspitals. (Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 14. Dezember 2017))

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

Mehr als 1500 Katheter-Eingriffe werden pro Jahr im Herzkatheterlabor des Luzerner Kantonsspitals (Luks) vorgenommen. «Aufgrund der demografischen Entwicklung werden es jedes Jahr mehr», sagt Kardiologe Florim Cuculi, der seit 2012 am Luks arbeitet. Aufgrund der stetigen Zunahme herzkranker Patienten plant das Spital den Ausbau von zwei auf vier Labors (siehe Kasten).

Das Luks betreibt als Zentrumsspital das grösste Herzkatheterlabor in der Zentralschweiz. Doch nicht nur in diesem Bereich nimmt das Spital eine Vorreiterrolle ein – auch bezüglich neuer Verfahren ist es anderen Spitälern in der Schweiz einen Schritt voraus. Aktuelles Beispiel ist die Herzpumpe namens Impella. Dies ist weltweit die kleinste Herzpumpe. Nirgends im ganzen Land wird sie im Moment so oft eingesetzt wie im Luzerner Kantonsspital. Rund 50 solcher Eingriffe machten der 41-jährige Herzspezialist Florim Cuculi und sein Team im laufenden Jahr – das ist eine Steigerung von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Pumpe, die seit einigen Jahren auf dem Markt ist, misst etwa elf Zentimeter und wird meist über die Leistenarterie zur linken Herzkammer geführt. Dort unterstützt sie den Herzmuskel bei sehr komplexen Eingriffen oder dient als Kreislaufunterstützung bei Patienten mit sehr grossen Herzinfarkten. «Sie gibt dem Herzen Zeit, sich zu erholen und hilft so, Leben zu retten», so Cuculi.

Auch wenn sehr vielversprechend, ist die Impella nicht für jedermann geeignet. «Diese Methode wird nur bei Hochrisiko-Patienten eingesetzt. Zum Beispiel dann, wenn nur noch eine einzige Arterie im Herzen funktionsfähig ist oder wenn der Patient an einem kardiogenen Schock – also einem akuten Versagen des Herzens – leidet», so der Kardiologe. Wird die Impella beim kardiogenen Schock eingesetzt, geht es um Leben und Tod. «Dann muss alles sehr, sehr schnell gehen.» Schnell heisst: Mit geübten Händen ist die Pumpe in fünf bis sechs Minuten implantiert. Der Eingriff an den Herzarterien kann zwei bis drei Stunden dauern.

Je schwächer das Herz, desto mehr arbeitet die Maschine

Ist die Impella eingesetzt, fördert sie je nach Typ pro Minute bis zu 5 Liter Blut durch die Kanüle zur aufsteigenden Aorta. Das Blut, welches mittels Impella dann von der linken Herzkammer in die Aorta ausgestossen wird, versorgt alle lebenswichtigen Organe mit Sauerstoff. Sie nimmt der betroffenen Person sozusagen vorübergehend die Arbeit ab. Die Pumpe, die mehrere Tage im Körper bleiben kann, ist mittels Katheter an einem Gerät angeschlossen. Ein fahrbarer Herzschlagregulator sozusagen. An diesem Gerät wird die Pumpleistung eingestellt. Je schwächer das Herz, desto mehr arbeitet die Maschine und umgekehrt. Die Leistung ist individuell einstellbar.

Seit 2013 hat Cuculi rund 50 Impellas implantiert – mit durchaus gutem Ergebnis, wie er sagt. «Die Mehrheit der Impella-Patienten kann wenige Tage nach dem Eingriff das Spital verlassen und braucht ausser Herzmedikamenten keine weitere Behandlung.» Es gebe allerdings auch schwerwiegende Fälle, wo Betroffene nach der Behandlung etwa eine Herztransplantation benötigen. «Die Herzpumpe ist nur eine Brücke zwischen einem möglichen Herzstillstand oder eines schwachen Herzens und dem Plan B», bringt es Philipp Dober auf den Punkt. Dober ist klinischer Berater bei der Firma Abiomed und unter anderem zuständig für die Schweiz. Als diplomierter Experte in Anästhesiepflege im Luks berät er heute ­Kardiologen und ist bei Implantationen dabei. Er erklärt ihnen, wie sie die Pumpe korrekt implantieren.

Neben dem Luzerner Kantonsspital sind auch weitere Kliniken Abnehmer der kleinsten Herzpumpe. So etwa das Universitätsspital Basel, das Kantonsspital St. Gallen, die Universitätsklinik Zürich, das Inselspital Bern, aber auch kleinere Spitäler wie das Kantonsspital Aarau. «Nirgends ist allerdings die Nachfrage im Moment so gross wie in Luzern», sagt Dober. Das habe auch damit zu tun, dass das Team am Luks mittlerweile über viel Erfahrung verfügt und sich mit dem Einsatz der Impellas sicher fühle. Der Kardiologe ergänzt: «Macht man diesen doch sehr komplexen Eingriff nur sporadisch, mangelt es an Erfahrung. Und je weniger Übung man hat, desto grösser ist die Unsicherheit.» Für Cuculi ist denn auch klar: «Jeder Patient, der lebend mit einem Infarkt eingeliefert wird, soll die maximale Chance haben zu überleben. Ausser der Patient will das nicht.» Das sei, wenn auch sehr selten, schon vorgekommen.

Bis zu 15 000 Franken teuer – Krankenkasse übernimmt

Spricht man mit Florim Cuculi, spürt man, dass sein Herz für viele andere Herzen schlägt. So betont er mehrmals, in welch privilegierter Lage er am Luks sei. «Wir können mit aller Kraft Leben retten.» Der Eingriff kostet rund 12000 bis 15000 Franken, ist also für Patienten nicht ganz günstig. Cuculi: «Die Pumpe ist teuer. Sie hilft uns jedoch, die Patienten vor schweren, bleibenden Schäden zu schützen und die teure Hospitalisationsdauer auf der Intensivstation zu verkürzen.» So würden sich die Patienten schneller erholen und das Gesundheitssystem werde letztlich weniger belastet. Seit Januar dieses Jahres werden die Kosten für Impella-Implantationen von den Krankenkassen übernommen, unabhängig vom Versicherungstyp.

Laut Philipp Dober soll die Pumpe in Zukunft noch leistungsfähiger werden. «Es sind einige Innovationen in der Pipeline.» So sei man daran, die weltweit kleinste Herzpumpe noch zu optimieren, insbesondere was Messungen betrifft. So soll die Pumpe unter anderem künftig Daten über den Blutfluss und deren Drücke generieren. Des Weiteren will man das Gerät noch kleiner gestalten, um das Risiko, bei der Einführung die Leistenarterie zu verletzen, weiter zu reduzieren.

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