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KAPELLBRÜCKE: Brückenbilder sollen digital erlebbar werden

Der ganze Bilderzyklus wurde in einem Buch spannend aufbereitet. Es ist der Startschuss zur Wiedersichtbarmachung der verbrannten Bilder.
Das Bild «Vier Knechte sollen Leodegar töten», fotografiert 1991. Es wurde nach dem Brückenbrand 1993 als «Ruine» klassifiziert, ist also heute unlesbar. (Bild: PD)

Das Bild «Vier Knechte sollen Leodegar töten», fotografiert 1991. Es wurde nach dem Brückenbrand 1993 als «Ruine» klassifiziert, ist also heute unlesbar. (Bild: PD)

Die Kapellbrücke ist ein beliebtes Fotosujet – auch während der Sanierung des Dachs. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)
Die originalen Bilder wurden einzeln fotografiert … (Bild: pd)
…, unten am Bildrand ist jeweils die Kontroll-Farbskala zu sehen. (Bild: pd)
Zwei Drittel der Bilderwurden 1993 beim Brand der Kapellbrücke zerstört, … (Bild: pd)
… doch die Bilder wurden zwei Jahre vor dem verheerenden Feuer gemacht. Deshalb sind sie alle vertreten. (Bild: pd)
Nächster Schritt ist eine mehrsprachige Internet-Plattform – eine App für staunende Touristen … (Bild: pd)
… wie diese hier. Sie können dann Informationen zu den Bildern auf ihrem Display nachlesen. (Bild: Eveline Bachmann / Neue LZ)
7 Bilder

Buch über die Bilder der Kapellbrücke

Die zweibändige Publikation, welche die Stadt gestern vorstellte, ist eine kunsthistorische Sensation. Auf mehr als 500 Seiten werden sämtliche Kapellbrückenbilder fotografisch und mit ausführlichen textlichen Erläuterungen präsentiert. Über zwei Drittel der Bilder waren 1993 beim Brand der Kapellbrücke zerstört worden. Auch sie sind im Buch zu sehen. Möglich ist dies, weil der ganze Zyklus zwei Jahre vor dem Brand professionell fotografiert worden war.

Höchst lesenswert

Höchst lesenswert sind die Texte, welche der Historiker Heinz Horat zu jedem Bild verfasst hat. Der frühere Leiter des Historischen Museums versteht es, dem Leser auf anschauliche, leicht verständliche und doch historisch fundierte Weise einen Blick in die Entstehungszeit der Bilder zu ermöglichen.

Zwischen 1614 und 1625 sind sie entstanden – die berühmten Dreieckbilder. Sie zeigen Szenen der Landesgeschichte sowie Episoden aus dem Leben der Luzerner Stadtheiligen Leodegar und Mauritius. Gemalt wurden sie von Luzerner Künstlern, darunter Hans Heinrich Wägmann. Sie wurden im Lauf der Jahrhunderte vielfach renoviert. Dennoch: «Die Bildinhalte haben sich nicht verändert», sagt Heinz Horat.

«Der Bilderzyklus wurde in einer politisch schwierigen Zeit als Selbstdarstellung der Stadt und des Staates Luzern konzipiert und ausgeführt», so Horat. Das Konzept entwarf der damalige Stadtschreiber Renward Cysat. «Als überzeugter Gegenreformator stellte er Luzern als von Gott auserwähltes Volk dar.» Ein erstes Konzept wurde vom Grossen Rat allerdings zurückgewiesen, da es in der damaligen konfessionell gespaltenen Schweiz «als zu polemisch» empfunden worden wäre, so Horat.

Biblische Assoziationen

Biblische Assoziationen flossen dennoch in den Bilderzyklus ein. Auf der berühmten Tafel von der Entstehung Luzerns ist vor dem nächtlich-dunklen Vierwaldstättersee ein leuchtender Engel über der St.-Nikolaus-Kapelle im Hof (Vorgängerin der Hofkirche) zu sehen. Horat: «Eine Anspielung auf das Buch Genesis 1. Gott schickt einen Engel, um die Stadt Luzern zu gründen.» Horat führt den Leser auf manch eine interessante Spur. Die Tafel «Vier Knechte sollen Leodegar töten» zeigt, wie drei der vier als Henker zu Leodegar geschickten Knechte sich angesichts des Bischofs bekehren, während der vierte trotzig an seinem Vorhaben festhält. «Für die Luzerner von damals war das eine sehr reale Szene», so Horat, «denn viele von ihnen waren 1606 Zeugen des spektakulären St.-Leodegars-Spiels auf dem Weinmarkt in Luzern gewesen.»

Luzern damals und heute

Wenn man die Kapellbrückenbilder in aller Ruhe von nahem betrachtet, erkennt man weitere interessante Aspekte. Die Tafel «Die Gründung des Jesuitenkollegiums Luzern» etwa zeigt die Situation damals beim Jesuitenplatz. Die Szene ist sehr präzis gemalt, und das Erstaunliche ist, dass der Platz heute noch fast genau so aussieht.

120 000 Franken kostete der Druck des zweibändigen Werks – grösstenteils finanziert durch private Stiftungen. Heinz Horat verzichtete auf ein Honorar.

Per Smartphone Bilder betrachten

In einem nächsten Schritt soll das Bild- und Datenmaterial digital aufbereitet werden, «um es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen», so Stadträtin Manuela Jost. Ziel ist eine mehrsprachige Website mit Informationen zu den Bildern. Diese sollen mit Smartphones, Tablets und vor Ort über so genannte QR-Codes abgerufen werden können.

Nach 1993 sprach sich der Stadtrat dagegen aus, Kopien der verbrannten Bilder auf der Brücke aufzuhängen. Den Entscheid, einige Joche leer zu lassen und auch einige verkohlte Tafeln zu zeigen, segnete das Volk 2014 ab. Durchaus denkbar also, dass dereinst Touristen auf ihrem Smartphone auf der Kapellbrücke eines der verbrannten Bilder wieder aufleben lassen können. «Das dürfte aber frühestens 2018 so weit sein», sagte gestern die städtische Denkmalpflegerin Theresia Gürtler.

Hugo Bischof

Hinweis

Die Bilder der Kapellbrücke in Luzern, zwei Bände. Autor: Heinz Horat. Herausgeberin: Stadt Luzern. Verlag Hier und Jetzt, Baden, Verlag für Kultur und Geschichte, 2015. Preis: 69 Franken.

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