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KAPELLBRÜCKE: Buchprojekt entfacht Bilderstreit neu

Ein neues Buch will die Brückenbilder «auch für Normalbürger» leichter lesbar machen – anhand der Schumacher’schen Kopien. Die Denkmalpflege ist skeptisch.
Hugo Bischof
Kopie eines Kapellbrückenbildes. (Bild: Pius Amrein)

Kopie eines Kapellbrückenbildes. (Bild: Pius Amrein)

Heute jährt sich der Brand der Luzerner Kapellbrücke zum 23. Mal. In der Nacht auf den 18. August 1993 verbrannten neben grossen Teilen der Brücke auch die meisten historischen Giebelbilder. Die Brücke selber ist längst wieder aufgebaut. Die Bilder wurden nicht ersetzt. An ihrer Stelle klaffen seither Lücken. Den Versuch, sie durch Kopien zu ersetzen, lehnte die Denkmalpflege ab. Auch das Stimmvolk sagte dazu 2014 Nein.

Um die Aussagekraft von Original oder Kopie ist seither ein ­veritabler Bilderstreit im Gang. Neu befeuert wurde dieser durch eine Motion von SP, CVP und GLP. Sie fordert, die Lücken mit zeitgenössischen Gemälden zu ersetzen (Ausgabe vom 7. Juli).

Crowdfunding soll 25 000 Franken bringen

Nun gibt es ein neues Projekt. Heinz Schürmann (65), pensionierter Emmer Sekundarlehrer, und Klemens Vogel (57), ebenfalls Oberstufenlehrer in Emmen, wollen ein Buch über die Kapellbrückenbilder herausgeben. Es soll mit leicht verständlichen Erklärungen zur besseren Lesbarkeit der Bilder «für Normalbürger» beitragen, so Schürmann. Um das Buch zu realisieren, wollen die Initianten per Crowdfunding 25 000 Franken sammeln. Das Buch basiert auf dem digitalen E-Book zu den Kapellbrückenbildern, das die beiden Emmer 2016 realisierten. «Es gibt aber viele, vor allem ältere Personen, die lieber ein Buch in Händen halten», sagt Schürmann.

So weit, so gut. Doch das Buch ist nicht unumstritten. Vor allem die Denkmalpflege hat Vorbehalte. Als Vorlage verwenden die beiden Emmer Lehrer die vom Luzerner Kulturmäzen Jost Schumacher auf eigene Initiative in Auftrag gegebenen Bilderkopien, welche die Stadt und das Stimmvolk 2014 als Ersatz für die verbrannten Originalbilder ablehnten. Grundsätzlich sei das geplante Buch «lobenswert», sagt Theresia Gürtler, Leiterin Denkmalpflege und Kulturgüterschutz der Stadt Luzern: «Es steht in der Tradition der interessierten Luzerner Bürgerschaft, historische Gebäude zu erhalten und die Erinnerung daran wachzuhalten.» Dennoch ist Gürtler skeptisch. Sie verweist auf ein 2015 im Verlag Hier und Jetzt erschienenes, von der Stadt unterstütztes zweibändiges Buch des Luzerner Historikers Heinz Horat. «Dieses ist eine der besten Dokumentationen der Kapellbrückenbilder; mehr dazu können wir fast nicht machen.»

Der grosse Vorteil des Horat-Buchs aus Sicht der Denkmalpflege ist, dass es die Originalbilder zeigt, basierend auf Fotos, die 1991, zwei Jahre vor dem Brand, entstanden sind. Auch Schürmann und Vogel sind voll des Lobs über das Horat-Buch (das sie als Quelle ausdrücklich nennen). Sie nutzen dessen Erkenntnisse, haben diese aber «bewusst verdichtet und vereinfacht». Sie betonen zudem, die in frischen Farben gemalten Kopien seien besser lesbar als die teils stark abgenutzten Originalbilder.

Heinz Horat: «Pseudo-Originalität»

Heinz Horat seinerseits betont: «Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Kopien mehr zeigen als die Originale.» Ein Hauptproblem sieht Horat darin, «dass mit den Kopien eine Pseudo-Originalität suggeriert wird». Viele der Kopien seien «farblich erfunden – natürlich sagen viele Betrachter auf den ersten Blick, ‹das ist ja toll›, aber wenn irgendeinmal die Kopien als Originale wahrgenommen werden, ist das aus historischer Sicht bedauerlich.» Heinz Schürmann sagt dazu: «Unser Anspruch ist es, auf rasche, einfache Weise die Bildgeschichten zu erzählen – sozusagen für jemanden, der den Geschichtsunterricht verpasst hat.»

Das Crowdfunding auf der LUKB-Website Funders.ch startet heute und dauert bis 31. Ok­tober. Das Buch soll mindestens 160 Seiten umfassen und in einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheinen. Wer sich mit einem entsprechenden Betrag am Crowd­funding beteiligt, erhält das Buch für 30 Franken. Im Buchhandel dürfte es später um die 45 Franken kosten.

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Infos zum Crowdfunding des ­Kapellbrückenbilder-Buchs auf: www.funders.ch/giebelbilder

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