KAPELLBRÜCKE: «Die Bilder gehören auf die Brücke»

Tourismus, Politiker, Bürger – viele wollen die kopierten Bilder unbedingt auf der Kapellbrücke sehen. Die Denkmalpflege hält dagegen.

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Reto Eicher, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Bilderprojekts, zeigt zwei der 146 Kapellbrücke-Bildkopien an ihrem Lagerort. (Bild Marco Stalder/Neue LZ)

Reto Eicher, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Bilderprojekts, zeigt zwei der 146 Kapellbrücke-Bildkopien an ihrem Lagerort. (Bild Marco Stalder/Neue LZ)

In nummerierten Fächern aufgereiht, so lagern die in Öl und Tempera kopierten 146 Bilder der Kapellbrücke derzeit in einem Stadtluzerner Keller. Anwalt und Kunstliebhaber Jost Schumacher hat die dreieckigen Gemälde für 2 Millionen Franken wieder herstellen lassen, am Montag präsentiert und bislang «ausschliesslich positive Feedbacks» erhalten.

Aktuell hängen 31 Originalbilder auf der Kapellbrücke; sie wurden nach dem Brand wieder hergestellt (86 wurden zerstört). Zudem sind 26 Bilder des Mauritiuszyklus zu sehen, der schon früher, als die Brücke noch länger war, dort hing. Die restlichen Joche sind leer und damit Zeugen der Brandnacht.

SVP und FDP wollen die Kopien auf der Brücke sehen
Reaktionen auf das private Bilderprojekt folgen jetzt auf breiter Front. Marcel Perren, Luzerns Tourismusdirektor, sagt: «Die Gemälde sind ein wichtiges Zeitzeugnis, das zur Brücke gehört. Ob Original oder Kopie – das ist der Mehrheit unserer Gäste wahrscheinlich nicht so wichtig.» 

Auch politisch wird bereits ein Aufhängen der Kopien gefordert: «Die Bilder gehören selbstverständlich auf die Brücke. Der Stadtrat muss in dieser Frage unbedingt mit sich diskutieren lassen», sagt SVP-Grossstadtrat Urs Wollenmann und will im Namen seiner Fraktion einen entsprechenden Vorstoss einreichen. Die FDP hat ihre Interpellation bereits formuliert. Grossstadträtin Claudia Portmann-de Simoni hält es für «unverständlich», die Kopien, «klar als solche gekennzeichnet, den so zahlreichen Touristen vorzuenthalten».

Grüne und SP stehen hinter Bieder
Grüne und SP stützen den stadträtlichen Grundsatzentscheid, auf der Brücke nur Originale zu zeigen. Beide Fraktionen würden aber die Diskussion begrüssen, ob und wie man die Kopien der Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. Auch CVP-Fraktionschef Markus Mächler akzeptiert «zu 100 Prozent die fachliche Einschätzung, nur Originale zu zeigen. Von der emotionalen Seite betrachtet, könnte ich jedoch auch mit entsprechend gekennzeichneten Kopien auf der Brücke leben.»

Stadtrat Kurt Bieder vertritt nach wie vor das Konzept von 2002, das nach langer Vorgeschichte zusammen mit der kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflege erarbeitet worden ist. Der Baudirektor sagt aber auch: «Ich will mich einer Diskussion nicht verschliessen und bin froh, wenn diese auf sachlicher Ebene im Parlament geführt werden kann.» Die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) setzte sich dezidiert dafür ein, dass nur Originale auf der Kapellbrücke gezeigt werden sollen. EKD-Präsident Bernhard Furrer erklärt: «Ich bin der festen Überzeugung, dass Bilder dieser Qualität nur im Original die richtige Aussagekraft haben.»

Jérôme Martinu

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung.